Ar­gen­ti­ni­en, hilf!

Ap­pell Für Da­ni­el Ba­ren­boim sind die Flücht­lin­ge nicht nur ei­ne Auf­ga­be für Deutsch­land

Donauwoerther Zeitung - - Feuilleton - Ba­ren­boim: Ba­ren­boim: Ba­ren­boim: Ba­ren­boim:

Was ist der Grund für Ih­re Initia­ti­ve?

Ei­ne Tra­gö­die die­ses Aus­ma­ßes kann nicht von Eu­ro­pa al­lein be­wäl­tigt wer­den. Wie kann es sein, dass der Rest der Welt ab­seits steht? In ei­ner glo­ba­li­sier­ten Welt müs­sen auch die Pro­ble­me glo­bal ge­löst wer­den. Ich for­de­re des­halb die künf­ti­ge ar­gen­ti­ni­sche Re­gie­rung auf, in der welt­of­fe­nen Tra­di­ti­on des Lan­des ei­ne nen­nens­wer­te Zahl von sy­ri­schen Flücht­lin­gen auf­zu­neh­men – und zwar di­rekt aus den Län­dern Jor­da­ni­en, Li­ba­non und der Tür­kei, um ih­nen das Leid der Flucht nach Eu­ro­pa zu er­spa­ren.

War­um aus­ge­rech­net Ar­gen­ti­ni­en?

Ar­gen­ti­ni­en war im­mer ein Land, das of­fen für Im­mi­gran­ten und Flücht­lin­ge war. Auch mei­ne Fa­mi­lie und die von Mar­tha Ar­ge­rich, die an der Initia­ti­ve be­tei­ligt ist, sind En­de des 19. Jahr­hun­derts auf der Flucht vor der Ju­den­ver­fol­gung im Za­ren­reich so nach Ar­gen­ti­ni­en ge­kom­men. Au­ßer­dem hat das Land drei sy­ri­sche Ge­mein­den – ei­ne mus­li­misch-sy­ri­sche, ei­ne jü­disch-sy­ri­sche und ei­ne christ­lich­sy­ri­sche – und da­mit ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung. Für Ar­gen­ti­ni­en, ein frü­her sehr rei­ches und wich­ti­ges Land, wä­re es jetzt der rich­ti­ge Mo­ment, sich wie­der auf der Welt­büh­ne zu zei­gen. Wie be­ur­tei­len Sie die deut­sche Rol­le?

Ich bin ein gro­ßer Be­wun­de­rer der Ak­ti­on von Frau Mer­kel. Sie hat sich mit ih­rem Be­kennt­nis „Wir schaf­fen das“sehr weit aus dem Fens­ter ge­lehnt, und das schät­ze ich. Na­tür­lich kom­men jetzt die Schwie­rig­kei­ten bei der Um­set­zung, da muss sie Kurs hal­ten. Aber sie hat erst mal ge­sagt, was ihr wich­tig ist. Und ich glau­be, sie wird sich durch­set­zen.

Ha­ben Sie Ver­ständ­nis, wenn Men­schen bei uns sich Sor­gen ma­chen?

Deutsch­land hat sich mit sei­ner Ver­gan­gen­heit in der NS-Zeit auf vor­bild­li­che Wei­se aus­ein­an­der­ge­setzt. Kein an­de­res Land der Welt ist so ehr­lich mit der ei­ge­nen Ge­schich­te um­ge­gan­gen. Aber jetzt ist der nächs­te Schritt nö­tig: Die Deut­schen soll­ten auch be­reit sein, ih­re groß­ar­ti­ge deut­sche Kul­tur mit den Neu­an­kömm­lin­gen zu tei­len. Vor­aus­set­zung da­für sind Bil­dung und Auf­klä­rung. Das wä­re die bes­te Ver­tei­di­gung der eu­ro­päi­schen Wer­te.

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