Die Magd des Phi­lo­so­phen

His­to­ri­scher Ro­man über Des­car­tes

Donauwoerther Zeitung - - Feuilleton -

„Co­gi­to er­go sum – ich den­ke, al­so bin ich.“Dass der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph und Ma­the­ma­ti­ker Re­né Des­car­tes (1596-1650) das ge­sagt hat, das lern­te man in der Schu­le. Doch wer war die­ser Des­car­tes? Der Ro­man der eng­li­schen Au­to­rin Gui­ne­ve­re Glas­furd bringt uns den Den­ker nä­her, und zwar über ei­nen Um­weg. Sei­ne Magd ist es, die von ihm er­zählt – die Hol­län­de­rin He­le­na Jans. Die bei­den ver­lie­ben sich in­ein­an­der, be­kom­men ei­ne Toch­ter. Aber ge­hei­ra­tet wird sie von Mon­sieur Des­car­tes nicht – die Stan­des­un­ter­schie­de sind zu groß, au­ßer­dem ist He­le­na Cal­vi­nis­tin und Des­car­tes Ka­tho­lik. Gleich­wohl sorgt er für Mut­ter und Kind, bleibt sei­ner Ge­lieb­ten ein Le­ben lang ver­bun­den, auch nach­dem das Kind früh stirbt. Das hört sich nach Kol­por­ta­ge, Herz und Schmerz an, ist je­doch ein klug kom­po­nier­ter und auf Tat­sa­chen ba­sie­ren­der Ro­man. His­to­risch be­legt ist, dass Des­car­tes an sei­ner klei­nen Toch­ter sehr hing und dass er mit de­ren Mut­ter zeit­wei­se im Ver­bor­ge­nen zu­sam­men­leb­te. Aus die­sen we­ni­gen be­kann­ten Tat­sa­chen lässt Gui­ne­ve­re Glas­furd ein gan­zes Le­ben ent­ste­hen. He­le­na, die Magd, ein un­ge­wöhn­lich wiss­be­gie­ri­ges Mäd­chen, ist die Ich-Er­zäh­le­rin, die plas­tisch und far­big das All­tags­le­ben des 17. Jahr­hun­derts schil­dert. Ein his­to­ri­scher Ro­man der be­son­de­ren Art – mit wei­tem Bil­dungs-Ho­ri­zont, oh­ne Ge­schichts-Kli­schees, sprach­lich durch­aus an­spruchs­voll und den­noch span­nend zu le­sen. (aba)

List, 423 Sei­ten,

18 ¤

Gui­ne­ve­re Glas­furd: Wor­te in mei­ner Hand.

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