Schmuck­dieb soll ins Ge­fäng­nis

Ge­richt 24-Jäh­ri­ger be­stiehlt Schwie­ger­el­tern in spe. Ein Fall, der auch tra­gi­sche Zü­ge hat

Donauwoerther Zeitung - - Service - Nörd­lin­gen

Die­se Si­tua­ti­on ken­nen vie­le El­tern: Die Toch­ter bringt ih­ren Freund mit nach Hau­se und man nimmt die­sen bei sei­nen Be­su­chen qua­si mit in die Fa­mi­lie auf. In ei­nem Ort im Ries hat ein jun­ger Mann die­se Gast­freund­schaft übel miss­braucht. In ei­nem un­be­ob­ach­te­ten Mo­ment stahl er den kom­plet­ten Schmuck der Schwie­ger­el­tern in spe. Da­für muss­te sich der 24-Jäh­ri­ge jetzt vor Ge­richt ver­ant­wor­ten. Dort stell­te sich her­aus, dass der Fall an sich klar ist, die Be­gleit­um­stän­de je­doch recht ver­zwickt und die Fol­gen in­zwi­schen durch­aus tra­gisch sind.

Der Dieb­stahl passierte be­reits 2014. Der Tä­ter be­kam da­mals mit, wo die El­tern sei­ner Freun­din ih­ren Schmuck auf­be­wahr­ten: In ei­nem Kof­fer, der in ei­ner Kam­mer des Hau­ses stand. Der 24-Jäh­ri­ge nahm in ei­nem güns­ti­gen Au­gen­blick al­les an sich, was ihm wert­voll er­schien: gol­de­ne Ket­ten, Arm­bän­der und Rin­ge. Da­zu ge­hör­ten auch die Hoch­zeits­rin­ge des Ehe­paars.

Die Tat blieb zu­nächst un­be­merkt. Der jun­ge Mann ver­hö­ker­te die Schmuck­stü­cke gleich bei ei­ner Edel­me­tall-An­nah­me­stel­le in Augs­burg. Auf die­se Wei­se ge­lang­te er an 1500 Eu­ro Bar­geld. Lan­ge ging die Sa­che aber nicht gut. Als die Ehe­leu­te den Dieb­stahl be­merk­ten, fiel der Ver­dacht schnell auf den Freund der Toch­ter. Der ging gleich selbst zur Po­li­zei und leg­te ein Ge­ständ­nis ab. Au­ßer drei eher bil­li­gen Rin­gen war die Beu­te frei­lich nicht mehr greif­bar.

Der Be­zie­hung zur Toch­ter der Op­fer tat der Fall kei­nen Ab­bruch. Im Ge­gen­teil: Das Paar hat in­zwi­schen so­gar Nach­wuchs und lebt au­gen­schein­lich glück­lich zu­sam­men. An­ge­sichts sol­cher Tat­sa­chen er­klär­te der be­stoh­le­ne Schwie­ger­va­ter in der Ver­hand­lung, dass er ei­gent­lich kein In­ter­es­se mehr an ei­ner Straf­ver­fol­gung ha­be. Er ver­lan­ge auch nichts von dem Dieb zu­rück.

Rich­te­rin San­dra Fi­scher konn­te die Sa­che aber nicht so ein­fach vom Tisch wi­schen. Grund: Der An­ge­klag­te war ju­ris­tisch schon lan­ge kein un­be­schrie­be­nes Blatt mehr. We­gen di­ver­ser Ein­brü­che war er 2013 zu ei­ner Ju­gend­stra­fe von ein­ein­halb Jah­ren zur Be­wäh­rung ver­ur­teilt wor­den – und hät­te sich da­mit bis auf Wei­te­res nichts mehr er­lau­ben dür­fen. Zu­dem igno­rier­te der 24-Jäh­ri­ge sämt­li­che Be­wäh­rungs­auf­la­gen. Er leis­te­te nicht die ihm auf­er­leg­ten Ar­beits­stun­den ab, zahl­te auch nicht die Geld­auf­la­ge, in wel­che die­se zwi­schen­zeit­lich um­ge­wan­delt wur­den. Zu den Ter­mi­nen mit sei­nem Be­wäh­rungs­hel­fer er­schien der jun­ge Mann ein­fach nicht – auch zu­letzt, als nach dem Schmuck­dieb­stahl neu­es Un­ge­mach auf ihn zu­kam.

Durch die­ses Ver­hal­ten sah San­dra Fi­scher kei­nen Spiel­raum mehr für ei­ne er­neu­te Be­wäh­rungs­stra­fe. Die Rich­te­rin ver­ur­teil­te den 24-Jäh­ri­gen zu sechs Mo­na­ten Haft. Die Ver­tre­te­rin der Staats­an­walt­schaft hat­te acht Mo­na­te ge­for­dert. Der Ver­tei­di­ger hat­te auf ei­ne Gel­do­der Be­wäh­rungs­stra­fe plä­diert. Aus sei­ner Sicht sei der An­ge­klag­te nun ein ge­fes­tig­ter Fa­mi­li­en­va­ter.

Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Dem Mann droht je­doch auch der Wi­der­ruf der Ju­gend­stra­fe von 2013. Soll­te dies ge­sche­hen, müss­te er län­ger ins Ge­fäng­nis. (wwi)

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