Stadt­ka­pel­le fei­ert die 60

Kon­zert Mit ei­nem be­ein­dru­cken­den Auf­spie­len be­schenk­ten sich die Mu­si­ker selbst

Donauwoerther Zeitung - - Blickpunkt Kultur - VON HANS BREN­NER Donauwörth

Das Ju­bi­lä­ums­kon­zert der Stadt­ka­pel­le Donauwörth aus An­lass ih­res 60-jäh­ri­gen Be­ste­hens ge­riet zum mu­si­ka­li­schen Voll­tref­fer am Schluss der Do­nau­wör­ther Kul­tur­ta­ge. Di­ri­gent Jo­sef Basting und sei­ne Mu­si­ker hat­ten kei­ne Mü­he ge­scheut, be­denkt man, dass vom En­de der gro­ßen Fe­ri­en bis zum Auf­füh­rungs­ter­min ge­ra­de ein­mal sechs Wo­chen zur Ver­fü­gung stan­den.

Ober­bür­ger­meis­ter Ar­min Neu­dert, der beim Kon­zert die Gruß­wor­te sprach, zeig­te sich über­rascht von dem klin­gen­den Auf­marsch der Stadt­ka­pel­le in den prop­pen­vol­len Tanz­haus­saal. Für sein En­ga­ge­ment lob­te er das En­sem­ble ganz be­son­ders. Er wer­te­te es als „kul­tu­rel­len Bot­schaf­ter“und als ver­läss­li­chen Part­ner, wel­cher über ein be­mer­kens­wer­tes Re­per­toire ver­fügt. An­er­ken­nend äu­ßer­te sich OB Neu­dert über die jun­gen Ta­len­te in der Ka­pel­le und sei­ne Glück­wün­sche gal­ten dem schließ­lich dem Ge­burts­tags­kind. Die his­to­ri­sche Uni­form der Ka­pel­len­mit­glie­der und der mit­ge­führ­te Schel­len­baum, hing mit der Be­deu­tung die­ser Ver­an­s­tal- tung zu­sam­men. Die Mo­de­ra­ti­on lag auch heu­er in den be­währ­ten Hän­den von Rai­ner Müller.

Das groß­ar­ti­ge Feu­er­werk an Tak­ten und Me­lo­di­en wur­de mit dem Marsch „Kö­nig Lud­wig II.“von Ge­org Sei­fert gleich beim Ein­zug ent­facht. Jo­han­nes Gu­ten­berg, dem Er­fin­der des Buch­drucks ge­wid­met war Ot­to M. Schwarz’ Hom­mage „Jo­han­nes Gu­ten­berg“. Sie stellt ei­ne in No­ten ge­gos­se­ne Hul­di­gung des ge­nia­len Ent­de­ckers des Buch­dru­ckes dar, ein mo­der­nes Stück, das al­le Re­gis­ter in glei­cher Wei­se for­der­te. Aus der Fe­der des ame­ri­ka­ni­schen Kom­po­nis­ten Al­f­red Reed stammt die Kon­zer­tou­ver­tü­re „The Hounds of Spring“. Sie ist ei­ne sehr schwe­re, in der Höchst­stu­fe an­zu­set­zen­de Kom­po­si­ti­on, die den Aus­füh­ren­den äu­ßers­te Kon­zen­tra­ti­on ab­ver­lang­te. Nach Reeds In­ten­ti­on soll sie die Freu­de auf den be­gin­nen­den Früh­ling nach ei­nem lan­gen und har­ten Win­ter aus­drü­cken.

Seit der Urauf­füh­rung sei­nes Wer­kes „Das Land des Lä­chelns“1929 hat sich Franz Lehár ei­nen fes­ten Platz in der Welt der Ope­ret­te ge­si­chert. Der Kom­po­nist be­schreibt hier den Le­bens­ab­schnitt ei­ner Kom­tes­se, die mit ei­nem chi­ne­si­schen Prin­zen in des­sen Hei­mat zieht und ent­täuscht wie­der zu­rück­kehrt, wo­bei sie auf die Hil­fe ih­res frü­he­ren Ver­eh­rers zäh­len kann. Be­son­de­re Ak­zen­te setz­te in der Ou­ver­tü­re da­zu die In­stru­men­tal­grup­pe der Kla­ri­net­ten.

Der größ­te Er­folg von John Mi­les ist sein Song „Mu­sic“. Seit 1985 ge­hört er zum fes­ten Be­stand­teil von Kon­zer­ten. Gerd Fer­ners Trom­pe­ten­so­lo, ver­dient da­bei be­son­ders her­vor­ge­ho­ben zu wer­den. Nichts mit dem ita­lie­ni­schen Adels­ge­schlecht der Me­di­ci zu tun hat Jo­han Wi­chers’ gleich­na­mi­ger Marsch. Sei­ne Kom­po­si­ti­on gibt ins­be­son­de­re im drit­ten Teil dem tie­fen Blech viel Raum, wo­bei sich bei der Wie­der­ho­lung das ho­he Blech ein­fügt.

Den zwei­ten Teil lei­te­te der „As­tro­nau­ten­marsch“ein. Er hieß ur­sprüng­lich „Marsch der Stadt Pi­sek“und wur­de von dem böh­mi­schen Mi­li­tär­mu­si­ker Jo­sef Ul­rich ge­schrie­ben. Ein kur­zes Trom­pe­ten­si­gnal zum Auf­takt führ­te übers tie­fe Blech bald zum vol­len Werk.

„Das Dschun­gel­buch“, der Dis­ney-Klas­si­ker von 1967 ließ vie­le Kind­heits­er­in­ne­run­gen wach wer­den. Als Film­mu­sik von Richard und Ro­bert Sher­man stach sie mit et­li­chen Tem­po- und Ton­art­wech­seln und So­lo­pas­sa­gen her­vor (Pic­co­lo: An­na Mei­ers­ho­fer, Trom­pe­te: Gerd Fer­ner und Po­sau­ne: Be­ne­dikt Keß­ler). Dass sich Di­ri­gent Jo­sef Basting auch aufs Kom­po­nie­ren ver­steht, dürf­te spä­tes­tens bei die­sem Ju­bi­lä­ums­kon­zert be­kannt sein. Die Pol­ka „Mu­si­kan­ten­see­le“, ein an­spre­chen­des und ge­müt­vol­les Stück, er­leb­te al­so sei­ne Urauf­füh­rung. Wenn auch ei­ni­ge mu­si­ka­li­sche Weg­be­glei­ter nicht mehr sind, bleibt ih­re Mu­sik doch un­ver­ges­sen.

Max Gre­gers Lieb­lings­stück „Fla­min­go“wur­de von Guil­lau­me Bou­vet auf dem Te­nor­sa­xo­fon in Er­in­ne­rung ge­ru­fen. Ei­ner der be­kann­tes­ten Schla­ger von Ja­mes Last, dem Kö­nig des Hap­py Sound war „Mor­gens um sie­ben ist die Welt noch Ord­nung“. Slav­ko Av­se­nik spiel­te sich mit sei­nen Ori­gi­nal Ober­krai­ner Mu­si­kan­ten in die Her­zen der Zu­hö­rer („Es ist so schön ein Mu­si­kant zu sein“) und Udo Jür­gens Be­liebt­heit grenz­te ans Uner­mess­li­che („Mer­ci Che­ri“). Carl Zel­ler war ei­gent­lich Ju­rist. Sein be­kann­tes­tes Werk ist die 1891 in Wi­en ur­auf­ge­führ­te Ope­ret­te „Der Vo­gel­händ­ler“. Ein Me­lo­dien­quer­schnitt dar­aus be­en­de­te das groß­ar­ti­ge und von an­hal­ten­dem Bei­fall be­dach­te Kon­zert. Dass da­für zwei Zu­ga­ben „lo­cker“ge­macht wur­den, ver­steht sich von selbst. Das vier­stro­phi­ge „Do­nau­wör­ther Hei­mat­lied“, ge­mein­sam ge­sun­gen, je­doch stand als Schluss­ak­kord.

Ober­bür­ger­meis­ter Ar­min Neu­dert (vor­ne) hielt die Er­öff­nungs­re­de.

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