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Wirt­schaft In Bran­chen und Re­gio­nen feh­len Fach­kräf­te. Das kla­gen zu­min­dest Un­ter­neh­men im­mer, auch in der Re­gi­on. Wel­chen Chan­cen be­ste­hen da für die Ka­threin-Mit­ar­bei­ter?

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis | Sport Vor Ort - VON BERND SCHIED Nörd­lin­gen

Die Wirt­schaft in Deutsch­land brummt. Die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen ist ak­tu­ell mit gut 43 Mil­lio­nen Men­schen so hoch wie nie. Auch die An­zahl der of­fe­nen Stel­len steigt. Gleich­zei­tig feh­len in ei­ni­gen Bran­chen und Re­gio­nen qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te. Letz­te­res be­haup­ten zu­min­dest die Un­ter­neh­men.

Um die­sem Trend ent­ge­gen­zu­wir­ken, ha­ben meh­re­re Bun­des­mi­nis­te­ri­en zu­sam­men mit Ar­beit­ge­bern und Ge­werk­schaf­ten so­wie den In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern und Hand­werks­kam­mern die­se Wo­che zur „Fach­kräf­te­wo­che“aus­er­ko­ren. Da­mit soll un­ter an­de­rem auf die Aus­wir­kun­gen des Fach­kräf­te­man­gels auf die Wirt­schaft auf­merk­sam ge­macht wer­den.

Auch im Land­kreis Do­nau-Ries kla­gen die Fir­men bei na­he­zu je­der sich bie­ten­den Ge­le­gen­heit ihr Leid, kei­ne Fach­kräf­te zu fin­den. Ger­ne wür­den sie qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter ein­stel­len, wenn es nur wel­che gä­be, heißt es im­mer wie­der. Ge­ra­de in der Pro­duk­ti­ons­re­gi­on Nord­schwa­ben hät­ten qua­li­fi­zier­te Fach­ar­bei­ter der­zeit gu­te Chan­cen auf Jobs, sagt die Ar­beits­agen­tur. Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­te es auch nicht all­zu schwie­rig sein, den Groß­teil der rund 200 Fach­kräf­te von Ka­threin un­ter­zu­brin­gen. Ins­be­son­de­re die Me­tall- und Elek­tro­bran­che su­che ent­spre­chen­de Mit­ar­bei­ter.

Fragt man bei den Ar­beit­ge­bern nach, wis­sen die­se oft nicht so recht, wor­in die Ur­sa­chen für den Man­gel an Fach­ar­bei­ten lie­gen. Ei­ne Er­klä­rung könn­te sein, dass es vie­le Be­trie­be in der Ver­gan­gen­heit ver­säumt ha­ben, ih­ren ei­ge­nen Nach­wuchs her­an­zu­zie­hen und ent­spre­chend aus­zu­bil­den, sa­gen Ar­beits­markt­ex­per­ten.

Aus Sicht der Ge­werk­schafts­ju­gend stellt sich die Sa­che hin­ge­gen an­ders dar: Dem­nach sind es häu­fig die schlech­ten Aus­bil­dungs­be­din­gun­gen, die Ju­gend­li­che in den Be­trie­ben vor­fän­den: un­be­zahl­te Über­stun­den, feh­len­der Frei­zeit­aus­gleich oder ei­ne ge­rin­ge Wert­schät­zung, die Vor­ge­setz­te ih­ren Lehr­lin­gen ent­ge­gen­bräch­ten, die zu­dem nicht sel­ten als re­gu­lä­re Ar­beits­kräf­te ein­ge­setzt wür­den, um Kos­ten zu spa­ren. Die Fol­ge da­von: ho­he Ab­bre­cher­quo­ten.

Kurz­lehr­gän­ge oder Um­schu­lun­gen

Ei­nen Rück­schlag hat der Aus­bil­dungs­markt im Land­kreis nun durch die be­vor­ste­hen­de Schlie­ßung des Ka­threin-Wer­kes in Nörd­lin­gen er­fah­ren. Dort sind im­mer­hin 31 Aus­zu­bil­den­de be­schäf­tigt. Um sie küm­mert sich ne­ben der Ar­beits­agen­tur das Re­gio­nal­bü­ro der IHK, wie Re­gio­nal­ge­schäfts­füh­re­rin Bet­ti­na Kr­äuß­lich sag­te. Bis­her sei­en erst 13 von ih­nen ver­sorgt. Kr­äuß­lich hofft, dass auch die üb­ri­gen bald ei­nen Be­trieb fin­den, der sie über­nimmt, um die Aus­bil­dung fort­zu­set­zen.

Auf die Fra­ge, ob nicht für die un­ge­lern­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen von Ka­threin eben­falls die Chan­ce be­stün­de, sich zu Fach­kräf­ten wei­ter­bil­den zu las­sen, äu­ßer­te sich die Ge­schäfts­füh­re­rin zu­rück­hal­tend. Frei­lich hät­ten sie die Mög­lich­keit, ei­nen Be­ruf zu er­ler­nen. Der Schwer­punkt lie­ge wohl in ers­ter Li­nie in der Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung, die von der Ar­beits­agen­tur be­zahlt und von un­ter­schied­li­chen Bil­dungs­trä­gern über­nom­men wer­de.

Micha­el Hei­lig, Re­gio­nal­ver­tre­ter im Bun­des­ver­band mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft, sag­te, die Fach­kräf­te­wo­che bie­te ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, auf das Pro­blem auf­merk­sam zu ma­chen. Mit sei­nem Ver­band sei er flei­ßig un­ter­wegs, den Be­trie­ben be­ra­tend zur Sei­te zu ste­hen.

Die Ar­beits­agen­tur in Donauwörth mit ih­rer Au­ßen­stel­le in Nörd­lin­gen hat sich in­zwi­schen den rund 200 Mit­ar­bei­tern von Ka­threin an­ge­nom­men, die be­reits zum Jah­res­en­de ih­re Jobs ver­lie­ren. Mit­te No­vem­ber wür­den meh­re­re Ar­beits­ver­mitt­ler vor Ort sein und mit je­dem Be­trof­fe­nen ein Ge­spräch füh­ren, sag­te Pres­se­spre­che­rin Ro­se­ma­rie Kra­mer. Die Ver­mitt­lung in an­de­re Ar­beits­ver­hält­nis­se ste­he an ers­ter Stel­le. Da­für wür­den auch Coa­chings, Be­wer­bungs­trai­nings und Wei­ter­qua­li­fi­zie­run­gen an­ge­bo­ten. Dies kön­ne in Kurz­lehr­gän­gen oder durch Um­schu­lun­gen ge­sche­hen, be­ton­te Kra­mer. Glei­ches gel­te für die Be­schäf­tig­ten, die im kom­men­den Jahr ent­las­sen wür­den.

Foto: Lei­ten­stor­fer

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