Oh je, VW

Au­to­bau­er Volks­wa­gen muss im Ab­gas-Skan­dal blu­ten: Die Af­fä­re brockt dem Kon­zern zum ers­ten Mal seit mehr als 20 Jah­ren ro­te Zah­len ein. Und es dürf­te al­les noch di­cker kom­men

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft - Wolfsburg

Die Welt in Wolfsburg ist jetzt end­gül­tig ei­ne an­de­re. Af­fä­ren, Macht­kämp­fe und Kri­sen gab es zwar vie­le in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten, doch am En­de schrieb der Kon­zern im­mer schwar­ze Zah­len. Die­se Zeit ist vor­bei: Volks­wa­gen ist durch den Ab­gas-Skan­dal erst­mals seit 1994 wie­der in die Ver­lust­zo­ne ge­rutscht. Und die vie­len Mil­li­ar­den, die der Kon­zern für die Kos­ten der Au­to-Rück­ru­fe zu­rück­ge­legt hat, dürf­ten erst der An­fang ge­we­sen sein. Da­von spricht VW selbst.

Ein Blick in die Quar­tals­bi­lanz zeigt: 6,7 Mil­li­ar­den Eu­ro ha­ben die Wolfs­bur­ger bis­lang als Puf­fer ge­parkt, um die rund elf Mil­lio­nen be­trof­fe­nen Au­tos welt­weit um­zu­rüs­ten und sich für wei­te­re di­rek­te Fol­gen zu wapp­nen. Die ers­te Fra­ge ist, ob das reicht. Und die zwei­te Fra­ge ist: Was kommt noch? Vor al­lem für dro­hen­de Straf- und Scha­den­er­satz­zah­lun­gen hat VW noch kei­ne Re­ser­ven an­ge­legt. In der Bi­lanz heißt es im Ju­ris­ten­deutsch da­zu, dass „ei­ne Be­wert­bar­keit der Rechts­ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit der Die­selthe­ma­tik zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt nicht ge­ge­ben“sei. Sprich: VW kön­ne noch nicht ab- schät­zen, was an Rechts­kos­ten auf den Kon­zern zu­kommt, und hat des­halb noch kei­nen Puf­fer ge­bil­det. Der neue VW-Fi­nanz­chef Frank Wit­ter sag­te, die Fol­gen sei­en „enorm, aber zu ma­na­gen“.

Nord-LB-Ana­lyst Frank Schwo­pe schätzt die Ge­samt­kos­ten für die Fol­gen des Die­sel-Skan­dals auf min­des­tens 30 Mil­li­ar­den Eu­ro. An­de­re Schät­zun­gen lie­gen zum Teil noch deut­lich hö­her. VW lis­tet die dro­hen­den und be­reits lau­fen­den Rechts­strei­tig­kei­ten fein säu­ber­lich im Zwi­schen­be­richt auf: Straf­ver­fah­ren mit mög­li­chen Geld­bu­ßen ge­gen den Kon­zern; Scha­den­er­satz­kla­gen von be­trof­fe­nen Kun­den; Scha­den­er­satz­kla­gen von An­le­gern, die sich ge­täuscht füh­len; Straf­zah­lun­gen von ver­schie­de­nen Be­hör­den. Die Lis­te ist lang. Das Fi­nanz­pols­ter des Kon­zerns ist al­ler­dings noch ein­mal ge­wach­sen. Knapp 23 Mil­li­ar­den Eu­ro hat­te VW zum En­de des drit­ten Quar­tals an Bar­geld auf der ho­hen Kan­te – rund fünf Mil­li­ar­den mehr als noch vor drei Mo­na­ten. Der Groß­teil stammt aus dem Ver­kauf der An­tei­le am eins­ti­gen Part­ner Su­zu­ki. Bis En­de des Jah­res will VW zu­dem sei­ne Be- tei­li­gung am nie­der­län­di­schen Lea­sing­an­bie­ter Lea­se­plan ver­kauft ha­ben. Das Ge­schäft hat ei­nen Wert von 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Fi­nanz­chef Wit­ter ist op­ti­mis­tisch, dass die 6,7 Mil­li­ar­den Eu­ro an Rück­stel­lun­gen für die Rück­ru­fe aus­rei­chen. Dar­in sind aber noch nicht die Kos­ten für mög­li­che Ent­schä­di­gun­gen der Kun­den und auch noch kei­ne dro­hen­den Stra­fen und Rechts­kos­ten ent­hal­ten. Und ge­ra­de die könn­ten VW noch über Jah­re be­las­ten. Der mög­li­che Rat­ten­schwanz ist lang: Auch ei­ne mög­li­che Rück­zah­lung staat­li­cher Sub­ven­tio­nen, et­wa Kauf­an­rei­ze für Die­sel, könn­te auf VW zu­kom­men.

Klar ist schon jetzt, dass der VWSkan­dal auf je­den Fall das Ge­mein­we­sen trifft. Vie­le VW-Stand­or­te ha­ben schon Haus­halts­sper­ren ver­hängt, denn der Kon­zern wird an­ge­sichts der alar­mie­ren­den Bi­lanz deut­lich we­ni­ger Steu­ern zah­len.

Der neue VW-Chef Mat­thi­as Müller, der ges­tern mit der Kanz­le­rin noch zu ei­ner China­rei­se auf­bre­chen woll­te, will den Kon­zern mit ei­nem Fünf-Punk­te-Plan fit ma­chen für die Her­aus­for­de­run­gen des Ab­gas­skan­dals. Höchs­te Prio­ri­tät ge­nie­ße da­bei die Hil­fe für Be­sit­zer ma­ni­pu­lier­ter Die­sel-Au­tos. Die ers­ten Rück­ru­fe sol­len 2016 star­ten. Punkt zwei sei die Auf­klä­rung der Ma­ni­pu­la­tio­nen. Man müs­se die Wahr­heit her­aus­fin­den und dar­aus ler­nen, er­klär­te Müller. An drit­ter Stel­le fol­ge der Kon­zern­um­bau und das Spar­pro­gramm. Fe­lix Fri­e­ler,

Foto: afp

Der neue VW-Chef Mat­thi­as Müller hat ei­nen Fünf-Punk­te-Plan.

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