Bay­ern braucht tau­send neue Leh­rer

Bil­dung Die Staats­re­gie­rung will zur In­te­gra­ti­on der Flücht­lings­kin­der 1079 Plan­stel­len schaf­fen. Doch schon jetzt feh­len an den Grund- und Mit­tel­schu­len Päd­ago­gen

Donauwoerther Zeitung - - Erste Seite - VON JÖRG SIG­MUND Augs­burg

1079 neu ge­schaf­fe­ne Leh­rer­stel­len sol­len in Bay­ern zum Schul­jah­res­be­ginn 2016/2017 auf drei Jah­re be­fris­tet neu be­setzt wer­den. Für die Bil­dungs­maß­nah­men zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lings­kin­dern hat die Staats­re­gie­rung dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ein Bud­get in Hö­he von 100 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung ge­stellt. Doch schon jetzt lau­tet die Fra­ge, ob da­für aus­rei­chend qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal vor­han­den ist. Denn be­reits heu­te kön­nen et­wa in Ober­bay­ern selbst Be­am­ten­stel­len an Grund- und Mit­tel­schu­len nicht be­setzt wer­den. Und die Kin­der der Flücht­lin­ge, die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen in den Frei­staat ka­men, be­su­chen den Un­ter­richt noch gar nicht.

Lud­wig Un­ger, Spre­cher des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums, nennt die Si­tua­ti­on „au­ßer­ge­wöhn­lich“. Er räumt ein, dass es „nicht ganz ein­fach“wer­de, Leh­rer zu fin­den. In den Mit­tel­schu­len sind die Re­ser­ven in­zwi­schen völ­lig aus­ge­schöpft. Da­ge­gen ste­hen auf den bay­ern­wei­ten War­te­lis­ten für Re­al­schu­len und nach An­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums ins­ge­samt 3300 Päd­ago­gen. Doch der Groß­teil von ih­nen will kei­nen Job an Volks­schu­len. Der­zeit gibt es le­dig­lich 89 so­ge­nann­te Um­qua­li­fi­zie­rungs­plät­ze für Re­al­schul-und Gym­na­si­al­leh­rer.

Kul­tus­mi­nis­ter Lud­wig Spa­en­le (CSU) könn­te sich des­halb vor­stel­len, Pen­sio­nis­ten bei Eng­päs­sen stun­den­wei­se zu be­schäf­ti­gen oder die St­un­den­zahl von Leh­rern in Teil­zeit auf­zu­sto­cken. Der Ein­satz von Lehr­amts­stu­den­ten oh­ne Re­fe- ren­da­ri­at, wie be­reits spe­ku­liert, sei je­doch kei­ne Op­ti­on. „Das Mo­dell ken­ne ich nicht“, be­tont Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher Un­ger.

„Fle­xi­bi­li­tät, Krea­ti­vi­tät und we­ni­ger Bü­ro­kra­tie“sei­en nun ge­fragt, sagt Si­mo­ne Fleisch­mann, Prä­si­den­tin des Baye­ri­schen Leh­rer- und Leh­re­rin­nen­ver­ban­des. Die neu ge­schaf­fe­nen Plan­stel­len für die ver­schie­de­nen Schul­ar­ten sieht sie po­si­tiv und als „wich­ti­gen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung“. Al­ler­dings wer­de ihr Ver­band auch ge­nau be­ob­Gym­na­si­en ach­ten, „was letzt­lich in den Schu­len an­kommt“. Ob die fi­nan­zi­el­len Mit­tel im März und April aus­rei­chen wer­den, sagt Fleisch­mann, wis­se heu­te noch nie­mand.

Lob für die Bil­dungs­maß­nah­men kommt von der Op­po­si­ti­on im Land­tag. „Aber der Teu­fel steckt im De­tail“, sagt Mar­git Wild (SPD). Die Op­po­si­ti­on kri­ti­siert, dass die Stel­len erst zum Schul­jah­res­be­ginn 2016/2017 be­setzt wer­den sol­len. Tho­mas Geh­ring, bil­dungs­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen, nennt den spä­ten Zeit­punkt der Ein­stel­lung „un­ver­ständ­lich“. Auch Micha­el Pia­zo­lo (Freie Wäh­ler) for­dert „größt­mög­li­che Fle­xi­bi­li­tät“.

In Schwa­ben sol­len für Flücht­lin­ge und Asyl­be­wer­ber zum Schul­jah­res­be­ginn zu­sätz­li­che Leh­rer­stun­den für je­den Schul­amts­be­zirk be­reit­ge­stellt wer­den, sagt Re­gie­rungs­prä­si­dent Micha­el Scheu­fe­le. Die Maß­nah­me wer­de im Lau­fe des Schul­jah­res je nach Be­darf aus­ge­baut. Scheu­fe­le: „Die ak­tu­el­le Un­ter­richts­ver­sor­gung an Grund- und Mit­tel­schu­len in Schwa­ben ist ge­währ­leis­tet. Al­le Stel­len sind be­setzt.“

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