Tier­ärz­te war­nen vor Qualzucht

Kon­gress de­bat­tiert über schär­fe­re Ge­set­ze

Donauwoerther Zeitung - - Politik - Bam­berg

Kat­zen oh­ne Fell, be­son­ders klei­ne Hun­de mit be­son­ders gro­ßen Au­gen: Ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me bei Haus­tie­ren zeu­gen nicht sel­ten von fehl­ge­lei­te­ter Zucht. Nun stellt sich die Bun­des­tier­ärz­te­kam­mer ge­gen Tier­quä­le­rei durch Aus­wüch­se der Haus­tierZüch­tung. Die so­ge­nann­te Qualzucht ist in Deutsch­land ver­bo­ten, die ent­spre­chen­de Re­ge­lung im Tier­schutz­ge­setz wird aber in der Pra­xis häu­fig um­gan­gen, kri­ti­sier­ten die Ve­te­ri­nä­re auf dem Deut­schen Tier­ärz­te­tag.

„Es gibt ein sehr gu­tes Tier­schutz­ge­setz in Deutsch­land, aber die Um­set­zung ist schwie­rig“, er­klärt der Gie­ße­ner Pro­fes­sor für Klein­tier-Chir­ur­gie, Mar­tin Kra­mer. Des­halb sei ei­ne Ver­schär­fung des Tier­schutz­ge­set­zes ei­gent­lich un­nö­tig. Statt­des­sen müss­ten Ärz­te und auch die Po­li­tik auf Auf­klä­rungs­ar­beit bei Züch­tern und Be­sit­zern set­zen. Als Bei­spie­le für fehl­ge­lei­te­te Züch­tung nann­te er den Mops oder die Eng­li­sche Bull­dog­ge. Die­se Hun­de sei­en häu­fig kurz­schnau­zig und lit­ten des­halb un­ter Atem­not. Häu­fig sei­en bei Tie­ren aus Qualzucht auch Haut- oder Au­gen­pro­ble­me fest­zu­stel­len.

Ei­ne Ge­set­zes­ver­schär­fung sen­si­bi­li­sie­re die Men­schen je­doch nicht für das The­ma, sag­te Kra­mer. Dann wür­den die Tie­re im Zwei­fel ein­fach im Aus­land ge­kauft. Es sei ein Be­wusst­seins­wan­del not­wen­dig. Wür­den Tie­re mit of­fen­sicht­lich durch die Zucht aus­ge­lös­ten ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­men nicht mehr bei Ras­se­schau­en zu­ge­las­sen, wer­de sich die Zucht ver­än­dern, hofft die Bun­des­tier­ärz­te­kam­mer. Man stel­le sich nicht grund­sätz­lich ge­gen Zucht – sie müs­se nur so ab­lau­fen, dass die Tie­re ein nor­ma­les Le­ben ha­ben.

Erst En­de Sep­tem­ber hat­te der Fall ei­ner Nackt­kat­ze aus Berlin für Auf­se­hen ge­sorgt: Ein Ge­richt be­stä­tig­te ei­ne Ent­schei­dung des Be­zirks­amts Span­dau, wo­nach das Tier kas­triert wer­den muss, um ei­ne Qualzucht von Nackt­kat­zen zu ver­hin­dern. Die Tie­re wür­den lei­den, da ih­nen bei­spiels­wei­se die Tast­haa­re fehl­ten. Die Lis­te mög­li­cher Tier­lei­den ist lang. Laut Tier­schutz­bund kön­nen bei­spiels­wei­se rein­wei­ße Per­ser­kat­zen we­gen ei­ner ge­ne­tisch be­ding­ten Kopp­lung zwi­schen Fell­far­be und Ge­hör taub sein.

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