Ein Fit­ness­pro­gramm für Schwa­ben

Kon­junk­tur Der Wirt­schafts­stand­ort steht erst­klas­sig da. Doch die Kam­mern wol­len sei­ne Zu­kunft si­chern und ha­ben ei­nen um­fas­sen­den Ak­ti­ons­plan auf­ge­stellt

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft - VON DA­NIE­LA HUNGBAUR Augs­burg Ver­kehrs­in­fra­struk­tur Ener­gie­ver­sor­gung Bil­dung Di­gi­ta­li­sie­rung Jun­ge, in­no­va­ti­ve For­schung und In­no­va­ti­on Struk­tur­po­li­tik

Auch Leis­tungs­trä­ger ge­hen ins Fit­ness­stu­dio. Nicht nur Schwä­che­re. So ei­ne „Mucki­bu­de“muss nach Ein­schät­zung des Prä­si­den­ten der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwa­ben, Andre­as Kop­ton, je­dem of­fen­ste­hen. Und beim Auf­bau wirt­schaft­li­cher Mus­keln ist das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um un­er­läss­lich. Schließ­lich brau­chen Un­ter­neh­men ei­ne gu­te För­de­rung. So wur­de Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner ges­tern in Augs­burg beim „Fo­rum Zu­kunft Schwa­ben“dar­in be­stärkt, auch die baye­risch-schwä­bi­schen Su­per­sport­ler nicht zu ver­nach­läs­si­gen, nur weil die Re­gi­on schon erst­klas­sig da­steht.

Das scheint die CSU-Mi­nis­te­rin aber auch nicht vor­zu­ha­ben, im Ge­gen­teil. Sie be­rich­te­te auf der ge­mein­sa­men Ver­an­stal­tung der Hand­werks­kam­mer für Schwa­ben mit der IHK Schwa­ben von vie­len Maß­nah­men und För­der­instru­men­ten. Der Bo­gen reich­te von dem Be­mü­hen um ei­ne ver­läss­li­che und be­zahl­ba­re Ener­gie­ver­sor­gung über ein In­te­gra­ti­ons­pa­ket für Flücht­lin­ge bis hin zu fi­nan­zi­el­len An­rei­zen für di­gi­ta­le In­no­va­tio­nen, die ge­ra­de klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men zu­gu­te­kom­men sol­len. Und auch ak­tu­el­le Pro­ble­me will sie hel­fen zu lö­sen: Wie be­rich­tet schließt das Ka­threin-Werk in Nörd­lin­gen. Rund 700 Men­schen ver­lie­ren ih­re Ar­beit. Ge­sprä­che mit der Un­ter- neh­mens­lei­tung lie­fen, um die Fol­gen für die Be­schäf­tig­ten ab­zu­mil­dern, sag­te Ai­g­ner. In die­sem Zu­sam­men­hang un­ter­strich die Mi­nis­te­rin, wie wich­tig es ist, wirt­schafts­po­li­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die Un­ter­neh­mer da­zu er­mun­tern, Jobs zu schaf­fen. Der Min­dest­lohn, ei­ne 32-St­un­den-Wo­che und die Erb­schaft­steu­er ge­hör­ten nicht da­zu.

Für ei­nen zu­kunfts­si­che­ren Wirt­schafts­stand­ort ist Ai­g­ner aber vor al­lem auch der Aus­bau der For­schungs­land­schaft wich­tig. Und ge­ra­de auch klei­ne­re Be­trie­be müss­ten zu die­sem Be­reich Zu­gang ha­ben. Da­ne­ben braucht Bay­ern mehr IHK und HWK se­hen fol­gen­de Hand­lungs­fel­der für die Re­gi­on:

Ne­ben dem Aus­bau des Stra­ßen­net­zes und ei­nes neu­en Gü­ter­ver­kehrs­zen­trums im Raum All­gäu/Bo­den­see ist die Stär­kung des All­gäu Air­ports wich­tig.

Der Bau not­wen­di­ger Strom­tras­sen ge­hört hier eben­so da­zu wie ei­ne in­ten­si­ve Auf­klä­rung über Ener­gie­ef­fi­zi­enz.

Die Auf­wer­tung der „dua­len Aus­bil­dung“und da­mit ver­bun­den die Stär­kung der Be­rufs­schu­len vor al­lem mit mehr Leh­rern ist ei­ne Kern­for­de­rung. Grün­der. Ein Grün­der­zen­trum für je­den Re­gie­rungs­be­zirk ist Ai­g­ners Plan. IHK-Prä­si­dent Kop­ton und sein Amts­kol­le­ge von der Hand­werks­kam­mer für Schwa­ben, Hans­Pe­ter Rauch, konn­ten Ai­g­ner be­reits mit­tei­len, dass man sich nach in­ten­si­ven Dis­kus­sio­nen auch im po­li­ti­schen Um­feld auf ei­nen Stand­ort ge­ei­nigt ha­be: auf den Wirt­schafts­raum Augs­burg. Vor­aus­set­zung sei al­ler­dings ei­ne Ver­knüp­fung mit an­de­ren Grün­dungs­ein­rich­tun­gen in Schwa­ben, da­mit die gan­ze Re­gi­on da­von pro­fi­tiert.

Über­haupt wur­de auf der Ver­an­stal­tung deut­lich, dass die bei­den Kam­mern ge­mein­sam an ei­nem Fir­men gilt es zu för­dern; das Breit­band­netz muss aus­ge­baut wer­den; die schwä­bi­schen Hoch­schu­len müs­sen in die Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie des Frei­staa­tes ein­ge­bun­den wer­den.

Ei­ne zen­tra­le For­de­rung ist die An­sied­lung des ge­plan­ten Zen­trums für Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz in Augs­burg.

An der wirt­schaft­lich star­ken Ach­se von Karls­ru­he über Augs­burg bis Salz­burg wird ein Sieb­tel des bun­des­deut­schen Brut­to­in­lands­pro­dukts er­zeugt und ein Drit­tel al­ler For­schungs­auf­ga­ben ge­tä­tigt. Die­se „Tech­no­lo­gie­ach­se Süd“gilt es aus­zu­bau­en. (hu­da) Strang zum Woh­le der Re­gi­on zie­hen. Ge­mein­sam ha­ben sie auch das „Schwa­ben­pa­ket 2020“ge­schnürt. Ein sechs Hand­lungs­fel­der um­fas­sen­der Ak­ti­ons­plan, der aber oh­ne po­li­ti­sche Hil­fe nicht er­folg­reich durch­ge­führt wer­den kann. Bei­spiel: der Aus­bau der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur. Ei­ne Be­schleu­ni­gung der Bahn­ver­bin­dung zwi­schen Ulm und Augs­burg ist eben­so ein An­lie­gen der Wirt­schaft wie der Aus­bau der Leis­tungs­fä­hig­keit des All­gäu-Air­ports zum mul­ti­funk­tio­na­len re­gio­na­len Flug­ha­fen. Aber auch bei der Ener­gie­wen­de gibt es For­de­run­gen, die nur auf po­li­ti­scher Ebe­ne durch­ge­setzt wer­den kön­nen. Bei­spiel: das Ge­setz zur steu­er­li­chen För­de­rung der en­er­ge­ti­schen Ge­bäu­de­sa­nie­rung. Auch beim Aus­bau von For­schung und In­no­va­ti­on ist po­li­ti­scher Bei­stand nö­tig. So ist Schwa­ben im Be­reich Um­welt­tech­no­lo­gie be­reits füh­rend. Das Um­welt­kom­pe­tenz­zen­trum Augs­burg und Schwa­ben ist ei­ne wich­ti­ge Säu­le. Um es zu stär­ken, soll­te jetzt nach Mei­nung der Kam­mern die Eta­b­lie­rung ei­nes Baye­ri­schen Zen­trums für Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz fol­gen.

Doch nicht nur die Wün­sche der Wirt­schafts­kam­mern stan­den ges­tern im Mit­tel­punkt. Ai­g­ner be­ant­wor­te­te auch Fra­gen aus den Rei­hen der über 270 Gäs­te. Die Ab­schaf­fung der Erb­schaft­steu­er wur­de ihr eben­so mit auf den Weg ge­ge­ben wie die Bit­te, die In­klu­si­on nicht zu ver­ges­sen.

Wie Baye­risch-Schwa­ben noch stär­ker wer­den will

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