Merk­wür­di­ge Frank­fur­ter Schwer­mut

Fuß­ball Die Ein­tracht steht ei­gent­lich noch or­dent­lich da. War­um Trai­ner Veh den­noch vor der Par­tie ge­gen den FC Bay­ern vom Ab­stiegs­kampf re­det und was er ver­spricht, nicht mehr zu tun

Donauwoerther Zeitung - - Sport - VON FRANK HELL­MANN Frank­furt Sai­son Ver­ein Sie­ge

He­ri­bert Bruch­ha­gen rief beim Sai­son­er­öff­nungs­fest von Ein­tracht Frank­furt die­sen Satz aus: „Ich träu­me da­von, dass wir in den Eu­ro­pa­po­kal kom­men.“Es war ein son­ni­ger Sonn­tag­vor­mit­tag An­fang Au­gust, als der Vor­stands­boss zu den An­hän­gern sprach. Erst da­nach wur­de Trai­ner Ar­min Veh prä­sen­tiert. Wie­der ju­bel­te die Men­ge, ob­wohl die Sät­ze aus dem Mun­de des Trai­ners deut­lich zu­rück­hal­ten­der klan­gen. Der Rück­keh­rer sag­te, er kön­ne kei­nen Ta­bel­len­platz ver­spre­chen, nur „Fuß­ball mit ho­hem Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fak­tor“. Aber klar, man dür­fe ja träu­men.

Die Rück­blen­de ist dien­lich, um zu ver­ste­hen, war­um plötz­lich ei­ne merk­wür­di­ge Schwer­mut über dem Fuß­ball-Stand­ort Frank­furt liegt. Der einst so stol­ze Ver­band DFB be­fin­det sich eben­so stim­mungs­mä­ßig dar­nie­der wie der stol­ze Tra­di­ti­ons­ver­ein Ein­tracht, des­sen Are­na in Sicht­wei­te der DFB-Zen­tra­le liegt.

Bruch­ha­gen hat ein Bü­ro, aus dem er di­rekt auf den Ra­sen bli­cken kann, wo am heu­ti­gen Frei­tag die Ein­tracht ge­gen den FC Bay­ern (20.30 Uhr) an­tritt. Es ist seit ge­rau­mer Zeit ein un­glei­ches Du­ell, aber nach dem Po­kal-Aus im Erz­ge­bir­ge wird in den Ein­tracht-Fo­ren gar über ei­ne zwei­stel­li­ge Plei­te spe­ku­liert, die den Bun­des­li­gis­ten er­war­te, wenn er wie­der so po­ma­dig wie beim Dritt­li­gis­ten auf­tre­te.

„Die­se Nie­der­la­ge kam zum dümms­ten Zeit­punkt. Das war be­schä­mend“, hat Veh ges­tern ein­ge­räumt. Der ge­bür­ti­ge Augs­bur­ger nutz­te die Ge­le­gen­heit, um das ei­gent­li­che Sai­son­ziel zu kas­sie­ren. Zwölf Punk­te als Ta­bel­lenzwölf­ter sei­en zwar „nicht wahn­sin­nig ent- Der FC Bay­ern kann heu­te Abend in Frank­furt mit ei­nem wei­te­ren Sieg ei­ne jahr­zehn­te­lan­ge in­ter­na­tio­na­le Best­mar­ke ein­stel­len. Wie zu­letzt Tot­ten­ham Hot­spur wür­den die Münch­ner als erst zwei­tes Team mit elf Er­fol­gen nach­ein­an­der in ei­ne der fünf eu­ro­päi­schen Top­li­gen star­ten. Der eng­li­sche Tra­di­ti­ons­klub brach­te es in der Sai­son 1960/61 auf elf Sie­ge. täu­schend“und „kein Grund zur Welt­un­ter­gangs­stim­mung“, aber „wir müs­sen dar­um kämp­fen, drei Mann­schaf­ten hin­ter uns zu las­sen“, so der 54-Jäh­ri­ge bei­na­he bei­läu­fig.

Wie bit­te? Wie kann ein nach hö­he­ren Zie­len stre­ben­der Mit­tel­klas­se­ver­ein, der ei­nen stol­zen Li­zenz­spie­le­re­tat von mitt­ler­wei­le 38 Mil­lio­nen Eu­ro stemmt, sich auf ein­mal so de­mü­tig stel­len? „Man muss die Rea­li­tät se­hen“, er­klär­te Veh und er­läu­ter­te, dass er von der Mann­schaft „nicht Din­ge ver­lan­gen kann, die sie nicht er­fül­len kann.“

In die­ser Schaf­fens­kri­se vor „dem schwers­ten Spiel über­haupt“(Veh) Sei­ne na­tio­na­le Best­mar­ke von acht Er­fol­gen aus der Tri­ple­sai­son 2012/13 hat der FC Bay­ern längst über­trof­fen.

1960/61 2015/16 2013/14 1968/69

Tot­ten­ham Hot­spur FC Bay­ern AS Rom Re­al Ma­drid 11 10 10

9 ist im ver­un­si­cher­ten Ein­tracht-En­sem­ble bei­spiels­wei­se weit und breit kein An­füh­rer zu ent­de­cken. Mar­co Russ, Car­los Zam­bra­no, Ste­fan Ai­g­ner, Ha­ris Se­fe­ro­vic oder auch ge­ra­de Ka­pi­tän Alex Mei­er – sie al­le ste­hen ziem­lich ne­ben den Schu­hen. „Die Jungs sind al­le to­tal in Ord­nung, al­le an­stän­dig“, sag­te Veh, aber bei der Sie­ger­men­ta­li­tät feh­le et­was. Aber: „Nicht je­der kann über sei­nen Schat­ten sprin­gen.“

Ist in die­sen Mo­men­ten nicht der Trai­ner ge­fragt, das Po­ten­zi­al sei­ner Pro­fis frei­zu­le­gen? Doch längst wird ge­tu­schelt, wie es wei­ter­ge­hen wür­de, soll­te es nach der zu er­war­ten­den Nie­der­la­ge ge­gen die Münch­ner auch am über­nächs­ten Sams­tag in Hof­fen­heim schief­ge­hen. Wirft Veh dann von selbst hin – ähn­lich wie beim VfB Stuttgart? Die­se Va­ri­an­te hat­te be­reits Vehs Weg­ge­fähr­te Lothar Mat­thä­us ins Spiel ge­bracht. Die De­mis­si­on passierte nach dem zwölf­ten Spiel­tag am 24. No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res. „Dann ha­be ich ja noch Zeit“, mein­te Veh scherz­haft, als er auf ei­ne Wie­der­ho­lung des Sze­na­ri­os an­ge­spro­chen wur­de. Die ernst ge­mein­te Ant­wort: „Das kann ich aus­schlie­ßen.“

Ein Sieg fehlt den Bay­ern noch zum in­ter­na­tio­na­len Re­kord

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