Mer­kel liegt or­dent­lich

Donauwoerther Zeitung - - Medien - Agen­tur­deutsch

Wir Zei­tungs­jour­na­lis­ten ackern uns tag­täg­lich durch Ber­ge an Tex­ten (ein schie­fes Bild, ich weiß) – et­wa von Nach­rich­ten­agen­tu­ren. De­ren Art, Tex­te zu ver­fas­sen, ist bran­chen­in­tern un­ter dem (Schimpf-)Wort „Agen­tur­deutsch“be­kannt. Da­mit sind höl­zer­ne For­mu­lie­run­gen, schie­fe Sprach­bil­der, ver­schach­tel­te Sät­ze ge­meint. Agen­tur­deutsch ist die Be­hör­den­spra­che des Jour­na­lis­mus – und kein Jour­na­list ist da­ge­gen im­mun (wie­der ein schie­fes Bild, ich weiß). Auf gut Agen­tur­deutsch heißt es et­wa: „je­mand zeig­te sich er­freut“statt „je­mand freu­te sich“.

Auch schön: „ZDF-Kri­mi schlägt Barth und ARD-Ko­mö­die – Mer­kel liegt or­dent­lich“, mel­de­te die Deut­sche Pres­se-Agen­tur neu­lich. Es ging um die Ein­schalt­quo­ten der Talk­show „An­ne Will“, in der sich die Bun­des­kanz­le­rin zur Flücht­lings­kri­se äu­ßer­te. Mer­kel je­den­falls lag nicht im Stu­dio her­um, son­dern saß auf ei­nem Ses­sel – und das ganz or­dent­lich. Und Ko­mi­ker Ma­rio Barth wur­de auch nicht ver­hau­en, schon gar nicht von ei­nem ZDF-Kri­mi. Die­se sind als Schlä­ger bis­lang, um es auf Agen­tur­deutsch zu schrei­ben, nicht in Er­schei­nung ge­tre­ten.

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lie­be Kol­le­gen von Men’s He­alth Dad, dem neu­en „Män­ner­ma­ga­zin für Vä­ter“? Nichts ge­gen eu­er Mot­to „Kind ha­ben, Kerl blei­ben“. Aber hal­tet ihr mich für be­scheu­ert? Ihr ra­tet mir zum The­ma „stin­ken­de Win­del“: „Na­se zu und durch!“Ihr er­klärt mir, wie ich „heu­te Nacht noch ein Kind zeu­gen“kann („Sie nä­hern sich von hin­ten“) – und eu­er Re­dak­ti­ons­lei­ter er­zählt, dass er „als Kind ziem­lich dick“ge­we­sen sei. Man­no­mann!

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