„Wir sind ei­gent­lich ein of­fe­nes Dorf“

Asyl Die Ge­mein­de Ot­ting mit ih­ren gut 750 Ein­woh­nern muss bis zu 40 Flücht­lin­ge auf­neh­men – und zwar schon bald. Bür­ger-In­fo und Po­li­ti­ker-Schel­te

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis - VON WOLF­GANG WI­DE­MANN Ot­ting

Mög­li­cher­wei­se schon im Lau­fe der kom­men­den Wo­che wer­den in der Ge­mein­de Ot­ting die ers­ten Asyl­be­wer­ber ein­tref­fen. Dies er­fuh­ren rund 70 In­ter­es­sier­te bei ei­ner Bür­ger­ver­samm­lung, die ei­gens zu die­sem The­ma am Di­ens­tag­abend statt­fand. Wie be­reits ge­mel­det, hat der Land­kreis zwei Häu­ser am Bahn­hof Ot­ting/Weil­heim als Un­ter­künf­te an­ge­mie­tet. Die­se ge­hö­ren ei­nem In­ves­tor, der aus Mon­heim stammt und sich an den Kreis ge­wen­det hat­te. In den bei­den ne­ben­ein­an­der­lie­gen­den An­we­sen sol­len ins­ge­samt bis zu et­wa 40 Per­so­nen un­ter­kom­men.

Ver­tre­ter des Land­rats­amts in­for­mier­ten über die Asyl­pro­ble­ma­tik an sich und den Sach­stand in Ot­ting. Dem­nach sol­len die bei­den Un­ter­künf­te im Lau­fe des No­vem­ber be­legt wer­den. Al­ler­dings sei noch of­fen, wie vie­le Asyl­be­wer­ber ein­quar­tiert wer­den und wo­her sie stam­men. Bei den bei­den An­we­sen han­delt es sich um die frü­he­re Bahn­hof­gast­stät­te und ein Wohn­haus samt ehe­ma­li­gen land­wirt­schaft­li­chen Ne­ben­ge­bäu­den, in de­nen in­zwi­schen eben­falls Wohn­räu­me ge­schaf­fen wur­den. Bis zum Ein­zug sind noch ei­ni­ge Rest­ar­bei­ten zu er­le­di­gen.

Mit­glie­der des Netz­werks „An­ker“aus Donauwörth be­rich­te­ten von ih­ren Er­fah­run­gen bei der Be­treu­ung von Flücht­lin­gen. Die an­we­sen­den Ot­tin­ger stell­ten nach Aus­kunft von Bür­ger­meis­ter Jo­hann Bernreuther durch­aus kri­ti­sche Fra­gen. In de­nen sei es bei­spiels­wei­se um mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf Schu­le und Kin­der­gar­ten ge­gan­gen. Aus­län­der­feind­li­che Äu­ße­run­gen sei­en nicht zu hö­ren ge­we­sen. „Wir sind ei­gent­lich ein of­fe­nes Dorf“, so Bernreuther ge­gen­über un­se­rer Zei- tung. Dies kön­ne in die­sem Fall ein gro­ßer Vor­teil sein. Gleich bei der Ver­samm­lung mel­de­ten sich acht Per­so­nen, die in ei­nem eh­ren­amt­li­chen Hel­fer­kreis mit­wir­ken wol­len, der sich um die Flücht­lin­ge küm­mert. Der Bür­ger­meis­ter zeigt sich zu­ver­sicht­lich, dass sich noch mehr Frei­wil­li­ge mel­den.

Die La­ge der Un­ter­künf­te am Bahn­hof bie­te den Vor­teil, dass die Asyl­be­wer­ber mit dem Bus und der Bahn, die di­rekt vor der Haus­tür hal­ten, recht mo­bil sei­en. Der rund ei­nen Ki­lo­me­ter ent­fern­te Le­bens­mit­tel­la­den in Ot­ting sei gut zu Fuß er­reich­bar. Der Be­sit­zer der Häu­ser möch­te Bernreuther zu­fol­ge den In­te­gra­ti­ons­pro­zess ak­tiv be­glei­ten und in en­gen Kon­takt mit dem Hel­fer­kreis tre­ten, so­bald sich die­ser for­miert hat.

An­de­rer­seits macht der Bür­ger­meis­ter deut­lich: „Für ei­ne so klei­ne Kom­mu­ne wie Ot­ting mit ih­ren gut 750 Ein­woh­nern ist das schon ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung.“Der Ge­mein­de­rat ha­be dem An­trag auf ei­ne Nut­zungs­än­de­rung der Ge­bäu­de mit 6:2 Stim­men das Ein­ver­neh­men ver­wei­gert. „Dies hat aber nichts mit den Leu­ten zu tun, die jetzt zu uns kom­men“, be­tont Bernreuther. Der Be­schluss des Gre­mi­ums sei viel­mehr als „Wink nach oben“zu ver­ste­hen, „dass man nicht zu al­lem Ja und Amen sa­gen kann“. Die gro­ße Po­li­tik sit­ze beim The­ma Asyl vie­les aus „und al­les wird nach un­ten ab­ge­wälzt“.

Über die Nut­zungs­än­de­rung ent­schei­det das Land­rats­amt.

Foto: Wolf­gang Wi­de­mann

Im Be­reich des Bahn­hofs Ot­ting/Weil­heim sol­len von No­vem­ber an zwei An­we­sen als Asyl­be­wer­ber­un­ter­künf­te ge­nutzt wer­den. Bis zu et­wa 40 Flücht­lin­ge sol­len dort un­ter­kom­men. Hier ei­nes der Ge­bäu­de.

Foto: Par­tei

Die Grü­nen-Lan­des­vor­sit­zen­de Si­gi Hagl (Mit­te) und die Do­nau-Rie­ser Kreis­vor­sit­zen­de Ur­su­la Kn­eißl-Eder (rechts) gra­tu­lie­ren Eva Let­ten­bau­er zur Wahl in den Lan­des­aus­schuss.

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