Schar­fe Tö­ne vor Flücht­lings­gip­fel

Asyl Die SPD zeigt sich ge­nervt vom Streit in der Uni­on. Par­tei­chef Ga­b­ri­el sieht so­gar die Hand­lungs­fä­hig­keit der schwarz-ro­ten Re­gie­rung be­droht. Über­ra­schen­de Ei­ni­gung in München

Donauwoerther Zeitung - - Erste Seite - VON JÖRG SIG­MUND, MAR­TIN FER­BER UND ULI BACH­MEI­ER

München/Berlin Vor dem Flücht­lings­gip­fel der Par­tei­vor­sit­zen­den An­ge­la Mer­kel (CDU), Horst See­ho­fer (CSU) und Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) am Sonn­tag im Ber­li­ner Kanz­ler­amt zeich­net sich kei­ne An­nä­he­rung ab. Der Aus­gang der Ge­sprä­che sei völ­lig of­fen, ver­lau­te­te aus Krei­sen der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Es sei nicht ab­seh­bar, „ob sich die Gro­ße Ko­ali­ti­on auf kon­kre­te Be­schlüs­se ei­ni­gen kann“. Gleich­zei­tig hat sich der Ton zwi­schen den Ko­ali­ti­ons­part­nern ver­schärft.

Die CSU blieb bei ih­rer For­de­rung, dass der Zustrom an Flücht­lin­gen deut­lich be­grenzt wer­den muss. Sie be­harrt nicht nur auf die Ein­rich­tung der um­strit­te­nen Tran­sit­zo­nen in Grenz­nä­he und die Zu­rück­wei­sung „un­er­laubt Ein­rei­sen­der“oh­ne Aus­weis­pa­pie­re, son­dern auch auf ei­ne Be­schrän­kung des Fa­mi­li­en­nach­zugs.

Der Bun­des­mi­nis­ter für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lungs­hil­fe, Gerd Müller sag­te un­se­rer Zei­tung, die CSU ha­be mit der Durch­set­zung des zu­nächst scharf kri­ti­sier­ten Asyl­pa­kets be­reits viel er­reicht. Dies sei nur durch er­heb­li­chen po­li­ti­schen Druck mög­lich ge­we­sen. Die Pro­ble­me sei­en da­mit aber längst nicht ge­löst, so Müller, der von ei­ner „dra­ma­ti­schen La­ge“sprach. Auf Spe­ku­la­tio­nen, die CSU könn­te bei ei­nem Schei­tern der Gip­fel-Ge­sprä­che die Mi­nis­ter aus dem Bun­des­ka­bi­nett ab­zie­hen, re­agier­te Müller ge­las­sen. „Die Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se geht nur mit ei­ner star­ken CSU in Berlin.“

An­ge­sichts der mas­si­ven Dro­hun­gen See­ho­fers in den ver­gan­ge­nen Ta­gen hat die SPD-Spit­ze den Ko­ali­ti­ons­part­ner zu mehr Dis­zi­plin auf­ge­ru­fen. Der Streit zwi­schen CDU und CSU we­gen der star­ken Zu­wan­de­rung von Flücht­lin­gen be­dro­he in­zwi­schen die Hand­lungs­fä­hig­keit der Re­gie­rung, sag­te SPD Chef Sig­mar Ga­b­ri­el. SPD-Ge­ne­ral(Kempten), se­kre­tä­rin Yas­min Fa­hi­mi be­zeich­ne­te die uni­ons­in­ter­ne De­bat­te als „Kas­perl­thea­ter“. Die von der CSU ge­for­der­ten Tran­sit­zo­nen nann­te sie „Mas­sen­haft­an­stal­ten“. Die SPD leh­ne die­se ab und wer­de sich auch nicht er­pres­sen las­sen.

In München da­ge­gen kam es bei ei­nem Ge­spräch zwi­schen See­ho­fer und den Chefs der vier Frak­tio­nen im Land­tag über­ra­schend zu ei­ner Ei­ni­gung über das wei­te­re Vor­ge­hen in Bay­ern. Die Fra­ge nach ei­ner Be­gren­zung der Zu­wan­de­rung wur­de zwar aus­ge­klam­mert – dies kön­ne oh­ne­hin nur in der Ko­ali­ti­on auf Bun­des­ebe­ne ent­schie­den wer­den. Die Lan­des­po­li­ti­ker von CSU, SPD, Frei­en Wäh­lern und Grü­nen ver­stän­dig­ten sich aber dar­auf, bei der Ent­schär­fung der Si­tua­ti­on an der baye­risch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze, bei der Ge­setz­ge­bung zur In­te­gra­ti­on in Bay­ern und bei der be­schleu­nig­ten Rück­füh­rung ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber künf­tig so weit wie mög­lich an ei­nem Strang zu zie­hen. See­ho­fer, der zu dem Ge­spräch ein­ge­la­den hat­te, sprach von ei­nem gu­ten Si­gnal für Bay­ern.

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