Im Geld­re­gen des Ma­rio Draghi

Wäh­rung Der EZB-Chef hat die Hälf­te der Amts­zeit hin­ter sich. Sein Han­deln hat den Eu­ro wohl vor dem Zu­sam­men­bruch be­wahrt. Doch sei­ne ul­tra­lo­cke­re Geld­po­li­tik geht längst vie­len zu weit

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft - Frank­furt am Main

An Ma­rio Draghi schei­den sich die Geis­ter: Für die ei­nen ist der EZB-Prä­si­dent der Held der Eu­ro-Schul­den­kri­se – für die an­de­ren hält er auf Kos­ten von Spa­rern und auf Ri­si­ko der Steu­er­zah­ler klam­me Ban­ken und Staa­ten am Le­ben. Fakt ist: In der ers­ten Hälf­te sei­ner acht­jäh­ri­gen Amts­zeit als obers­ter Wäh­rungs­hü­ter im Eu­ro­raum hat der in­zwi­schen 68-Jäh­ri­ge den In­stru­men­ten­kas­ten der No­ten­bank kräf­tig aus­ge­dehnt. Man­che sa­gen: über­dehnt. Dar­an hat sich bis heu­te nichts ge­än­dert. Weil die Kon­junk­tur nicht recht in Schwung kommt und die Ver­brau­cher­prei­se auf Jah­res­sicht sin­ken, will Draghi noch­mals nach­le­gen.

Da­mit ha­be er die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank un­ter Zug­zwang ge­setzt, kri­ti­siert ING-Diba-Chef­öko­nom Cars­ten Br­ze­ski: „Drag­his Kühn­heit hat die EZB in ei­ne La­ge ma­nö­vriert, aus der sie oh­ne wei­te­re Maß­nah­men kaum her­aus­kom­men wird.“Da­mit dürf­te die EZB ih­re Stra­te­gie der mas­si­ven Ein­grif­fe in die Märk­te wei­ter aus­deh­nen.

Schon als der Ita­lie­ner zum 1. No­vem­ber 2011 die Nach­fol­ge von Je­an-Clau­de Tri­chet an­trat, über­rasch­te er mit sei­ner ers­ten Amts­hand­lung: Er senk­te den Leit­zins auf 1,25 Pro­zent. Doch da­mals brann­te es im Eu­ro­raum lich­ter­loh – und nicht we­ni­ge sa­hen in der EZB die ein­zi­ge po­ten­te Ret­te­rin im Kampf ge­gen die Schul­den­kri­se.

Doch das war nur der An­fang ei­ner in Eu­ro­pa bei­spiel­los lo­cke­ren Geld­po­li­tik: In den vier Jah­ren un­ter Draghi hat die EZB die Zin­sen ab­ge­schafft, Straf­zin­sen für ge­park­tes Geld der Ban­ken ein­ge­führt, die Märk­te mit Geld über­schwemmt und Grie­chen­lands strau­cheln­de Ban­ken mit Not­kre­di­ten über Was­ser ge­hal­ten. Seit die­sem März pumpt sie Mo­nat für Mo­nat Mil­li­ar­den in Staats­an­lei­hen und an­de­re Ver­mö­gens­wer­te.

Dass der Wäh­rungs­raum nicht aus­ein­an­der­ge­bro­chen ist, ist nach Über­zeu­gung vie­ler Ex­per­ten auch Draghi zu ver­dan­ken. Als sich meh­re­re Eu­ro­län­der nur noch sehr teu­er fri­sches Geld an den Märk­ten be­sor­gen konn­ten, be­ru­hig­te der Ita­lie­ner im Som­mer 2012 mit we­ni­gen Wor­te die zum Zer­rei­ßen ge­spann­te La­ge: „Die EZB ist be­reit, im Rah­men ih­res Man­dats al­les zu tun, was nö­tig ist, um den Eu­ro zu ret­ten. Und glau­ben Sie mir: Es wird ge­nug sein.“We­nig spä­ter leg­te die EZB ein Pro­gramm auf, um not­falls un­qua­si be­grenzt An­lei­hen von Kri­sen­staa­ten kau­fen zu kön­nen. Auch wenn über das so­ge­nann­te OMT-Pro­gramm kei­ne ein­zi­ge An­lei­he ge­kauft wur­de, rief vor al­lem die­ses In­stru­ment Kri­ti­ker auf den Plan. Sie wer­fen dem frü­he­ren Exe­ku­tiv­di­rek­tor der Welt­bank und spä­te­ren Gold­man-Sachs-In­vest­ment­ban­ker vor, die EZB-Be­fug­nis­se über­dehnt zu ha­ben. Die Bun­des­bank wet­ter­te, die EZB fi­nan­zie­re mit der No­ten­pres­se Schul­den von Län­dern, was sie gar nicht dür­fe. Bun­des­bank­Prä­si­dent Jens Weid­mann kri­ti­sier­te: „Wir könn­ten na­tür­lich mit un­be­grenz­ter Feu­er­kraft feu­ern; die Fra­ge ist aber, ob die­se un­be­grenz­te Feu­er­kraft kon­sis­tent ist mit un­se­rem Man­dat.“

Dau­er­feh­de mit dem Bun­des­bank-Chef

Oh­ne­hin ist die Feh­de Weid­man­nDraghi ein Dau­er­bren­ner. Bis heu­te. Denn trotz der Ab­schaf­fung der Zin­sen und gi­gan­ti­scher Geld­schwem­me ist der Preis­auf­trieb im Eu­ro­raum mei­len­weit vom EZBZiel ent­fernt. Des­halb will der ehe­ma­li­ge Je­sui­ten­schü­ler Draghi das ak­tu­el­le An­lei­hen­kauf­pro­gramm „an­pas­sen“– al­so ver­län­gern und noch mehr Geld in die Hand neh­men. Bis­her ge­plant ist ein Vo­lu­men von rund 1,1 Bil­lio­nen Eu­ro bis Sep­tem­ber 2016. Bun­des­bank-Chef Weid­mann stemmt sich ge­gen ei­ne noch grö­ße­re Geld­schwem­me: „Ich ra­te da­zu, nicht in hek­ti­schen Ak­tio­nis­mus zu ver­fal­len und jetzt Kurs zu hal­ten“, sag­te er kürz­lich.

Foto: Chris­to­pher Jue, dpa

Der „Tea­tro“von Nis­san ist vor al­lem ei­nes – bunt.

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