Re­geln gel­ten auch für ei­ne JVA

Donauwoerther Zeitung - - Bayern - Jus­tiz ge­gen Jus­tiz

Ein Ge­fäng­nis ist kein Mäd­chen­pen­sio­nat. Da geht es oft rau­er zu, so­wohl un­ter den Häft­lin­gen wie auch zwi­schen Häft­lin­gen und Jus­tiz­be­am­ten. Recht häu­fig fühlt sich ei­ner schlecht oder un­ge­recht be­han­delt. Er be­schwert sich oder er­stat­tet so­gar Anzeige. Das ist All­tag in ei­ner JVA.

Ei­ne Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt be­wegt sich im­mer auf dün­nem Eis. Ge­lingt ei­nem der Aus­bruch, lacht oder motzt halb Deutsch­land über das Ge­fäng­nis. Die Fra­ge, wie ein Häft­ling zu be­wa­chen ist, wenn er zum Bei­spiel in ein Kran­ken­haus muss, ist re­gel­mä­ßig ei­ne sen­si­ble, weil sich die Haft­an­stalt auch da­für ver­ant­wor­ten muss, wenn et­was schief­geht.

Doch was sich die JVA Augs­burg ge­leis­tet hat, ist be­mer­kens­wert. Denn im Fall des 23-jäh­ri­gen Den­nis W. geht es nicht in ers­ter Li­nie um die Fra­ge, ob es rich­tig war, ei­nen Mann im Ko­ma ans Bett zu ket­ten. Es geht dar­um, dass sich die JVA her­aus­ge­nom­men hat, ei­nen rich­ter­li­chen Be­schluss ein­fach zu igno­rie­ren. Und das geht nun mal gar nicht. Mit gu­tem Recht steht in Deutsch­land je­de so­ge­nann­te frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­me un­ter rich­ter­li­chem Vor­be­halt. Nur ein Rich­ter kann ent­schei­den, ob und für wie lan­ge ein Mensch fest­ge­setzt wird. Das soll­te so blei­ben. Und die­se Re­gel gilt auch für ein Ge­fäng­nis.

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