Vie­le Mit­ar­bei­ter lei­den un­ter Stress

Ge­sund­heit Hek­tik, Lärm und dau­ernd Un­ter­bre­chun­gen – für vie­le Be­schäf­tig­te steigt die psy­chi­sche Be­las­tung. Auch Un­ter­neh­men er­ken­nen zu­neh­mend die Not­wen­dig­keit zu han­deln. Was für den Ar­beits­schutz noch wich­tig ist

Donauwoerther Zeitung - - Job-börse - Düsseldorf

Im­mer schnel­ler und schnel­ler: Der Zeit­druck sitzt den An­ge­stell­ten in Deutsch­land im Na­cken. Mehr als je­der zwei­te Be­schäf­tig­te (56,8 Pro­zent) be­klagt sich dar­über. Der zweit­größ­te Stress­fak­tor am Ar­beits­platz sind Stö­run­gen und Un­ter­bre­chun­gen – das zeigt ei­ne Aus­wer­tung des un­ter dem Dach des DGB-Bun­des­vor­stands an­ge­sie­del­ten In­sti­tuts „Gu­te Ar­beit“. Vor­ge­legt wur­de das Pa­pier bei der Düs­sel­dor­fer Ar­beits­schutz-Mes­se A+A, die in die­ser Wo­che war.

Auf den wei­te­ren Rän­gen der Stress-Hit­lis­te für Ar­beit­neh­mer fol­gen un­güns­ti­ge Kör­per­hal­tun­gen et­wa in ge­werb­li­chen Be­ru­fen oder auch am Bü­ro-Schreib­tisch so­wie Lärm. Ar­bei­ten in der Nacht oder ei­ne re­spekt­lo­se Be­hand­lung durch Vor­ge­setz­te, Kol­le­gen oder Kun­den spie­len da­ge­gen nach der Aus­wer­tung nur ei­ne Ne­ben­rol­le un­ter den Stress­fak­to­ren für Ar­beit­neh­mer.

„Es gibt ei­nen gro­ßen Be­darf an Auf­klä­rung über psy­chi­sche Be­las­tun­gen am Ar­beits­platz“, stell­te Rolf Schmu­cker vom Ber­li­ner DGB-In­sti­tut zum Start der Ar­beits­schutz­mes­se fest. Ne­ga­ti­ve Fol­gen von Fehl­be­an­spru­chun­gen kön- nen nach den Er­kennt­nis­sen der For­scher kurz­fris­tig zu Er­mü­dung, Er­schöp­fung und ei­nem er­höh­ten Un­fall­ri­si­ko füh­ren. Lang­fris­tig droh­ten kör­per­li­che und psy­chi­sche Er­kran­kun­gen.

Nach ei­ner zur Mes­se vor­ge­leg­ten ak­tu­el­len Um­fra­ge des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts für an­ge­wand­te Ar­beits­wis­sen­schaft (ifaa) mes­sen auch Fach- und Füh­rungs­kräf­te in der deut­schen Wirt­schaft den The­men Ar­beits- und Ge­sund­heits­schutz, Ar­beits­zeit­fle­xi­bi­li­sie­rung und Fach­kräf­te­si­che­rung ei­ne stän­dig stei­gen­de Be­deu­tung zu. Wäh­rend un­ter den ak­tu­el­len The­men der­zeit noch die Or­ga­ni­sa­ti­on der Ar­beits­pro­zes­se im Fo­kus der Un­ter­neh­men ste­he, sei die künf­ti­ge Si­che­rung von Fach­kräf­ten nach Ein­schät­zung der Un­ter­neh­mens­len­ker die wich­tigs­te Her­aus­for­de­rung der Zu­kunft, hieß es.

Die zu­neh­men­de Di­gi­ta­li­sie­rung der In­dus­trie stel­le auch neue An­for­de­run­gen an den Ar­beits­schutz, so bei der Zu­sam­men­ar­beit mit Ro­bo­tern, sag­te ifaa-Di­rek­tor Sa­scha Sto­was­ser. Gleich­zei­tig kön­ne et­wa der Ein­satz von di­gi­ta­len Da­ten­bril­len oder Ta­blets künf­tig un­ter an­de- rem die In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in den Ar­beits­markt er­leich­tern, da der­ar­ti­ge di­gi­ta­le Hilfs­mit­tel pro­blem­los auf je­de Spra­che ein­zu­stel­len sei­en.

Mehr als 1800 Aus­stel­ler stell­ten bei der Düs­sel­dor­fer Fach­mes­se neue Trends zum The­ma Ar­beits­schutz vor – vom dy­na­mi­schen Ohr­stöp­sel bis zur at­mungs­ak­ti­ven Schutz­klei­dung für Feu­er­wehr­leu­te. Be­rufs­be­klei­dung wer­de im­mer mo­di­scher und der Out­door-Klei­dung im­mer ähn­li­cher, hieß es. Hin­zu kä­men zu­neh­mend prak­ti­sche De­tails wie ver­län­ger­te Ja­cken und hin­ten hö­her ge­schnit­te­ne Ho­sen für Be­schäf­tig­te, die oft auf den Kni­en ar­bei­ten müss­ten, oder spe­zi­el­le Pin­sel­ta­schen bei der Ma­ler­be­klei­dung.

„Der per­sön­li­che Schutz wird auch ge­nutzt“, be­rich­te­te der Vor­sit­zen­de des Aus­stel­ler-Bei­rats Ar­beits­schutz-Mes­se A+A, Klaus Bor­nack. Die Bran­che kön­ne sich über ei­ne zu­neh­men­de Ak­zep­tanz ih­rer Pro­duk­te freu­en. In­ner­halb von zehn Jah­ren ha­be sich der Ge­samt­um­satz von 1,28 Mil­li­ar­den Eu­ro (2004) um 41 Pro­zent auf 1,8 Mil­li­ar­den Eu­ro im ver­gan­ge­nen Jahr ge­stei­gert.

Et­wa ein Zehn­tel des welt­wei­ten Um­sat­zes mit Ar­beits­schutz­ar­ti­keln wer­de da­mit in Deutsch­land er­wirt­schaf­tet. Die Bran­che pro­fi­tie­re zu­dem auch von der Ver­la­ge­rung von Pro­duk­ti­ons­stät­ten ins Aus­land, da deut­sche Un­ter­neh­mer dort auch die Pro­duk­te der Her­stel­ler nutz­ten, so Bor­nack.

Foto: Jens Schie­ren­beck, dpa

Der Stress in der Ar­beit nimmt bei vie­len Men­schen zu. Auch auf ei­ner Mes­se war die­ses Pro­blem nun ein The­ma.

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