Ter­ror Hel­fer ha­ben kei­nen Asyl­schutz

EU Ge­richts­hof Nicht nur At­ten­tä­ter, son­dern auch Un­ter­stüt­zer ver­lie­ren ih­ren An­spruch

Donauwoerther Zeitung - - Politik - VON DET­LEF DREWES

Lu­xem­burg Wer Ter­ro­ris­ten un­ter­stützt oder bei der Durch­füh­rung ih­rer Ge­walt­ak­te Hil­fe leis­tet, ver­wirkt sein An­recht auf Asyl. Mit die­sem Ur­teils­spruch schuf der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EUGH) am Di­ens­tag Klar­heit im Um­gang der Mit­glied­staa­ten mit Ex­tre­mis­ten. Erst­mals hat das höchs­te eu­ro­päi­sche Ge­richt da­mit un­ter­stri­chen: Auch wer nicht selbst ei­ne Bom­be ge­zün­det hat oder ak­tiv an ei­nem At­ten­tat be­tei­ligt war, kann in der EU kei­nen Schutz­sta­tus be­an­spru­chen – es ge­nügt, dass er Kon­tak­te zu Ex­tre­mis­ten hat­te.

Der Fall aus Bel­gi­en, der den Rich­ter zur Ent­schei­dung vor­lag, hat­te vor Jah­ren für viel Auf­se­hen ge­sorgt. Es ging um ei­nen ma­rok­ka­ni­schen Staats­bür­ger, der be­reits 2006 als füh­ren­des Mit­glied der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Is­la­mi­sche Grup­pe ma­rok­ka­ni­scher Kämp­fer (GICM) ver­ur­teilt wor­den war. Das Ge­richt warf ihm die Bil­dung ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung, Ur­kun­den­fäl­schung, Ver­wen­dung ge­fälsch­ter Un­ter­la­gen und il­le­ga­len Auf­ent­halt vor. Die­ser Rich­ter­spruch wur­de spä­ter auf­ge­ho­ben, weil der Be­schul­dig­te nicht selbst an Ge­walt­ta­ten be­tei­ligt war. Des­halb, so der Rat für Aus­län­der­streit­sa­chen in Bel­gi­en, ste­he dem Mann durch­aus der Schutz­sta­tus ei­nes Flücht­lings zu.

Für den EuGH ist die­se Sicht­wei­se nicht nach­voll­zieh­bar. Wer „Hand­lun­gen, die Zie­len und Grund­sät­zen der Ver­ein­ten Na­tio­nen zu­wi­der­lau­fen“, vor­neh­me, ma­che An­schlä­ge letzt­lich mög­lich, auch wenn er nur mit der lo­gis­ti­schen Vor­be­rei­tung be­fasst ge­we­sen sei. Schließ­lich ha­be der An­ge­klag­te Päs­se ge­fälscht und Frei­wil­li­ge un­ter­stützt, die sich in den Irak be­ge­ben woll­ten. Da­mit sei­en al­le Grün­de ge­ge­ben, um ihn von der An­er­ken­nung als Flücht­ling aus­zu­schlie­ßen, zu­mal sei­ne Ta­ten ei­ne in­ter­na­tio­na­le Di­men­si­on hät­ten.

Auch wenn das Ur­teil in dem kon­kre­ten Ein­zel­fall nun noch ein­mal von den bel­gi­schen In­stan­zen ge­fällt wer­den muss, ha­ben die Rich­ter den Mit­glied­staa­ten da­mit ein star­kes In­stru­ment zur schnel­len Aus­wei­sung von Mit­glie­dern ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung an die Hand ge­ge­ben. Der EuGH be­zwei­fel­te zwar nicht die per­sön­li­che und un­gleich hö­he­re Ver­ant­wor­tung ei­nes At­ten­tä­ters, der selbst ei­ne Ge­walt­tat durch­führt. Aber die Ju­ris­ten mach­ten doch un­miss­ver­ständ­lich deut­lich, dass auch ein Un­ter­stüt­zer Ver­ant­wor­tung für ei­ne Tat hat und da­mit den Schutz des Asyl­rech­tes ver­lie­ren kann.

Be­ob­ach­ter wer­te­ten es in Lu­xem­burg als wich­ti­ges Si­gnal, dass in dem Ur­teil kei­ne Un­ter­schie­de zwi­schen der Art der Hil­fe ge­macht wur­de. Da­mit sei klar, dass es für die Fra­ge ei­ner An­er­ken­nung als Flücht­ling oh­ne Be­deu­tung sei, ob je­mand Fahr­zeu­ge an­ge­mie­tet oder Waf­fen ge­kauft ha­be. Je­de Form der Un­ter­stüt­zung von Ter­ro­ris­ten müs­se gleich be­wer­tet wer­den und zie­he Kon­se­quen­zen nach sich.

Fo­to: dpa

Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof ist in Lu xe­m­burg an­ge­sie­delt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.