War­um es Ma­ri­ne Le Pen nicht schafft

Donauwoerther Zeitung - - Politik -

Frank­reich blickt seit Ta­gen auf den frei­en Fall des kon­ser­va­ti­ven Kan­di­da­ten François Fil­lon. Sei­ne ei­ge­ne Par­tei mit blan­kem Ent­set­zen, der Front Na­tio­nal von Ma­ri­ne Le Pen mit Scha­den­freu­de. Und die So­zia­lis­ten? Die Par­tei ist voll­auf da­mit be­schäf­tigt, ih­ren ei­ge­nen Un­ter­gang zu ze­le­brie­ren. So hart es klingt: Ih­re noch üb­rig ge­blie­be­nen Wäh­ler wer­den erst im zwei­ten Wahl­gang ei­ne Rol­le spie­len. Dann kön­nen sie mit­hel­fen, ein po­li­ti­sches De­sas­ter für Frank­reich und Eu­ro­pa zu ver­hin­dern.

Fil­lon kämpft ver­bis­sen um sei­nen Ruf und sei­ne schwin­den­den Chan­cen, Prä­si­dent zu wer­den. Im- mer­hin hat er be­wie­sen, dass er in der La­ge ist, Ar­beits­plät­ze zu schaf­fen – al­ler­dings in ers­ter Li­nie für die ei­ge­ne Fa­mi­lie. Schein­be­schäf­ti­gung oder nicht – die­ser Ma­kel wird hän­gen blei­ben. Ei­ne ak­tu­el­le Um­fra­ge sieht den Ex-Pre­mier­mi­nis­ter nur noch auf Platz drei – hin­ter Le Pen und dem un­ab­hän­gi­gen Be­wer­ber Em­ma­nu­el Ma­cron. Ein Ab­sturz: Schließ­lich galt lan­ge als aus­ge­macht, dass Fil­lon in der Stich­wahl ge­gen Le Pen mit kla­rem Vor­sprung ge­wählt wer­den wür­de.

Und nun? In Eu­ro­pa wächst die Furcht, dass die Iko­ne des Front Na­tio­nal aus die­ser Si­tua­ti­on Pro­fit schlägt und ers­te Prä­si­den­tin der Re­pu­blik wird. Schließ­lich hat­te auch kaum je­mand den Br­ex­it oder die Wahl Trumps vor­her­ge­sagt. Und doch ist die­ses Sze­na­rio nach wie vor äu­ßerst un­wahr­schein­lich. Al­les spricht da­für, dass Ma­cron – soll­te er in die Stich­wahl ein­zie­hen – deut­lich vor Le Pen durchs Ziel ge­hen wird. Denn er ist für al­le re­le­van­ten po­li­ti­schen La­ger au­ßer der ex­tre­men Rech­ten wähl­bar.

Ma­cron wä­re dann Prä­si­dent ei­nes Lan­des, das sich wirt­schaft­lich und men­tal in ei­ner schwe­ren Kri­se be­fin­det, mit ei­ner Par­tei­en­land­schaft, die ge­ra­de ge­räusch­voll im­plo­diert. Ei­ne ge­wal­ti­ge­re Her­aus­for­de­rung ist kaum denk­bar.

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