Jung ist das neue Alt

Donauwoerther Zeitung - - Donauwörth -

Das Be­ra­tungs­we­sen boomt. Es gibt Er­zie­hungs-, Er­näh­rungs-, Ge­sund­heits- und An­la­ge­be­ra­ter, Ener­gie-, Ein­rich­tungs-, Stilund Still­be­ra­ter und nun al­so auch noch Al­ters­be­ra­ter.

Ich ge­ste­he: Beim Blick in den Spie­gel hat­te ich bis­lang im­mer ge­glaubt, dass sich der Al­te­rungs­pro­zess ganz au­to­ma­tisch voll­zieht – ei­ne neue Fal­te hier, ein grau­es Haar da – und es kei­ner wei­te­ren Be­ra­tung be­darf. Doch je län­ger ich mein bis jetzt un­be­ra­ten vor sich hinal­tern­des Hirn be­mü­he, um­so char­man­ter fin­de ich die Idee, das Al­ter mal ein biss­chen zu coa­chen. Man könn­te ihm bei­spiels­wei­se na­he­le­gen, end­lich an sei­nem Image zu ar­bei­ten. Vi­el­leicht wür­den die Leu­te dann nicht nur ger­ne alt wer­den, son­dern auch ger­ne alt sein.

Ein ers­ter An­satz wä­re, künf­tig auf Zei­chen sicht­ba­ren Ver­falls zu ver­zich­ten, al­so kei­ne grau­en Haa­re und kei­ne Fal­ten mehr – auch wenn das Un­ter­neh­mens­be­ra­ter aus der Kos­me­tik­in­dus­trie wo­mög­lich an­ders se­hen. Das Al­ter soll­te da­hin­ge­hend ge­schult wer­den, auf all die Zip­per­lein zu ver­zich­ten, die bis­her so et­was wie sein Mar­ken­zei­chen sind und sich ein­fach mal was Neu­es ein­fal­len las­sen. Ich se­he schon den Slo­gan vor mir: Jung ist das neue Alt.

Was ein Al­ter­be­ra­ter wirk­lich tut? Es trägt ei­nen Ti­tel, der nach ei­ner Fort­bil­dung, zum Bei­spiel durch evan­ge­li­sche Er­wach­se­nen­bil­dungs­ver­bän­de, ge­führt wer­den darf. Dann ist man un­ter an­de­rem qua­li­fi­ziert als An­sprech­part­ner für Fra­gen „zum drit­ten Le­bens­ab­schnitt“, wie es heißt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.