Hat­schi!

Ge­sund­heit Gera­de woll­te man sich über die wär­me­ren Tem­pe­ra­tu­ren freu­en, da kommt die ers­te Pol­len­war­nung. War­um das nor­mal ist und was uns sonst noch zum Nie­sen bringt

Donauwoerther Zeitung - - Panorama - VON CHRIS­TI­NA HEL­LER

Augs­burg Die Grip­pe-Sai­son ist noch in vol­lem Gan­ge, über­all wird ge­hus­tet, ge­räus­pert und ge­schnieft. Die tro­cke­ne Hei­zungs­luft setzt Au­gen und Schleim­häu­ten zu­sätz­lich zu, da kommt schon die nächs­te Hi­obs­bot­schaft für ge­plag­te Na­sen. Dies­mal über­mit­telt sie das baye­ri­sche Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um – und vor al­lem All­er­gi­ker sind be­trof­fen. Die Nach­richt lau­tet: Die Ha­sel­pol­len flie­gen wie­der. Wie bit­te? An­fang Fe­bru­ar? Wur­de nicht gera­de erst ver­kün­det, der Ja­nu­ar sei der käl­tes­te seit 30 Jah­ren ge­we­sen? Wo kom­men da Pol­len her?

Käl­te kann den Ha­sel­pol­len nichts an­ha­ben, sagt Pro­fes­so­rin Ju­lia Wel­zel vom Kli­ni­kum Augs­burg. All­er­gi­en sind das Fach­ge­biet der Chef­ärz­tin und sie sagt: Der Ein­druck, dass Pol­len im­mer frü­her im Jahr flie­gen, trügt. „Wir hat­ten die­ses Jahr ei­nen be­son­ders kal­ten Ja- nu­ar, aber wenn es ein paar war­me Ta­ge gibt, kön­nen Ha­sel­pol­len auch schon im De­zem­ber oder Ja­nu­ar un­ter­wegs sein.“

Was aber stimmt, ist, dass die Pol­len im­mer län­ger da sind. „Da muss man zwi­schen Wet­ter und Kli­ma un­ter­schei­den. Das Wet­ter ist je­des Jahr an­ders. Aber das sich er­wär­men­de Kli­ma führt dazu, dass Pol­len frü­her kom­men und län­ger blei­ben“, sagt Wel­zel. Und sie wer­den zum Teil ag­gres­si­ver. „Man hat fest­ge­stellt, dass sie sich zum Bei­spiel an Fe­in­staub an­haf­ten. Selbst wenn dann in der Stadt we­ni­ger Pol­len un­ter­wegs sind als auf dem Land, kann die all­er­gi­sche Re­ak­ti­on schlim­mer aus­fal­len“, be­rich­tet die Ex­per­tin.

Doch die Ha­sel­pol­len sind nicht die ein­zi­gen, die All­er­gi­ker die­ser Ta­ge zu schaf­fen ma­chen. Denn in auf­ge­heiz­ten Räu­men, die vi­el­leicht sel­ten ge­lüf­tet wer­den, füh­len sich auch Haus­staub­mil­ben ziem­lich wohl. Die win­zi­gen Tier­chen be­vor­zu­gen ge­schlos­se­ne, war­me Räu­me. Ob sie sich zu Hau­se im Schlaf­zim­mer, auf Au­to­sit­zen oder in Bus­sen auf­hal­ten, ist ih­nen da­bei völ­lig egal. Ei­ne Un­ter­su­chung aus dem Jahr 2013 et­wa zeigt: Im Au­to kom­men auf ei­nen Ku­bik­me­ter 474 Haus­staub­mil­ben, in öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln wie Bus­sen oder Stra­ßen­bah­nen sind es 1117. Im hei­mi­schen Schlaf­zim­mer liegt die Mil­ben­zahl da­ge­gen mit 45 Tier­chen pro Ku­bik­me­ter ziem­lich nied­rig.

Ju­lia Wel­zel be­zwei­felt zwar, dass die An­zahl im Schlaf­zim­mer so nied­rig ist, denn „sie er­näh­ren sich von mensch­li­chen Haut­schup­pen und im Schlaf­zim­mer sind sie ganz nah bei ih­rem Wirt“. Die an­de­ren Zah­len kann sie sich aber gut so vor­stel­len. „Ich ha­be al­ler­dings noch nie er­lebt, dass je­mand im Bus ei­nen Asth­ma­an­fall be­kom­men hat. Dort hält man sich nur re­la­tiv kurz auf und das spielt bei ei­ner all­er­gi­schen Re­ak­ti­on auch ei­ne Rol­le“, sagt sie. Die meis­ten ih­rer Pa­ti­en­ten ha­ben eher zu Hau­se Pro­ble­me.

Zu un­ter­schei­den, ob man gera­de er­käl­tet ist oder Heu­schnup­fen hat, ist üb­ri­gens ganz ein­fach: „Bei Heu­schnup­fen ju­cken im­mer die Au­gen und die Na­se“, sagt Wel­zel.

Fo­to: dpa

Ha­sel­pol­len brau­chen nur ein paar war me Ta­ge und schon flie­gen sie.

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