Die be­son­de­re Ma­gie des Come­backs

Donauwoerther Zeitung - - Sport -

Ge­nau ge­nom­men fußt ja die kom­plet­te abend­län­di­sche Kul­tur auf ei­nem Comeback. An ei­nem Sonn­tag vor rund 2000 Jah­ren mach­te sich Je­sus auf den Weg zu sei­nen Freun­den und er­staun­te sie nicht we­nig. Zur Über­ra­schung der Jün­ger trug bei, dass sie ihn we­ni­ge Ta­ge zu­vor be­stat­tet hat­ten. Seit­dem fei­ern die Chris­ten Os­tern.

In den ame­ri­ka­ni­schen Ka­len­der muss wohl kein neu­er Fei­er­tag auf­ge­nom­men wer­den. Das Ge­den­ken an die­sen ers­ten Sonn­tag im Fe­bru­ar des Jah­res 2017 wird die An­hän­ger der New En­g­land Pa­tri­ots aber auch noch in meh­re­ren Ge­ne­ra­tio­nen mit Glücks­ge­füh­len er­fül­len.

Dem Foot­ball­team ge­lang das groß­ar­tigs­te Comeback der ame­ri­ka­ni­schen Sport­ge­schich­te. Es lag im Fi­na­le aus­sichts­los zu­rück, ehe Tom Bra­dy die Auf­hol­jagd ein­lei­te­te. Ob­wohl der Spiel­ma­cher auf der Cha­rak­ter­ska­la eher auf der an­de­ren Sei­te als die Darstel­ler des Neu­en Tes­ta­ments steht (die hat­ten zu­meist kein au­ßer­ehe­li­ches Kind oder ma­ni­pu­lier­ten das Spiel­ge­rät), wird er fort­an doch ver­ehrt wer­den wie der Hei­land höchst­selbst.

Nichts be­geis­tert Sport­fans so sehr wie ei­ne Rück­kehr nach ei­nem ver­lo­ren ge­glaub­ten Spiel. Da­rin ver­bor­gen ist der Wunsch, Ge­sche­he­nes ver­ges­sen zu ma­chen. Die ers­te Halb­zeit mag noch so mies ge­we­sen sein, mit ei­ner Leis­tungs­stei­ge­rung lässt sich das wie­der ge­ra­de bie­gen. Gilt im Sport ge­nau­so wie im Le­ben. Ei­ner ver­geu­de­ten ers­ten Halb­zeit ei­ne ge­lun­ge­ne zwei­te fol­gen zu las­sen, ge­lingt al­ler­dings hier wie dort sel­ten.

Um­so mehr bleibt ein ge­lun­ge­nes Comeback im Ge­dächt­nis. Als die sechs Fün­fer im Halb­jah­res­zeug­nis dank mas­si­ver Nach­hil­fe noch aus­ge­bü­gelt wur­den. Ei­ne sen­sa­tio­nel­le Leis­tung, die den sym­pa­thi­schen Ne­ben­ef­fekt hat, dass es – an­ders als im Sport – kei­ne Ver­lie­rer gibt (au­ßer viel­leicht ei­nem ver­zwei­feln­den Ma­the­leh­rer). Wer will schon wei­nen­de Män­ner se­hen, wie je­ne Bay­ern-Spie­ler, die Zeu­gen des Come­backs von Man­ches­ter Uni­ted im Fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague 1999 wur­den?

Im Ver­lauf ei­nes Le­bens wer­den ge­lun­ge­ne Rück­keh­ren im­mer sel­te­ner. Ir­gend­wann bleibt nur noch das Comeback des klei­nen Man­nes: das ers­te Bier nach ei­nem ver­ka­ter­ten Tag. Ge­fei­ert wird man da­für nur sel­ten.

Fo­to: dpa

Trau­ri­ge Zeu­gen ei­nes Come­backs. Die Bay­ern­spie­ler 1999.

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