„High­way to Hell“auf der Zit­her

Klein­kunst Jo­sef Brust­mann tritt als ers­ter (Mu­sik-)Ka­ba­ret­tist im Rai­ner Schloss auf und über­rascht. Zum Ju­bi­lä­um der IG Rai­ner Win­kel sagt er, was er von dem neu­en Kul­tur­saal hält

Donauwoerther Zeitung - - Blickpunkt Kultur - VON JÜR­GEN ZIEGELMEIR

Rain Es scheint, als wür­de sich die Vi­si­on der IG Rai­ner Win­kel rea­li­sie­ren. „Wir wol­len die­sem neu­en Kul­tur­saal Le­ben ein­hau­chen“, sag­te Vor­sit­zen­der Jo­hann Geier und be­grüß­te Jo­sef Brust­mann, der als ers­ter Ka­ba­ret­tist im Kur­fürst­li­chen Schloss in Rain auf­trat. Um sein Vor­ha­ben in die Tat um­zu­set­zen, ge­stal­te­te Geier mit sei­nem Team noch ei­ni­ge De­tails, die Brust­mann nach sei­nem Auf­tritt kom­men­tier­te.

Die At­mo­sphä­re muss­te pas­sen, um der Auf­ga­be ge­recht zu wer­den, die sich der Ver­ein ge­stellt hat. Schon das Büh­nen­bild trug die Hand­schrift der Ge­mein­schaft und war ty­pisch für den kul­tu­rel­len Ver­ein. Ein al­tes So­fa mit ro­tem Be­zug, ein Ker­zen­leuch­ter und da­zu ein al­ter Tisch mit Stuhl schu­fen ein ge­müt­li­ches Am­bi­en­te. In­stru­men­te, die Brust­mann für sein Mu­sik­ka­ba­rett be­nö­tigt, brach­te er sel­ber mit und schon ent­stand ein Flair, das Klein­kunst­büh­ne cha­rak­te­ri­siert.

Dass der Ober­bay­er aus Wolfrats­hau­sen ge­eig­net ist, Gei­ers Plan ei­nen gu­ten Start zu ver­schaf­fen, be­wies er, noch ehe er die 85 Gäs­te be­grüß­te. Schon mit sei­nem ers­ten Satz er­reich­te er sein Pu­bli­kum. As­tro­nau­ten be­rich­te­ten nach ih­rer Rück­kehr zur Er­de, dass au­ßer der Chi­ne­si­schen Mau­er noch et­was vom Wel­tall aus zu se­hen sei: „Die gro­ßen Tür­me der Süd­zu­cker­fa­brik in Rain.“

Da­nach hielt Brust­mann für ein paar Se­kun­den in­ne und ließ die Po­in­te wir­ken. Ne­ben sei­ner tie­fen aus­drucks­star­ken Stim­me ist das ei­ne Tech­nik, die sei­ne Büh­nen­prä­senz aus­macht. Wer ihn al­ler­dings nicht kennt, der kann Brust­mann nicht be­rech­nen. Mit sei­nem Pro­gramm „Fuchs­treff“ist er im­mer für ei­ne Über­ra­schung gut. Der­be Witze, die die Gür­tel­li­nie tan­gie­ren, mischt er mit erns­ten Se­quen­zen, die nach­denk­lich stim­men. Die­ser Re­zep­tur ver­passt er Wür­ze mit Lie­dern, die er selbst kom­po­niert.

Als stu­dier­ter Mu­si­ker spiel­te er an die­sem Abend Zit­her, Te­nor­horn, dia­to­ni­sche Zieh­har­mo­ni­ka und Gi­tar­re. Er­staun­lich ist die gro­ße Band­brei­te sei­ner Lie­der. So spiel­te er „Across the Uni­ver­se“von den Beat­les und „High­way to Hell“. Ja, selbst AC/DC in­ter­pre­tiert sei­ne Zit­her. Doch das sind die Aus­nah­men sei­nes zwei­stün­di­gen Auf­tritts. Sei­ne Stär­ke äu­ßert Brust­mann vor al­lem in sei­nen ei­ge­nen Lie­dern. So singt er Gstanzl mit ein­fa­chem Rhyth­mus, eben­so wie Tief­sin­ni­ges. „Va­ter, kumm er­zeu ma vom Kriag. Va­ter, kumm er­zeu ma wia d’gfo­in bist.“

Zwi­schen­durch streut der ehe­ma­li­ge Gym­na­si­al­leh­rer ei­ne Pri­se Po­li­tik. Von dem ehe­ma­li­gen fran­zö­si­schen Staats­mann Charles de Gaul­le, nach dem so­gar ein Flug­platz be­nannt ist, un­ter­schei­de Ed­mund Stoi­ber ei­ni­ges. Der frü­he­re baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent ha­be in Wo­lei­ne frats­hau­sen „nicht ein­mal ei­ne Sack­gas­se“. Die­se Mix­tur ver­leiht Brust­manns Mu­sik­ka­ba­rett ei­nen ei­ge­nen Ge­schmack, der ihn ty­pi­siert. Des­we­gen nennt er sein Pro­gramm auch Fuchs­treff, weil sich die­ser Ti­tel auf sei­ne Bau­ern­schläue be­zieht, die sich schon in sei­ner Kind­heit ent­wi­ckel­te.

Am 28. De­zem­ber des Jah­res 1954 sei er ge­bo­ren, be­schrieb er sei­ne Ju­gend im Schnell­durch­lauf und warf klei­ne An­ek­do­ten ein, wie sie vie­le Zu­schau­er in die­ser Art auch er­lebt ha­ben. Über­haupt sei ihm der Kon­takt zum Pu­bli­kum wich­tig. Wie Brust­mann be­ton­te, „eig­net sich die­ser Saal bes­tens für ka­ba­ret­tis­ti­sche Auf­trit­te“. Schon der ge­rin­ge Ab­stand von 50 Zen­ti­me­tern zur ers­ten Sitz­rei­he er­mög­li­che es ihm, ei­ne Be­zie­hung zu den Gäs­ten auf­zu­bau­en. Denn schließ­lich sei­en ihm die Men­schen wich­tig. Oh­ne sie ge­be es die­se Kunst nicht, die das Le­ben so sehr be­rei­chert.

Fo­to: Jür­gen Ziegelmeir

Jo­sef Brust­mann mit sei­nem Gast­ge­schenk des Rai­ner Win­kels: Brot und ein selbst ge­mach­tes Ge­tränk. Mit im Bild: Vor­sit­zen­der Jo­han­nes Geier.

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