Ein­bruch: Was wuss­te die Freun­din?

Pro­zess um ver­such­ten Mord in Kötz: Ur­teil soll mor­gen fal­len

Donauwoerther Zeitung - - Bayern - VON CHRIS­TI­AN KIRSTGES

Mem­min­gen/Kötz In der Nacht zum 16. De­zem­ber 2015 steigt der heu­te 21-Jäh­ri­ge in ein Ein­fa­mi­li­en­haus in Kötz (Kreis Günz­burg) ein, sticht auf ei­nen Be­woh­ner ein und ver­letzt ihn le­bens­ge­fähr­lich: Seit ver­gan­ge­ner Wo­che steht der Ein­bre­cher un­ter an­de­rem we­gen ver­such­ten Mor­des vor dem Land­ge­richt Mem­min­gen. Das Ge­richt muss vor al­lem ent­schei­den, ob der An­ge­klag­te nach Er­wach­se­nen- oder Ju­gend­straf­recht zu be­stra­fen ist. Geht es nach dem psych­ia­tri­schen Gut­ach­ter und der Ver­tre­te­rin der Ju­gend­ge­richts­hil­fe, soll­te er wie ein Her­an­wach­sen­der be­ur­teilt wer­den. Sei­ne Rei­fe sei, auch be­dingt durch die Krankheit ADHS, ver­zö­gert. Ver­min­dert schuld­fä­hig sei er aber nicht, sag­te der Gut­ach­ter.

Ur­sprüng­lich war be­reits für die­sen zwei­ten Ver­hand­lungs­tag mit ei­nem Ur­teil ge­rech­net wor­den, doch bis in den spä­ten Nach­mit­tag wur­den Zeu­gen und Sach­ver­stän­di­ge ge­hört. Die 24-jäh­ri­ge Ex-Freun­din des Haupt­an­ge­klag­ten, der Bei­hil­fe zum Woh­nungs­ein­bruchs­dieb­stahl vor­ge­wor­fen wird, äu­ßer­te sich selbst nicht. Ih­ren Ver­tei­di­ger ließ sie al­ler­dings ei­ne Er­klä­rung ver­le­sen, in der sie die An­schul­di­gun­gen zu­rück­wies. Sie sei nicht di­rekt am Ein­bruch be­tei­ligt ge­we­sen. Sie ha­be den An­ge­klag­ten nur be­glei­tet und dann am Au­to auf ihn ge­war­tet – un­mas­kiert.

Der An­ge­klag­te hat­te vor Ge­richt aus­ge­sagt, sei­ne Freun­din ha­be mas­kiert vor dem Fens­ter ge­war­tet, um die Beu­te ent­ge­gen­zu­neh­men. Auch hat­te er ge­sagt, nicht ge­wusst zu ha­ben, wer in dem Haus wohnt. Bei der Po­li­zei sag­te die 24-Jäh­ri­ge je­doch, dass er es ge­wusst ha­be. Sie be­schrieb ihn als ag­gres­siv; er kön­ne nicht ak­zep­tie­ren, wenn er sei­nen Wil­len nicht be­kom­me. Auch ein Be­richt der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Kemp­ten, wo der 21-Jäh­ri­ge nach sei­ner Fest­nah­me die meis­te Zeit in Un­ter­su­chungs­haft saß, be­schei­nigt ihm Ge­walt­po­ten­zi­al. Ei­nem Mit­ge­fan­ge­nen ha­be er mehr­fach ins Ge­sicht ge­schla­gen und An­wei­sun­gen des Per­so­nals kaum be­folgt. We­gen des Vor­falls mit dem Mit­ge­fan­ge­nen wur­de er in die JVA Mem­min­gen ver­legt. Der Ver­lob­te sei­ner Mut­ter be­schrieb ihn hin­ge­gen als „wun­der­ba­ren, sen­si­blen Men­schen“, der nie je­man­den er­mor­den wür­de. Die Plä­doy­ers und das Ur­teil wer­den für den mor­gi­gen Donnerstag er­war­tet.

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