Der di­gi­ta­le Durch­bruch

Neu­vor­stel­lung VW nennt die jüngs­te Über­ar­bei­tung des Golf ein „Up­date“. Al­lein das zeigt schon, wo­hin die Rei­se geht

Donauwoerther Zeitung - - Kfz-börse - VON SA­SCHA GORHAU

VW mo­der­ni­siert den Golf – und spricht von ei­nem „Up­date“. Von au­ßen fällt das kaum auf. Die Er­schei­nung des Kom­pakt­wa­gens wur­de so mar­gi­nal mo­di­fi­ziert, dass es den al­ler­meis­ten Men­schen über­haupt nicht auf­fal­len dürf­te. Ein Bei­spiel: Die sinn­vol­len LED-Lam­pen sind nun Se­rie – lei­der je­doch nur am Heck. Vor­ne wä­re die si­cher­heits­re­le­van­te Tech­no­lo­gie viel wich­ti­ger, ist aber nur in den ge­ho­be­nen Aus­stat­tungs­li­ni­en an Bord.

Ein ers­tes Aha-Er­leb­nis folgt im In­nen­raum: Die Schal­ter lie­gen nun un­ter Glas und das obe­re Ar­ma­tu­ren­brett hat zwar die­sel­be Form wie beim Vor­gän­ger, doch das Dis­play ist mit ei­nem Durch­mes­ser von bis zu 9,2 Zoll deut­lich ge­wach­sen. Der Mul­ti­me­dia-Bild­schirm heißt „Dis­co­ver Pro“. Frag­lich ist, wie vie­le Golf-Kun­den die Top­ver­si­on der VW Golf 2.0 TDI High­li­ne Hu­b­raum 1968 ccm Leis­tung 150 PS bei 3500/min Drehm. 340 Nm bei 1750/min Län­ge/B./H. 4,26/1,80/1,49 Leer­ge­wicht/Zul. 1366/559 kg Kof­fer­raum 380 – 1270 l An­hän­ge­last gebr. 1600 kg 0 – 100 km/h 8,6 Sek. Top Tem­po 216 km/h Norm­ver­brauch 4,3 l Die­sel CO2 Aus­stoß 109 g/km Ener­gie­ef­fi­zi­enz­klas­se A Preis ab 28 525 Eu­ro für 2385 Eu­ro be­stel­len. VW ist op­ti­mis­tisch und rech­net mit ei­ner Ein­bau­quo­te von 40 Pro­zent.

Fast die Hälf­te al­ler Fah­rer wür­de dann auch in den Ge­nuss der in­te­grier­ten Ges­ten­steue­rung kom­men. Der Golf bringt sie erst­mals in die Kom­pakt­klas­se – teil­wei­se zu­min­dest, denn mit­tels Ges­te kön­nen aus­schließ­lich Mu­sik­ti­tel oder Ra­dio­sen­der aus­ge­wählt wer­den. Das ist in der Theo­rie toll, in der Pra­xis hin­ge­gen noch ein we­nig un­aus­ge­go­ren. Die Ma­schi­ne setzt die Wün­sche des Fah­rers oft nicht um. Die­ser Ef­fekt trat so­gar bei ei­ner De­mons­tra­ti­on durch ei­nen VW-In­ge- nieur wie­der­holt auf. Al­len Skep­ti­kern sei­en dar­um die üb­ri­gen be­kann­ten und be­währ­ten In­fo­tain­ment-Sys­te­me des Golf emp­foh­len. Sie sind durch­gän­gig ein we­nig grö­ßer ge­wor­den, ver­fü­gen über ei­ne fei­ne­re Gra­fik und sind nach wie vor her­vor­ra­gend be­dien­bar. Ein Vor­teil für Lern­fau­le: Sie ver­fü­gen noch über Knöp­fe.

Da­von ab­ge­se­hen ste­hen die Zei­chen beim Golf auf Di­gi­ta­li­sie­rung: Statt ana­lo­ger In­stru­men­te dient nun ein 12,3 Zoll gro­ßes Dis­play im Sicht­feld des Fah­rers als zen­tra­le In­for­ma­ti­ons­quel­le über al­le re­le­van­ten Fahr­da­ten. Es lässt sich durch fünf ver­schie­de­ne Pro­fi­le in­di­vi­duaIn­fo­tain­ment-Ein­heit li­sie­ren und zeigt so wahl­wei­se Da­ten zu Ver­brauch und Reich­wei­te, Leis­tung und Fahras­sis­tenz oder wei­te­re In­fos an. VW in­te­griert zu­dem noch mehr On­line-Di­ens­te in den Kom­pakt­wa­gen, bie­tet Ser­vices in den Be­rei­chen Si­cher­heit, In­for­ma­ti­on – und Hau­stür­über­wa­chung.

Letz­te­re nennt sich „Door Bird“und stellt ei­ne Vi­deo-Ver­bin­dung zwi­schen dem Fahr­zeug und der Über­wa­chungs­an­la­ge des Hau­ses her. Per Fern­be­fehl kann der Fah­rer dann bei­spiels­wei­se die Ein­gangs­tü­re öff­nen, falls ein Fa­mi­li­en­mit­glied sei­nen Schlüs­sel ver­ges­sen hat.

Re­le­van­ter sind neue As­sis­tenz­sys­te­me, die den Golf nach wie vor zur Re­fe­renz im Seg­ment und im All­tag noch si­che­rer ma­chen. Der Stau-As­sis­tent zum Bei­spiel fährt bis 60 km/h teil­au­to­nom. Und auch der Front-As­sis­tent mit Ci­ty-Not­brems­funk­ti­on wur­de ver­bes­sert und re­agiert nun auf Fuß­gän­ger.

Ähn­lich er­freu­lich ist die Wei­ter­ent­wick­lung im Be­reich An­trieb lei­der nicht. Der ge­fah­re­ne 150-PSDie­sel war prak­tisch nicht un­ter fünf Li­ter Durch­schnitts­ver­brauch zu brin­gen und das neu ent­wi­ckel­te Sie­ben-Gang-DSG ar­bei­te­te ge­ra­de bei schnel­ler Fahrt nicht im­mer sou­ve­rän.

Der neue GTI of­fen­bar­te bei Test­fahr­ten Trak­ti­ons­pro­ble­me und sei­ne auf 230 PS ge­stie­ge­ne Leis­tung ist le­dig­lich das Er­geb­nis da­von, dass VW nun stan­dard­mä­ßig den Mo­tor der vor­her­ge­gan­ge­nen „Per­for­mance“-Ver­si­on ver­baut. In­ter­es­san­ter ist da schon der über­ar­bei­te­te Elek­tro-Golf, der im Lau­fe des Jah­res fol­gen und ei­ne deut­lich hö­he­re Reich­wei­te als sein Vor­gän­ger be­sit­zen soll.

Noch ein Ar­gu­ment, war­um In­ter­es­sen­ten für das Golf-Up­date noch ein we­nig war­ten soll­ten: Mit­te des Jah­res folgt ein neuer 130-PS-Ben­zi­ner mit nur 1,5 Li­tern Hu­b­raum, der sehr spar­sam wer­den soll.

Der durch­schnitt­li­che Golf-Kun­de ent­schei­det sich für die mitt­le­re Aus­stat­tungs­li­nie „Com­fort­li­ne“und ei­nen Ben­zi­ner oder Die­sel mit 110 PS. Da­für müss­te er min­des­tens 21 675 (Ben­zi­ner) be­zie­hungs­wei­se 23675 Eu­ro aus­ge­ben. Wenn noch et­was Aus­stat­tung hin­zu­kommt, ist die 30000-Eu­ro-Mar­ke schnell er­reicht.

Da­ten­blatt

Fo­to: Volks­wa­gen

Ein Golf muss aus­se­hen wie ein Golf – das ha­ben die Ent­wick­ler be­her­zigt und die äu­ße­re Er­schei­nung des Kom­pakt­wa­gens nur be­hut­sam an­ge­passt. Die grö­ße­ren Ve­rän­de­run­gen fan­den im In­te­ri­eur statt.

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