Pan­nen­hel­fer auf Ab­we­gen

Jus­tiz Au­to­mo­bil­klub-Mit­ar­bei­ter fährt bei Mon­heim in den Wald, lan­det im Gr­a­ben, be­trinkt sich und ras­tet aus. Das kos­tet den 56-Jäh­ri­gen den Job und bringt ihn vor Ge­richt

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis - VON WOLF­GANG WIDEMANN

Nördlingen/Mon­heim Ein Pan­nen­hel­fer soll schnell und zu­ver­läs­sig zur Stel­le sein, wenn man mit sei­nem Fahr­zeug lie­gen­ge­blie­ben ist. Ein Mit­ar­bei­ter ei­nes gro­ßen Au­to­mo­bil­klubs hat­te En­de April im vo­ri­gen Jahr Be­reit­schaft­dienst am Wo­che­n­en­de. Da­bei be­kam der Mann aus Mit­tel­fran­ken auch Ein­sät­ze in Nord­schwa­ben zu­ge­teilt. Doch an je­nem Samstag ging ei­ni­ges schief. Der 56-Jäh­ri­ge be­nö­tig­te zu­nächst un­ge­wöhn­lich viel Zeit, um zu Pan­nen­fahr­zeu­gen zu ge­lan­gen, dann war er im Raum Mon­heim ver­schwun­den, bau­te selbst ei­nen Un­fall, be­trank sich und ras­te­te aus. Dies hat­te für den Mann weit­rei­chen­de Fol­gen. Er ver­lor nicht nur sei­nen Job, son­dern muss­te sich nun auch vor dem Amts­ge­richt Nördlingen ver­ant­wor­ten.

Bei dem An­ge­klag­ten hat­te sich im Früh­jahr 2016 ei­ni­ger Frust an­ge­staut. Sei­ne Ehe war in die Brü­che ge­gan­gen und ein Fa­mi­li­en­mit­glied schwer er­krankt. Der Mann be­gann zu trin­ken, mach­te aber dann, nach­dem es des­we­gen Är­ger ge­ge­ben hat­te, ei­ne The­ra­pie. Die Pro­ble­me wa­ren da­mit of­fen­bar nicht ge­löst. Den gan­zen Tag schon ha­be er schlim­me Rü­cken­schmer­zen ge­habt, so der 56-Jäh­ri­ge vor Ge­richt. Als er am Sams­tag­vor­mit­tag für ei­ne 50 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke drei St­un­den brauch­te, frag­te die Zen­tra­le be­reits be­sorgt nach.

Um 10.21 Uhr half der Mecha­ni­ker ei­nem Ver­kehrs­teil­neh­mer na­he Mon­heim. An­schlie­ßend – so um die Mit­tags­zeit – bog der Mann zwi­schen Mon­heim und Lie­der­berg von der Stra­ße ab und fuhr über ein­ein­halb Ki­lo­me­ter in den Wald hin­ein. Dort lan­de­te der Wa­gen rück­wärts im Gr­a­ben und blieb ste­cken. Di­s­po­nen­ten des Au­to­mo­bil­klubs konn­ten an­hand der GPS-Da­ten, die das Fahr­zeug sen­de­te, zwar den Ort un­ge­fähr ein­gren­zen, je­doch riss der Kon­takt zu dem Mit­ar­bei­ter ab. Zu­vor hat­te der 56-Jäh­ri­ge mit­ge­teilt, er kön­ne nicht mehr aus dem Au­to stei­gen, weil er so star­ke Schmer­zen ha­be. Zwei Team­lei­ter des Klubs, das Ro­te Kreuz und die Po­li­zei mach­ten sich auf die Su­che nach dem Mann, fan­den ihn an der ab­ge­le­ge­nen Stel­le aber erst um 15.25 Uhr, nach­dem sie ei­nen Tipp von ei­nem Rad­fah­rer und ei­nem Land­wirt be­kom­men hat­ten.

Zu die­sem Zeit­punkt war der Pan­nen­hel­fer stark be­trun­ken. Ein Al­ko­mat­test brach­te spä­ter ei­nen Wert von fast 2,7 Pro­mil­le. Der Mecha­ni­ker hat­te in der Zwi­schen­zeit nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­ne Fla­sche Wod­ka ge­leert. Der Mann re­agier­te auf die Hel­fer äu­ßerst ag­gres­siv. Er be­droh­te und be­lei­dig­te Kol­le­gen, Sa­ni­tä­ter und Po­li­zis­ten. Ei­ner der Ord­nungs­hü­ter konn­te ei­nem Ell­bo­gen­schlag ge­ra­de noch aus­wei­chen, ver­letz­te sich aber bei dem an­schlie­ßen­den Ger­an­gel leicht. Selbst auf der In­spek­ti­on in Donauwörth moch­te sich der Be­trun­ke­ne nicht be­ru­hi­gen. Der hat­te im Üb­ri­gen ver­bo­te­ner­wei­se ei­ne Schreck­schuss­pis­to­le im Wa­gen – „zum Selbst­schutz“.

Vor Ge­richt zeig­te sich der An­ge­klag­te reu­mü­tig. Er wis­se nichts mehr von sei­nen Es­ka­pa­den. Al­ler­dings be­stritt der An­ge­klag­te, schon wäh­rend der Tour Al­ko­hol ge­trun­ken zu ha­ben. Des­halb hat­te er auch Ein­spruch ge­gen ei­nen Straf­be­fehl ein­ge­legt. Vor Ge­richt ließ sich die Al­ko­hol­fahrt nicht nach­wei­sen. Rich­te­rin Andrea Ei­sen­barth re­du­zier­te die Geld­stra­fe auf 90 Ta­ges­sät­ze zu je 40 Eu­ro (3600 Eu­ro). Der bis da­hin völ­lig un­be­schol­te­ne Mann ha­be sich in ei­ner „per­sön­li­chen Aus­nah­me­si­tua­ti­on“be­fun­den.

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