Die Dra­ma-Queen

Por­trät Lind­sey Vonn ist die bes­te Ski­fah­re­rin al­ler Zei­ten. Da­mit will sich die Ame­ri­ka­ne­rin aber nicht zu­frie­den­ge­ben. Sie strebt nach dem ul­ti­ma­ti­ven Re­kord

Donauwoerther Zeitung - - Meinung & Dialog -

Dra­ma, Ba­by, Dra­ma: Wer das Le­ben der Lind­sey Vonn un­ter ein Mot­to stel­len müss­te, wür­de ver­mut­lich zu die­sem grei­fen. Denn oh­ne Dra­ma geht es nicht im Le­ben der Ski­renn­fah­re­rin – sei es im Sport oder sei es im Pri­vat­le­ben, an dem sich schon Heer­scha­ren von Klatsch­re­por­tern ab­ge­ar­bei­tet ha­ben. Da­bei bö­te al­lein der Blick auf Vonns Er­fol­ge ge­nü­gend Stoff für wun­der­ba­re Ge­schich­ten. Wie sie sich nach Ver­let­zun­gen im­mer wie­der zu­rück­kämpf­te. Jüngst zu be­ob­ach­ten beim Welt­cup in Gar­misch-Par­ten­kir­chen. Dort ge­wann sie Mit­te Ja­nu­ar die Ab­fahrt, nach­dem sie sich im No­vem­ber bei ei­nem Sturz den rech­ten Ober­arm ge­bro­chen und meh­re­re Ner­ven be­schä­digt hat­te.

Vonn wä­re aber nicht Vonn, hät­te sie nicht auch die­se Ge­schich­te ge­schickt ver­mark­tet. Auf ih­rer Face­book-Seite ver­öf­fent­lich­te sie ein Vi­deo, das ih­ren müh­sa­men Weg zu­rück auf die Pis­te do­ku­men­tiert. Zu se­hen ist dort, dass die 32-Jäh­ri­ge an­fangs nicht ein­mal ei­ne Kaf­fee­tas­se hal­ten konn­te. Der Rest der Ge­schich­te ver­läuft nach dem klas­si­schen Vonn-Mus­ter: har­te Ar­beit, Schweiß, ab und zu ein strah­len­des Lä­cheln in die Ka­me­ra, ein Schluck aus der Do­se des Haupt­spon­sors, noch mehr Trai­ning, Hap­py End.

Wä­re es nicht Vonn, man müss­te sich über die­se Dra­ma­ti­sie­rung är­gern. Die US-Ame­ri­ka­ne­rin aber un­ter­füt­tert die per­fekt or­ches­trier­te Ins­ze­nie­rung ih­res Le­bens mit un­glaub­li­chen Leis­tun­gen. Längst schon ist sie an der Ös­ter­rei­che­rin An­ne­ma­rie Mo­ser-Pröll vor­bei­ge­zo­gen, die mit 62 Welt­cup­sie­gen einst als un­ein­hol­bar galt. Vonn hat 77 Er­fol­ge auf dem Kon­to. In der WM-Kom­bi­na­ti­on, die heu­te in St. Mo­ritz ge­fah­ren wird, ist sie die Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin. Vor al­lem aber ist Vonn ei­ne Ge­trie­be­ne, denn sie strebt nach dem Re­kord der Re­kor­de: den 86 Welt­cup­sie­gen des le­gen­dä­ren In­ge­mar Sten­mark. In den 1970er und 1980er Jah­ren do­mi­nier­te der Schwe­de den al­pi­nen Renn­sport. Vonn will sei­ne Best­mar­ke. Mit al­ler Macht. Ge­gen al­le Wi­der­stän­de. Kreuz­band­ris­se, Kno­chen­brü­che, Trau­ma­ta – Vonn kehr­te im­mer zu­rück.

In ih­rer Hei­mat USA al­ler­dings, mach­te sie erst ihr schil­lern­des Pri­vat­le­ben zum Star, denn Ski­fah­ren wird dort nur bei Olym­pi­schen Spie­len von ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit wahr­ge­nom­men. Hilf­reich war dies­be­züg­lich vor al­lem die Li­ai­son mit Golf-Su­per­star Ti­ger Woods (2013 bis 2015). Zu­vor hat­te sie in ei­nem In­ter­view dar­über ge­spro­chen, an De­pres­sio­nen zu lei­den. Es folg­te ein frei­zü­gi­ges Fo­to­Shoo­ting als Sha­ron-Sto­ne-Dou­ble.

Vonn hat sich zu ei­ner Mar­ke ge­macht, mit der sich or­dent­lich Geld ver­die­nen lässt. In den USA ist die eben­so elo­quen­te wie gut aus­se­hen­de Sport­le­rin ein gern ge­se­he­ner Gast in Talk­shows. Spon­so­ren ste­hen Schlan­ge. En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res kam ihr Buch auf den Markt. Der Ti­tel: „Strong is The New Be­au­ti­ful“. Andre­as Kor­nes

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