Denk­mal mit düs­te­rer Zu­kunft

Bau­recht Nach wie vor gibt es kei­ne Lö­sun­gen für die Kro­ne in Oet­tin­gen, die in die­ser Wo­che schlie­ßen muss­te. Das Lan­des­amt für Denk­mal­schutz äu­ßert sich zu den Vor­wür­fen

Donauwoerther Zeitung - - Blick Ins Ries - VON VE­RE­NA MÖRZL

Oet­tin­gen Mit „Denk­mal­schutz kann töd­lich“sein wähl­te Ho­te­lier Ha­rald See­bau­er deut­li­che Wor­te, um sei­nem Är­ger Aus­druck zu ver­lei­hen. Ei­ne klei­ne An­zei­ge zier­te am Sams­tag die letz­te Seite der Rie­ser Nach­rich­ten zu­dem mit die­sem Satz: „His­to­ri­scher Gie­bel zwingt zur Ka­pi­tu­la­ti­on.“

Der Ei­gen­tü­mer des Ho­tels und Gast­hofs Kro­ne ent­lädt sei­ne Wut über das vor­über­ge­hen­de En­de sei­nes Be­triebs am Denk­mal­schutz. Doch im sel­ben Atem­zug will er die Be­hör­de an sich nicht an­grei­fen. Es sind viel­mehr die Auf­la­gen des Denk­mal­schut­zes.

Noch ein paar Sät­ze spä­ter zeigt sich der Ei­gen­tü­mer der Kro­ne, die am Mon­tag ge­schlos­sen wer­den muss­te, weil ein Gut­ach­ter be­fürch­te­te, dass der zur Stra­ße ge­rich­te­te Gie­bel ein­stür­zen könn­te, trotz sei­ner Wut ein­sich­tig: „Ich muss mich schon auch an mei­ner ei­ge­nen Na­se pa­cken. Hät­te ich ein­fach mal ge­sagt: ’Ich bin Koch, al­so bit­te zeigt mir jetzt, wie das geht’, dann sä­he die An­ge­le­gen­heit wo­mög­lich bes­ser aus.“

Ei­nen Re­no­vie­rungs- oder Fi­nan­zie­rungs­vor­schlag, gar ei­ne Auf­schlüs­se­lung der Kos­ten ei­ner Sa­nie­rung nach Richt­li­ni­en des Denk­mal­schut­zes, ha­be er nie er­hal­ten. Fi­nan­zi­ell sieht es nun auch des­halb düs­ter aus, weil für ei­ne mög­li­che Sa­nie­rung nun noch die Ein­nah­men des lau­fen­den Be­triebs weg­bre­chen wür­den, Alt­las­ten ge­be es noch da­zu.

Dem Ver­neh­men nach füh­len sich ei­ni­ge Denk­mal­schüt­zer und Per­so­nen mit ähn­li­chen Funk­tio­nen in der Re­gi­on we­gen der An­zei­gen an­ge­schwärzt. Im Land­rats­amt Do­nauRies, wo­zu auch die Un­te­re Denk­mal­schutz­be­hör­de ge­hört, will man sich al­ler­dings zu den Zei­tungs­an­zei­gen nicht äu­ßern. Spre­che­rin Ga­b­rie­le Ho­idn ver­weist al­ler­dings auf die Tat­sa­che, dass die durch­ge­führ­te Not­si­che­rung der Kro­ne nicht mit Denk­mal­schutz zu­sam­men­hängt, „son­dern ei­ne ganz nor­ma­le bau­recht­li­che Maß­nah­me dar­stellt“.

See­bau­er sagt, es ha­be in der Ver­gan­gen­heit meh­re­re Ge­sprä­che mit Denk­mal­ar­chi­tek­ten und Zim­mer­meis­tern ge­ge­ben, nach de­nen er „Hoff­nung und neu­en Mut“ge­fasst ha­be, ei­nen Kom­pro­miss für die Sa­nie­rung zu fin­den, die fi­nan­zi­ell zu stem­men sei. Doch ir­gend­wie, so ver­mu­tet er, ha­ben er, die Stadt so­wie das Land­rats­amt an­ein­an­der vor­bei ge­re­det, so­dass bis zum Tag der Zwangs­schlie­ßung kei­ne Lö­sung ge­fun­den wer­den konn­te.

Grund­sätz­lich ist es so. Nach An­ga­ben des baye­ri­schen Lan­des­amts für Denk­mal­schutz müs­sen bei Ve­rän­de­run­gen die „his­to­ri­schen Be­son­der­hei­ten des Ge­bäu­des be­wahrt wer­den“. Spre­che­rin Do­ro­thee Ott sag­te, dass es vom Ein­zel­fall ab­hän­ge, wel­che Auf­la­gen ein Ei­gen­tü­mer zu be­ach­ten hät­te. Doch in je­dem Fall müs­se bei Ar­bei­ten ei­ne „denk­mal­recht­li­che Er­laub­nis bei der Un­te­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de im Land­rats­amt be­an­tragt wer­den. Be­vor et­was ge­neh­migt wer­de, wür­den wei­te­re Ex­per­ten be­fragt.

Denk­mä­ler sind laut Denk­mal­schutz­ge­setz „von Men­schen ge­schaf­fe­ne Sa­chen oder Tei­le da­von aus ver­gan­ge­ner Zeit, de­ren Er­hal­tung we­gen ih­rer ge­schicht­li­chen, künst­le­ri­schen, städ­te­bau­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen oder volks­kund­li­chen Be­deu­tung im In­ter­es­se der All­ge­mein­heit liegt“. Der Ein­trag des Gast­hofs in die Denk­mal­lis­te lau­tet: „Gast­hof, drei­ge­schos­si­ger Sat­tel­dach­bau mit vor­kra­gen­den Ober- und Gie­bel­ge­schos­sen in Fach­werk, aus dem Jahr 1424 soll das ver­bau­te Holz stam­men, rück­sei­tig an­ge­bau­ter, erd­ge­schos­si­ger Saal­bau mit weit­ge­spann­tem Trag­werk nach Fried­rich Zol­lin­ger, vor­ge­blen­de­tem Trep­pen­gie­bel und Dach­rei­ter, um 1920/30.“

Der Gie­bel der Kro­ne gibt laut Lan­des­amt für Denk­mal­schutz „An­lass zur Sor­ge“. Grund für das Ein­stel­len des Gast­stät­ten­be­triebs sei aber nicht, dass das Ge­bäu­de ein Denk­mal sei, son­dern die „lan­ge be­kann­ten sta­ti­schen Pro­ble­me am Gie­bel des Hau­ses. Am Mitt­woch hat See­bau­er er­neut ei­ne An­zei­ge ge­schal­tet, dies­mal, über­schrie­ben mit dem Wort „Nach­ruf“. Dar­un­ter ist das Kro­ne-Team zu se­hen, das nach ei­ge­nen An­ga­ben um sein „historisches Ho­tel“trau­ert. Die Be­tei­lig­ten sind nach wie vor auf der Su­che nach „für al­le Sei­ten trag­ba­rer Lö­sung, um ein „ein­zig­ar­ti­ges Ho­tel zu ret­ten“.

Fo­to: Ve­re­na Mörzl

Das Dach der Oet­tin­ger Kro­ne: Hin­ten ragt der Gie­bel, der zur Kö­nigs­stra­ße zeigt, in die Hö­he. Ein Gut­ach­ter hat die­sen als nicht mehr si­cher ein­ge­stuft. Am Mon­tag muss­te See­bau­er sei­ne Kro­ne des­halb schlie­ßen.

Ha­rald See­bau­er

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