Ab­schie­ben oder be­hal­ten?

Donauwoerther Zeitung - - Politik -

Als Er­folg lässt sich das wohl kaum ver­kau­fen: Statt der an­ge­kün­dig­ten 50 Per­so­nen be­fan­den sich am Mitt­woch­abend in dem Flug­zeug, das ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber von Mün­chen aus nach Af­gha­nis­tan brach­te, ge­ra­de ein­mal 18 Män­ner. An­de­rer­seits: Wenn man hört, was man­chem zwangs­wei­se Ab­ge­scho­be­nen in sei­ner Hei­mat blüht, kann man je­dem nur gra­tu­lie­ren, der nicht in der Ma­schi­ne saß.

Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan sind hoch um­strit­ten, spä­tes­tens seit ein aus Bay­ern nach Ka­bul zu­rück­ge­brach­ter 23-Jäh­ri­ger bei ei­nem Bom­ben­an­schlag ver­letzt wur­de. Im Fal­le von Straf­tä­tern und In­te­gra­ti­ons­ver­wei­ge­rern ist die zwangs­wei­se Ab­schie­bung zwei­fel­los an­ge­bracht. Aber es ist un­ver­nünf­tig und rück­sichts­los, an je­nen seit Jah­ren gut in­te­grier­ten Af­gha­nen ein Ex­em­pel zu sta­tu­ie­ren, die Deutsch spre­chen und ei­nen Be­ruf aus­üben. Sol­che Leu­te soll­te man als Ein­wan­de­rer be­han­deln – und be­hal­ten.

Rück­kehr oh­ne Zwang ist ein an­de­res The­ma. Es gibt in der Tat Af­gha­nen, die für sich in der Hei­mat ei­ne neue Start­chan­ce se­hen. Oft ha­ben sie Fa­mi­lie vor Ort und brin­gen mög­li­cher­wei­se ei­ne Ge­schäfts­idee mit. Das sind laut Sta­tis­tik so­gar deut­lich mehr Per­so­nen als die­je­ni­gen, die zwangs­wei­se ab­ge­scho­ben wur­den. Die frei­wil­li­ge Rück­kehr zu er­leich­tern, das ist ver­dienst­voll.

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