Die Vi­si­on ei­nes Trak­to­ren Her­stel­lers

Agrar Das All­gäu­er Un­ter­neh­men Fendt sieht ei­ne po­si­ti­ve Stim­mung auf dem Schlep­per-Markt. Die Fir­ma setzt dar­auf, dass im Jahr 2020 in Markt­ober­dorf 20 000 Trak­to­ren vom Band rol­len

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft - VON DIRK AM­BROSCH

Markt­ober­dorf Na­tür­lich weiß Pe­ter-Jo­sef Paf­fen, dass sich 20 000 Trak­to­ren nicht schwupp­di­wupp ver­kau­fen las­sen. 20 000 in ei­nem Jahr – das hat der Markt­ober­dor­fer Trak­to­ren­her­stel­ler AGCO/Fendt in sei­ner lan­gen Ge­schich­te noch nie ge­schafft. Doch Fendt-Chef Paf­fen fin­det ei­nen Hei­den­spaß dar­an, zu er­klä­ren, vor­zu­rech­nen und es so aus­se­hen zu las­sen, als wä­re es das Al­ler­leich­tes­te von der Welt: 20000 Trak­to­ren im Jahr 2020. Die ei­gent­li­che Bot­schaft ist ei­ne an­de­re. Und die will Paf­fen los­wer­den: Es geht wie­der auf­wärts.

Die Kri­se in der Land­wirt­schaft hat­te Fendt in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren aus­ge­bremst. Kein Fendt-Pro­blem, son­dern ein Um­stand, mit dem die gan­ze Land­tech­nik-Bran­che zu kämp­fen hat­te. Die Prei­se für Milch, Fleisch und Ge­trei­de wa­ren deut­lich ab­ge­sackt. Für die Land­wir­te be­deu­te­te dies: we­ni­ger Geld in der Ta­sche. In­ves­ti­tio­nen wur­den hint­an­ge­stellt.

Doch die­se Zei­ten könn­ten nach Ein­schät­zung von Paf­fen, Vor­sit­zen­der der AGCO/Fendt-Ge­schäfts­füh­rung, nun vor­bei sein. „Der Markt be­lebt sich frü­her als ge­dacht“, sagt Paf­fen und be­zieht sich auf ei­ne mo­nat­li­che Um­fra­ge un­ter 140 Land­tech­nik-Her­stel­lern in Eu­ro­pa. Seit sie­ben Mo­na­ten zeigt das Stim­mungs­ba­ro­me­ter nach oben. „Wir be­we­gen uns von Auf­schwung in Rich­tung Boom­pha­se“, sagt Paf­fen. Fendt spürt dies am Auf­trags­ein­gang: Für das ers­te Quar­tal sind die Bü­cher voll. Bei ei­ni­gen Mo­del­len – dar­un­ter dem neu­en Flagg­schiff Va­rio 1000 – rei­chen die Be­stel­lun­gen bis zu den Som­mer­fe­ri­en. Weil der­zeit noch nicht klar ist, wie nach­hal­tig der Auf­schwung ist, plant Fendt vor­sich­tig: Rund 13 700 Trak­to­ren sol­len in die­sem Jahr vom Band rol­len – das ent­spricht dem Vor­jah­res­ni­veau. Gleich­wohl gibt sich Paf­fen op­ti­mis­tisch: „Wir ha­ben ei­ne fai­re Chan­ce, die­se Plan­zahl zu über­tref­fen.“Die Mit­ar­bei­ter­zahl soll im Jahr 2017 sta­bil bei rund 3900 (für die Wer­ke in Markt­ober­dorf und Bäu­men­heim) ge­hal­ten wer­den.

Fendt sei „ganz klar auf Wachs­tums­kurs“aus­ge­rich­tet, sagt Paf­fen. Um die­ses Ziel zu er­rei­chen, will Fendt un­ter an­de­rem das Händ­ler­netz­werk stär­ken, in­dem das Un­ter­neh­men ein Voll­sor­ti­ment an­bie­tet. Als „Full-Li­ne-An­bie­ter“, wie das im Ma­nage­ment­jar­gon heißt, deckt das Un­ter­neh­men sämt­li­che Markt­seg­men­te ab: ne­ben Trak­to­ren, Mäh­dre­schern, Häcks­lern oder Bal­len­pres­sen auch ein breit an­ge­leg­tes Fut­ter­ern­te­pro­gramm. Im No­vem­ber will Fendt auf der Mes­se Agri­tech­ni­ca in Han­no­ver ei­ne kom­plett neue Mäh­dre­scher-Platt­form vor­stel­len. Zum Wachs­tum bei­tra­gen soll zu­dem der größ­te Stan­dard­schlep­per der Welt, der Va­rio 1000. Nach Darstel­lung von Paf­fen ist die Nach­fra­ge groß. Ei­nen Ab­satz von 500 Stück peilt Fendt für 2017 an. Ein Teil da­von geht nach Nord­ame­ri­ka, wo der Rie­sen-Trak­tor un­ter der AGCO-Mar­ke Chal­len­ger ver­trie­ben wird – nicht in fendt­grün, son­dern mit gel­ber La­ckie­rung.

Über­haupt der Ex­port. Frank­reich ist mit ei­nem An­teil von über 20 Pro­zent nach wie vor der größ­te Ab­satz­markt au­ßer­halb Deutsch­lands (35,6 Pro­zent). Der Markt­an­teil im Nach­bar­land liegt bei zwölf Pro­zent. „Der höchs­te Wert in der Ge­schich­te“, sagt Paf­fen.

Als Wachs­tums­markt wird im Un­ter­neh­men Nord­ame­ri­ka ein­ge­schätzt, wohin Fendt der­zeit jähr­lich 400 bis 500 Trak­to­ren ver­kauft. Der neue US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat je­doch für deut­sche Pro­duk­te Straf­zöl­le an­ge­droht. Wie be­wer­ten Fendt-Ma­na­ger der­ar­ti­ge An­kün­di­gun­gen? „Man­che Aus­sa­gen von Trump sind zum jet­zi­gen Zeit­punkt schwer ein­zu­ord­nen. Wir be­ob­ach­ten das Gan­ze ge­las­sen, aber auf­merk­sam und war­ten ab, wie sich die Rah­men­be­din­gun­gen ver­än­dern“, sagt Paf­fen. Gleich­wohl sei Fendt mit sei­nem welt­wei­ten Pro­duk­ti­ons­netz „für al­le Va­ri­an­ten“gut auf­ge­stellt. Zu­dem ver­weist Paf­fen auf die aus­ge­wo­ge­ne Han­dels­bi­lanz des Un­ter­neh­mens mit den USA. Und nicht zu ver­ges­sen: „Wir sind ja ei­gent­lich selbst Ame­ri­ka­ner.“Schließ­lich ist der Fendt-Mut­ter­kon­zern AGCO im ame­ri­ka­ni­schen Du­luth (Geor­gia) be­hei­ma­tet.

Bleibt noch die Sa­che mit den 20 000 Trak­to­ren. Die Vi­si­on ist Kern des „Pro­jekts 2020“, in dem Fendt sei­ne Wachs­tums­stra­te­gie fest­schreibt. Es ist ein ehr­gei­zi­ges Ziel, das Fendt ver­folgt, wenn man be­denkt, dass der bis­he­ri­ge Ab­satz­re­kord des Un­ter­neh­mens aus dem Jahr 2013 bei knapp 18000 Schlep­pern

Die Bü­cher sind schon voll Un­ter­neh­men setzt auf an­zie­hen­de Märk­te

liegt. Und nur drei Jah­re blei­ben Zeit, um die Ver­kaufs­zah­len von jetzt (13700) um über 6000 Trak­to­ren zu stei­gern. Paf­fen hält das den­noch für mach­bar.

Al­ler­dings müs­sen fol­gen­de An­nah­men des Ma­na­gers ein­tre­ten: Der Ge­samt­markt in Eu­ro­pa er­holt sich wie­der auf ein „nor­ma­les Ni­veau“und es wer­den wie zur Boom­pha­se in den Jah­ren 2011 bis 2013 eu­ro­pa­weit über 180000 Schlep­per ab­ge­setzt. Gleich­zei­tig müss­te es Fendt ge­lin­gen, sei­nen Markt­an­teil um ei­nen Pro­zent­punkt auf rund zehn Pro­zent zu stei­gern. Das al­lein macht in Paf­fens Rech­nung 18000 ver­kauf­te Fendt-Trak­to­ren. Und ver­dop­pelt Fendt die Stück­zah­len in Nord­ame­ri­ka so­wie den Märk­ten in Aus­tra­li­en, Asi­en und Afri­ka von je­weils 500 auf 1000 – dann steht die Zahl 20000. „Und in die­ser Kal­ku­la­ti­on sind Russ­land, Chi­na oder Bra­si­li­en noch gar nicht in den Fo­kus ge­nom­men“, sagt Paf­fen.

Wie er das vor­rech­net, Dia­gram­me zeigt, Auf­wärts­pfei­le aufs Pa­pier setzt, hat das et­was Spie­le­ri­sches, Leich­tes. Dass dem nicht so ist, weiß Paf­fen. Es ist ei­ne Vi­si­on. „Ein­fach wird das nicht, aber es ist durch­aus rea­lis­tisch“, sagt der Fendt-Chef.

Fo­to: Andre­as Mohr, AGCO/Fendt

Der Markt be­lebt sich und der All­gäu­er Trak­to­ren­her­stel­ler AGCO/Fendt ver­folgt ei­ne Wachs­tums­stra­te­gie.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.