Ver­trau­te Geg­ner

Cham­pi­ons Le­ague Zu­sam­men wur­den Sa­mi Khe­di­ra und To­ni Kroos Welt­meis­ter. Im Finale am Sams­tag kann nur ei­ner ge­win­nen. Über das Du­ell zwei­er un­ter­schied­li­cher Per­sön­lich­kei­ten

Donauwoerther Zeitung - - Sport -

Cardiff Die Welt­meis­ter To­ni Kroos und Sa­mi Khe­di­ra sor­gen bei ih­rem Stra­te­gen-Gip­fel für ein Cham­pi­ons-Le­ague-No­vum. Zum ers­ten Mal in der glor­rei­chen Kö­nigs­klas­sen-Ge­schich­te kämp­fen heu­te zwei deut­sche Stars mit aus­län­di­schen Fi­na­lis­ten um Eu­ro­pas Fuß­ball­kro­ne. 20.45 Uhr/ZDF und Sky)

Der letzt­jäh­ri­ge Ge­win­ner Kroos will als Ti­tel­ver­tei­di­ger mit Re­al den Hen­kel­pott zum ins­ge­samt drit­ten Mal in den Nacht­him­mel re­cken. Khe­di­ra hin­ge­gen peilt sei­nen zwei­ten Er­folg an. Nach dem Tri­umph mit Re­al im Jahr 2014 strebt der 30-Jäh­ri­ge nun mit Ju­ven­tus Tu­rin den be­gehr­tes­ten Ver­ein­s­ti­tel an. Die bei­den sor­gen beim Fi­nal-Spek­ta­kel in Cardiff auch da­für, dass Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw be­son­ders ge­nau hin­schaut. Bei­de sind für die WM in ei­nem Jahr fes­te Grö­ßen, beim Con­fed Cup be­kom­men sie ei­ne Ver­schnauf­pau­se. Der 76-ma­li­ge Na­tio­nal­spie­ler Kroos und der 70-ma­li­ge Aus­wahl­spie­ler Khe­di­ra sind aber nicht nur bei Löw Stüt­zen: Bei­de über­neh­men auch tra­gen­de Rol­len in ih­ren Ver­eins­mann­schaf­ten. Beim Stre­ben nach Ba­lan­ce auf dem Spiel­feld füh­ren sie ih­re Stra­te­gen-Auf­ga­ben mit un­ter­schied­li­chen Schwer­punk­ten aus.

Re­al-Star Kroos be­vor­zugt die of­fen­si­ve­re Rol­le und ist als „Herr der Stan­dards“, wie er in Spa­ni­en ge­rühmt wird, ge­fähr­li­cher Vor­be­rei­ter. Der bes­tens do­tier­te Ver­trag bis 2022 macht den Mann mit der ho­hen Pass­ge­nau­ig­keit zu ei­nem Groß­ver­die­ner im Welt­fuß­ball. 2014 wech­sel­te Kroos ein Jahr nach dem Cham­pi­ons-Le­ague-Sieg mit dem FC Bay­ern zu den Kö­nig­li­chen. Über ei­nen neu­en Ver­trag in Mün­chen wur­de sei­ner­zeit kei­ne Ei­nig­keit er­zielt. „Wir al­le lie­ben ihn“, schwärm­te Ma­drids Coach Zi­ne­di­ne Zi­da­ne. „Er ist au­ßer­ge­wöhn­lich, beid­fü­ßig und ein un­glaub­lich in­tel­li­gen­ter Spie­ler.“Da­mals war Khe­di­ra schon vier Jah­re bei Re­al. An­ders als Ball­ver­tei­ler und Edel­tech­ni­ker Kroos ver­kör­pert der frü­he­re Stutt­gar­ter klas­si­sche deut­sche Tu­gen­den: Wil­len und Ein­satz, da­zu be­sticht er mit ei­ner un­ge­heu­ren Dy­na­mik.

Khe­di­ra, der me­di­al schon als macht­vol­ler „Je­di-Rit­ter oh­ne La­ser-Schwert“ge­prie­sen wur­de, ist da­bei noch mehr als Kroos auf Ab­si­che­rung be­dacht. Wie wich­tig Khe­di­ra wirk­lich ist, merkt man im­mer erst dann, wenn er drau­ßen ist. „Na­tür­lich wol­len al­le lie­ber Tricks und To­re se­hen. Ich auch“, sag­te Khe­di­ra. „Nur: Mit elf Dy­ba­las wür­de man wahr­schein­lich ge­gen den Ab­stieg spie­len. Die Mi­schung macht’s.“Pau­lo Dy­ba­la ist Ju­ves Ver­ant­wort­li­cher für die be­son­de­ren Mo­men­te.

Khe­di­ra wur­de in sei­nen fünf Jah­ren in Ma­drid oh­ne den Spek­ta­kelFak­tor im Spiel kri­tisch ge­se­hen. Sei­ne Fä­hig­kei­ten als Sta­bi­li­sa­tor wer­den in Ita­li­en hö­her ge­schätzt. Trai­ner Mas­si­mi­lia­no Al­le­gri braucht sei­nen „stil­len An­füh­rer“, der noch ei­nen Ver­trag bis 2019 hat. „Als man da­mals un­ter Kum­pels kick­te und vor dem Be­ginn die Wahl ge­wann, hät­te ich Sa­mi im­mer als ers­ten Spie­ler für mein Team ge­wählt“, um­schrieb Tor­wart­le­gen­de Gi­an­lu­i­gi Buf­fon im Ki­cker Khe­di­ras Stel­len­wert. Pri­vat hat sich der 30-Jäh­ri­ge seit der Tren­nung von Mo­del Le­na Gercke aus dem Fo­kus der Öf­fent­lich­keit zu­rück­ge­zo­gen. Auch von Kroos sieht man we­nig Pri­va­tes, wenn­gleich der schon mal wie beim Vier­tel­fi­nal-Er­folg über den FC Bay­ern mit dem Söhn­chen durch die In­ter­view­zo­ne düst.

Der Fan der deut­schen Pop-Band Pur tritt im Ge­gen­satz zu Khe­di­ra aber et­wa als Ga­la-Ver­an­stal­ter für sei­ne Stif­tung auch im grö­ße­ren Rah­men auf. Kroos und Khe­di­ra sind Mus­ter­bei­spie­le da­für, dass deut­sche Stars auch ab­seits des FC Bay­ern vie­le Ti­tel ge­win­nen kön­nen und in­ter­na­tio­nal ho­he Wert­schät­zung ge­nie­ßen.

„Kroos ist im Spiel von Re­al wie ein Mo­tor“, rühm­te et­wa der Spa­nier Xa­vi, der vier­mal mit dem FC Bar­ce­lo­na die Cham­pi­ons Le­ague ge­wann. „Khe­di­ra ist ein stil­ler Ar­bei­ter“, sag­te der 37-Jäh­ri­ge. „Kei­nen Fa­vo­ri­ten“sieht der nun ehe­ma­li­ge Pro­fi Phil­ipp Lahm beim Zwei­kampf der lang­jäh­ri­gen Kol­le­gen: „Es gibt nicht mehr die Du­el­le, die es frü­her mal gab, in de­nen der ei­ne dem an­de­ren 90 Mi­nu­ten hin­ter­her­läuft und ihn aus­schal­ten muss. Des­halb gibt es auch nicht das Eins-zu-eins-Du­ell zwi­schen To­ni und Sa­mi.“Doch be­son­ders ist die­ses Kräf­te­mes­sen al­le­mal.

Fo­to: Ima­go

In der Na­tio­nal­mann­schaft or­ga­ni­sie­ren Sa­mi Khe­di­ra und To­ni Kroos zu­sam­men das Spiel ih­res Teams. Heu­te tref­fen sie im Finale der Cham­pi­ons Le­ague auf­ein­an­der. Bei­de neh­men in ih­ren Mann­schaf­ten ent­schei­den­de Rol­len ein.

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