Um­strit­te­ne Part­ner am Geo­park Tisch

Gas­tro­no­mie Beim Pro­jekt „Geo­park Ries ku­li­na­risch“wer­den re­gio­na­le Le­bens­mit­tel ge­för­dert. Nicht al­len Part­nern ge­fällt, dass der ex­klu­si­ve Mit­glie­der­kreis er­wei­tert wird

Donauwoerther Zeitung - - Donauwörth - VON RE­NÉ LAU­ER

Land­kreis Wer das Lo­go des Geo­park Ries auf sei­ne Spei­se­kar­te dru­cken will, hat ei­ni­ge Kri­te­ri­en zu er­fül­len. Zu­nächst ein­mal muss er zum ex­klu­si­ven Kreis des „Geo­park Ries ku­li­na­risch“ge­hö­ren. 16 Be­trie­be zäh­len mo­men­tan da­zu, ver­pflich­ten sich nach ei­nem Eh­ren­ko­dex zu na­tur­be­las­se­ner Kü­che, zu vor­wie­gen­der Ver­wen­dung von Le­bens­mit­teln aus der Re­gi­on und zu ei­ner stren­gen Selbst­kon­trol­le, wie es in dem Schrift­werk heißt.

Gün­ther Zwer­ger, Ge­schäfts­füh­rer von „Geo­park Ries ku­li­na­risch“, sagt: „Bei den Kun­den kommt das sehr gut an.“Im­mer mehr Men­schen wür­den be­wusst auf Qua­li­tät ach­ten und die­se über den Preis stel­len. Mit­hil­fe des Pro­jekts sol­le ge­zeigt wer­den, dass es sich loh­ne, Pro­duk­te aus der Re­gi­on zu kau­fen. Zwer­ger freut sich, dass er dem Kreis­aus­schuss des Land­krei­ses Do­nau-Ries kürz­lich drei neue An­wär­ter für „Geo­park Ries ku­li­na­risch“prä­sen­tie­ren konn­te. Das Nörd­lin­ger Ca­fé Sa­moc­ca, das Li­te­ra­tur­ca­fé Nörd­lin­gen-Hol­heim und die Stif- St. Jo­han­nes in Marx­heimSchweins­point wur­den, nach­dem kei­ner der Kreis­rä­te et­was da­ge­gen hat­te, in den Kreis der Mit­glie­der auf­ge­nom­men.

Wirk­lich glück­lich dar­über sind aber nicht al­le Gas­tro­no­men, die dem Pro­jekt be­reits an­ge­hö­ren. Erich Stel­zig, Be­trei­ber des Ro­ten Och­sen in Nörd­lin­gen, fin­det et­wa, dass die Richt­li­ni­en des „Geo­park Ries ku­li­na­risch“im­mer wei­ter ver­wäs­sern. „Vie­le wol­len nur da­bei sein, um sich das Lo­go auf die Kar­te dru­cken zu dür­fen, aber sie in­ter­es­sie­ren sich nicht für den Geo­park“, klagt Stel­zig. Denn wer da­zu­ge­hört, wür­de vom Mar­ke­ting durch­aus pro­fi­tie­ren. Das be­stä­tigt auch Gün­ther Zwer­ger. „Man­che Un­ter­neh­men be­rich­ten gar von 40 Pro­zent mehr Um­satz, seit­dem sie da­bei sind, an­de­re mer­ken kaum ei­nen Un­ter­schied. Das hängt je­doch auch da­von ab, wie en­ga­giert man da­bei ist und das nutzt.“

Wenn es nach Erich Stel­zig geht, wür­den sich vie­le Mit­glie­der zu we­nig Mü­he ge­ben. „Ich le­be den Geo­park, aber das kann man nicht von al­len be­haup­ten“, sagt der Chef des Ro­ten Och­sen. Zu der Über­zeu­gung ge­hö­re, bei der Aus­wahl der re­gio­na­len Pro­duk­te be­son­ders auf­merk­sam zu sein. Und wenn es gera­de nicht al­le Zu­ta­ten für ein Ge­richt aus dem Ries ge­be, es dann eben nicht an­zu­bie­ten. „Das kön­nen aber nur klei­ne­re Be­trie­be leis­ten, in Mas­sen­pro­duk­ti­on geht das nicht“, meint Stel­zig.

In­ner­halb der Mit­glie­der von „Geo­park Ries ku­li­na­risch“wür­den die An­sich­ten über die Aus­rich­tung ein we­nig aus­ein­an­der­ge­hen, gibt Zwer­ger zu. „Ei­ni­ge we­ni­ge wol­len bei den an­ge­bo­te­nen Wa­ren hun­dert Pro­zent Re­gio­na­li­tät, die an­de­ren sa­gen, das kön­nen sie nicht leis­ten. Man­che nen­nen das exis­tenz­ge­fähr­dend.“Des­halb ha­be man sich auf ei­nen Min­dest­stan­dard ge­ei­nigt. So dür­fen bei­spiels­wei­se nur Ge­rich­te, die aus­schließ­lich aus re­gio­na­len Zu­ta­ten und oh­ne Ge­schmacks­ver­stär­ker oder sons­ti­ge Zu­sät­ze her­ge­stellt wer­den, mit dem Lo­go des Geo­park Ries in der Spei­se­kar­te ver­se­hen wer­den.

Die Kri­tik an der Auf­nah­me der neu­en Mit­glie­der kann Ru­di Sie­gel vom Ca­fé Sa­moc­ca nicht nach­voll­tung zie­hen. „Wir sind seit Jah­ren mit dem Geo­park auf der afa und sind der re­gio­nals­te Kaf­fee­an­bie­ter, den es gibt. Wir rös­ten hier im Ries.“Dass Kaf­fee nur ent­lang des Äqua­tors wach­se, da­ge­gen kön­ne man ja nichts ma­chen. Das Sa­moc­ca sei au­ßer­dem auch nur als Pro­du­zent Mit­glied und nicht als Gast­stät­te. Die Stif­tung Sankt Jo­han­nes woll­te sich auf Nach­fra­ge die­ser Zei­tung zu der Kri­tik des Nörd­lin­ger Wir­tes nicht äu­ßern.

Zwer­ger sieht für das Pro­jekt „Geo­park Ries ku­li­na­risch“Po­ten­zi­al, mit zu­sätz­li­chen ge­eig­ne­ten Part­nern wei­ter zu wach­sen. „Die Nach­fra­ge bei den Kun­den ist da.“Stel­zig hin­ge­gen for­dert, sich lie­ber mit ei­nem klei­ne­ren Mit­glie­der­kreis auf mehr Qua­li­tät und strik­te­re Richt­li­ni­en zu kon­zen­trie­ren. Ein Pro­blem, das die­ses Un­ter­fan­gen er­schwe­re, sei je­doch, dass es in der Re­gi­on im­mer we­ni­ger hoch­wer­ti­ge Le­bens­mit­tel im An­ge­bot ge­be, so Stel­zig. „Es ist be­dau­er­lich, dass so vie­le Land­wir­te nur noch Mais an­bau­en.“Das schrän­ke die Gas­tro­no­men ein, die re­gio­na­le Spe­zia­li­tä­ten an­bie­ten wol­len. »Kommentar

Fo­to: Geo­park Ries

Wer beim „Geo­park Ries ku­li­na­risch“den Tisch de­cken möch­te, muss stren­ge Re­geln er­fül­len. Aus Nörd­lin­gen wer­den kri­ti­sche Stim­men laut, weil zwei Ca­fés und die Stif­tung Sankt Jo­han­nes bei­ge­tre­ten sind.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.