Ein biss­chen ver­fres­sen und ei­gen

Tie­re In Mon­heim hat sich ein All­gäu­er ei­nen lang ge­heg­ten Traum ver­wirk­licht und ei­nen Zie­gen­hof auf­ge­baut. Dort stellt er Kä­se her – und steht ganz ent­spannt im Stall

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis - VON EVA MÜNSINGER

Mon­heim Ha­gen­buch Wal­traud, Gi­se­la und ih­re Schwes­tern dür­fen raus ins Grü­ne. Sie ren­nen und sprin­gen vor Freu­de. Wal­traud und Gi­se­la sind rich­ti­ge Gla­mour­girls und – Zie­gen! Mit 38 Art­ge­nos­sin­nen und 40 jun­gen Zick­lein le­ben die bei­den seit Kur­zem in Ha­gen­buch bei Mon­heim im Zie­gen­hof. Ihr Chef ist Her­bert Sum­mer, ein ech­ter All­gäu­er.

Die Zie­gen ha­ben ei­nen 200 Jah­re al­ten Stamm­baum und stam­men aus Tog­gen­burg bei St. Gallen. Sie sind dem Men­schen sehr zu­ge­tan und freund­lich zu­ein­an­der. Und doch hat je­de Zie­ge ih­ren ei­ge­nen Cha­rak­ter, wie Her­bert Sum­mer lä­chelnd fest­stellt. Fla­via, die wei­ße Di­va, um­schmei­chelt ih­ren Herrn ger­ne und ver­tei­digt ih­re Po­si­ti­on ei­fer­süch­tig.

Sum­mer liebt sei­ne Zie­gen we­gen ih­rer Di­rekt­heit, ih­rer Ener­gie und Na­tür­lich­keit. „Zie­gen le­ben die pu­re Freu­de am Le­ben. Für sie gibt es nur ein Hier und Jetzt.“Ein Vor­bild für uns Men­schen? Ei­nes ist si­cher, al­lein das Zu­schau­en ent­spannt und ent­schleu­nigt. Und mal aus pu­rer Freu­de zu sprin­gen, wä­re doch auch ganz schön.

Seit 2009 lebt der 63-Jäh­ri­ge in Mon­heim sein Hob­by. Da­vor war er ein viel be­schäf­tig­ter Ma­na­ger bei Hoch­land. Die be­kann­te All­gäu­er Mol­ke­rei wur­de von sei­nem Groß­va­ter, Ge­org Sum­mer, 1933 ge­grün­det. „Die Land­wirt­schaft hat mich schon als klei­ner Bub in­ter­es­siert“, sagt der ge­lern­te Mol­ke­rei­fach­wirt, der zu­vor BWL stu­diert hat. 2008 stieg Her­bert Sum­mer aus dem Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men aus.

Zum Ab­schied schenk­ten ihm die Mit­ar­bei­ter zwei Zie­gen und ein Buch – der Grund­stein für ei­ne neue Lei­den­schaft. Kon­se­quent, wie Sum­mer ist, be­such­te er Deutsch­lands ein­zi­ge „Zie­gen­schu­le“in Kle­ve und ab­sol­vier­te ei­ne land­wirt­schaft­li­che Aus­bil­dung. 2009 be­gann er im All­gäu mit der Zie­gen­zucht. Sei­ne Frau und sei­ne drei Kin­der un­ter­stüt­zen ihn. Als er für Hoch­land in den 90er-Jah­ren ei­ne Fir­ma in Frank­reich auf­bau­te, war Sum­mer ganz be­geis­tert von der Land­schaft an der Maas. „Frank­reich war mei­ner Fa­mi­lie aber zu weit weg. Des­halb hab ich in Süd­deutsch­land et­was Ähn­li­ches ge­sucht“, er­klärt er.

Und das fand er in Mon­heim. Auf­grund ei­ner An­non­ce be­sich­tig­te Sum­mer ei­nen Bau­ern­hof in Ha­gen­buch. Die Mon­hei­mer Alb mit ih­ren Hü­geln, Klein­fel­dern, He­cken, Bäu­men, viel un­be­rühr­ter Na­tur und ei­ner gro­ßen Viel­falt, über­zeug­ten den 63-Jäh­ri­gen. Er kauf­te den idyl­lisch an zwei Wei­hern ge­le­ge­nen Hof und bau­te ihn zu ei­nem mo­der­nen Zie­gen­hof um. Die Zie­gen ha­ben viel Aus­lauf und ei­nen Stall, der al­le An­for­de­run­gen mo­der­ner Zie­gen­hal­tung er­füllt. Es gibt ei­nen Hof­la­den, in dem er Zie­gen­kä­se ver­schie­de­ner Art ver­kauft, und ei­nen Se­mi­nar­raum. In der dor­ti­gen Kä­se­schu­le ler­nen In­ter­es­sier­te Wich­ti­ges über die Zie­gen­hal­tung, dür­fen ih­ren ei­ge­nen Zie­gen­kä­se her­stel­len und mit nach Hau­se neh­men.

Ein gro­ßes An­lie­gen ist Sum­mer, den Men­schen die Na­tur nä­her­zu­brin­gen und ein rea­lis­ti­sches Na­tur­be­wusst­sein zu ent­wi­ckeln. Un­ter die­sem Mot­to ste­hen auch ge­plan­te Ver­an­stal­tun­gen wie Streu­obst­wie­sen­ta­ge, Hof­fes­te und vie­les mehr.

Der All­gäu­er liebt sei­ne neue Hei­mat und vor al­lem sei­ne Zie­gen. „Wenn ich in den Stall ge­he, füh­le ich mich wohl“, sagt er. Die Zie­gen sind wie klei­ne Kin­der, im­mer wie­der gä­be es Über­ra­schun­gen. „Sie sind faul, ver­fres­sen, fut­ter­nei­disch, ei­fer­süch­tig, aber auch wah­re Le­bens­künst­ler, denn sie neh­men das Le­ben, wie es ist.“(dz)

Info: Der Hof­la­den ist Frei­tag von 16 19 Uhr und Sams­tag von 9 13 Uhr ge öff­net. Am Sonn­tag, 18. Ju­ni, fin­det von 14

18 Uhr ein Tag der of­fe­nen Tür statt. Es gibt Füh­run­gen durch den Hof, ei­nen Be such bei den Zie­gen, In­for­ma­tio­nen zur Zie­gen­hal­tung, Milch­ver­ar­bei­tung, Kä­se her­stel­lung. Ak­tio­nen für Kin­der wie Hüpf­burg und Fil­zen, Sch­man­kerl, Ge­t­rän ke, Kaf­fee und Ku­chen.

Fo­tos: Eva Münsinger

Sie hei­ßen Wal­traud, Gi­se­la, Fla­via ... und sind rich­ti­ge Di­ven: die 40 Zie­gen auf dem Hof von Her­bert Sum­mer.

Her­bert Sum­mer

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