Denk­zet­tel für zwei Män­ner

Jus­tiz Nach ei­nem al­ko­hol­rei­chen Kn­ei­pen­be­such kam es in Wem­ding zu ei­ner Schlä­ge­rei. War­um die bei­den An­ge­klag­ten ei­ni­ger­ma­ßen glimpf­lich da­von ka­men

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis - VON BAR­BA­RA WÜRMSEHER

Wem­ding/Nörd­lin­gen Es ging um das En­de ei­nes reich­lich al­ko­hol­se­li­gen Wirts­haus­be­suchs, um zwei be­trun­ke­ne Män­ner, ei­nen eben­falls nicht mehr nüch­ter­nen Kon­tra­hen­ten und um Pro­vo­ka­tio­nen, die dann in Hand­greif­lich­kei­ten aus­ar­te­ten. Mit an­de­ren Wor­ten: Die Ver­hand­lung am Amts­ge­richt Nörd­lin­gen ge­gen ei­nen 34-Jäh­ri­gen und sei­nen 37 Jah­re al­ten Freund – bei­de aus dem Land­kreis – be­dien­te wie­der ein­mal sämt­li­che Kli­schees ei­ner Kn­ei­pen­schlä­ge­rei.

Die Fra­ge, die sich am En­de für die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Andrea Ei­sen­barth stell­te, war: Ha­ben wir es mit ei­ner ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung zu tun? Für die Ju­ris­tin be­stand kein Zwei­fel dar­an, dass es so war. Und des­halb ver­ur­teil­te sie 34-Jäh­ri­gen zu 90 Ta­ges­sät­zen je 30 Eu­ro (2700 Eu­ro) und den 37-Jäh­ri­gen zu 90 Ta­ges­sät­zen á 50 Eu­ro (4500 Eu­ro).

Was war in je­ner Nacht am 11. Sep­tem­ber 2016 in Wem­ding pas­siert? Kurz vor vier Uhr früh ver­lie­ßen die bei­den Män­ner in Be­glei­tung der Freun­din des ei­nen ei­ne Kn­ei­pe. Wie viel genau sie im Lau­fe des Abends ge­trun­ken hat­ten, war im Pro­zess nicht mehr fest­stell­bar. Ei­ner sprach von zehn Bier, die er in­tus ge­habt hät­te, der andere konn­te sich nicht mehr er­in­nern. Laut ei­ner spä­te­ren po­li­zei­li­chen Zeu­gen­aus­sa­ge aber ha­be er kaum noch ste­hen kön­nen.

In der Nä­he des Lo­kals be­schlos­sen sie, noch rasch ih­re Bla­sen zu ent­lee­ren. Zwei andere Nacht­schwär­mer be­ob­ach­ten und kom­men­tier­ten das Uri­nie­ren. Da­durch fühl­ten sich die bei­den jetzt an­ge­klag­ten Män­ner pro­vo­ziert. Das woll­ten sie sich nicht ge­fal­len las­sen und kon­ter­ten ent­spre­chend. Ehe man sich’s ver­sah, war ein Streit aus­ge­bro­chen, der von dem Satz des spä­te­ren Op­fers an­ge­sta­chelt wur­de: „Dann schlag doch zu!“Wer nun wann durch wen Hie­be, Faust­schlä­ge oder Fuß­trit­te kas­sier­te, war im Ein­zel­nen nicht mehr ganz nach­voll­zieh­bar.

Fest stand aber am En­de, dass die bei­den An­ge­klag­ten dem Drit­ten Prel­lun­gen an der Len­den­wir­bel­säu­le, am Kopf und am Brust­korb zu­füg­ten. Der muss­te sich in ärzt­li­che Be­hand­lung be­ge­ben. Die bei­den Män­ner räum­ten die Vor­wür­fe der Staats­an­walt­schaft im We­sent­li­chen auch ein. Sie wa­ren von An­fang an ge­stän­dig und zeig­ten Reue, in­dem sie sich lan­ge vor der Ge­richts­den ver­hand­lung bei dem Mal­trä­tier­ten ent­schul­dig­ten und ihm im Rah­men des Tä­ter-Op­fer-Aus­gleichs 1000 Eu­ro Schmer­zens­geld und Scha­dens­er­satz zahl­ten.

Bei­de An­ge­klag­te sind bis­lang völ­lig un­be­schrie­be­ne Blät­ter, ha­ben kei­ner­lei Ein­tra­gun­gen im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter. Auf­grund der Ge­samt­um­stän­de mit al­ko­hol­be­ding­ter En­t­hem­mung, Pro­vo­ka­tio­nen, Reue und der Tat­sa­che, dass das Op­fer selbst in ju­ris­ti­scher Hin­sicht kein Un­schulds­lamm ist, kam das Ge­richt zu ei­ner Stra­fe im un­te­ren Be­reich. „Es braucht ei­nen Denk­zet­tel“, er­klär­te Rich­te­rin Ei­sen­barth, „aber der muss in kei­nem Füh­rungs­zeug­nis auf­tau­chen.“Mit ei­ner Geld­stra­fe von 90 Ta­ges­sät­zen gel­ten die bei­den Ver­ur­teil­ten als nicht vor­be­straft. Das wä­re erst ab 91 der Fall.

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