Hei­se­le ge­nießt sein Heim­spiel

Golf Der Dil­lin­ger liegt nach der ers­ten Run­de in Mün­chen-Ei­chen­ried gut im Ren­nen. Kay­mer är­gert sich über schwa­chen Start

Donauwoerther Zeitung - - Sport - VON ANDREA BOGENREUTHER

Mün­chen Ei­chen­ried Nein, es war nicht Mar­tin Kay­mer, der die deut­sche Fah­ne am ers­ten Tag von Bay­erns größ­tem Golf­tur­nier, den BMW In­ter­na­tio­nal Open in Mün­chen-Ei­chen­ried, hoch­hielt. Im Ge­gen­teil: Der deut­sche Spit­zen­spie­ler und zwei­fa­che Ma­jors-Sie­ger aus Mett­mann hat­te vier Ta­ge nach sei­ner An­rei­se von den US Open so sei­ne Pro­ble­me, beim Ab­schlag die Bah­nen zu tref­fen und die Grüns rich­tig zu le­sen. Vie­le sei­ner Putts gin­gen haar­scharf da­ne­ben, so­dass er nach ei­ner ma­ge­ren 72er-Par­Run­de auf Platz 82 schon recht ab­ge­schla­gen im hin­te­ren Mit­tel­feld liegt. „Ich ha­be auf den Par- 5-Lö­chern kein ein­zi­ges Fair­way ge­trof­fen und auf den Grüns vie­le gu­te Chan­cen lie­gen ge­las­sen“, är­ger­te er sich über den ver­patz­ten Tur­nier­ein­stieg. Zu­mal er an der Sei­te von Mas­ters-Sie­ger Ser­gio Gar­cia (Spa­ni­en) un­ter­wegs war, der ihm mit ei­ner 66er-Run­de (6 un­ter Par) und Platz zwei zeig­te, was in Mün­chen spie­le­risch mög­lich war. Um zwei Schlä­ge bes­ser war so­gar noch der der­zei­ti­ge Füh­ren­de Wa­de Orms­by aus Aus­tra­li­en (8 un­ter Par).

Den zwei­ten deut­schen Tour­Pro­fi Mar­cel Siem er­wisch­te es mit ei­ner 76er-Run­de noch schlim­mer. „Das ist frus­trie­rend. Ei­gent­lich soll­te ich ein­pa­cken und nach Hau­se ge­hen“, kom­men­tier­te er sar­kas­tisch sei­ne Dar­bie­tung, die ihn ans En­de des Spie­l­er­fel­des ka­ta­pul­tier­te.

So gab es für die 14500 Zu­schau­er, von de­nen vie­le die Gol­fer schon in den frü­hen Mor­gen­stun­den be­glei­te­ten, an­de­re deut­sche Hoff- Ei­ner da­von ist Se­bas­ti­an Hei­se­le, 28, aus Dil­lin­gen, der nach ei­ner 70er-Run­de 2 un­ter Par liegt. Das be­son­de­re an ihm: Er spielt sei­ne ers­te Sai­son auf der Eu­ro­pean Tour und hat be­reits durch gu­te Tur­nier­plat­zie­run­gen in den Top 20 für Auf­se­hen ge­sorgt. Den­nungs­trä­ger. noch ist es für ihn als Roo­kie wei­ter­hin enorm wich­tig, wei­te­re gu­te Plat­zie­run­gen zu ho­len, um sich da­mit die Spiel­be­rech­ti­gung für das nächs­te Jahr zu si­chern. Mit ei­nem Preis­geld von zwei Mil­lio­nen Eu­ro bie­tet das Münch­ner Tur­nier da die per­fek­te Ge­le­gen­heit.

Zu­mal Hei­se­le aus der Re­gi­on stammt und in Ei­chen­ried ge­wis­ser­ma­ßen ein „Heim­spiel“hat. Die El­tern woh­nen nach ei­nem lan­gen Aus­lands­auf­ent­halt wie­der zu Hau­se in Dil­lin­gen, er selbst hat sei­ne „Ba­se“, wie er es gern nennt, mitt­ler­wei­le in der Münch­ner Maxvor­stadt auf­ge­schla­gen. Der Wel­ten­bumm­ler ge­nießt es, dass dies­mal auch Freun­de und Fa­mi­lie aus Dil­lin­gen an­rei­sen und ihn beim Spiel be­glei­ten kön­nen. „Es ist schön, ein sol­ches Tur­nier vor der Haus­tür zu ha­ben, auch wenn ich die­sen Platz nor­ma­ler­wei­se nicht spie­le. Er liegt mir nicht ganz so“, ge­steht Se­bas­ti­an Hei­se­le schmun­zelnd.

Schon auf sei­ner ers­ten Tur­nier­run­de zeigt sich war­um. Mit sei­nem lan­gen Spiel und Ab­schlä­gen, die an der 300-Me­ter-Mar­ke krat­zen, kann der 2,01 Me­ter gro­ße Pro­fi in Ei­chen­ried nur sel­ten punk­ten, oft lan­det er trotz bril­lan­ter Ab­schlä­ge im ver­trock­ne­ten Se­mi-Rough und hat von dort aus Schwie­rig­kei­ten, die Grüns op­ti­mal zu at­ta­ckie­ren. „Mei­ne Schlä­ge ins Grün wa­ren zu zu­rück­hal­tend“, lau­te­te denn auch sei­ne an­schlie­ßen­de Ana­ly­se.

Trotz­dem will er an sei­nem Kon­zept auch in den nächs­ten Ta­gen fest­hal­ten. „Mei­ne Stra­te­gie wird sich nicht än­dern“, sagt er selbst­be­wusst. Mit der Run­de von zwei Schlä­gen un­ter Par (dar­un­ter vier Bir­dies und zwei Bo­geys) ist er näm­lich grund­sätz­lich zu­frie­den. Ein, zwei Schlä­ge we­ni­ger sei­en auch durch­aus noch drin.

Schwie­ri­ger könn­te das Tur­nier für die Pro­fis aber noch durch den zu er­war­ten­den Zu­schau­er­zu­strom wer­den. Schon am Auf­takt­tag muss­ten Kay­mer und Co. im­mer wie­der ih­re Schlag­vor­be­rei­tung un­ter­bre­chen, weil die vie­len Fans am Ran­de für Stö­run­gen sorg­ten. „Ich muss­te mich bei mei­nen Flight­part­ner ent­schul­di­gen, denn es gab vie­le Zu­schau­er, die wäh­rend des Schla­ges fo­to­gra­fiert ha­ben“, merk­te Kay­mer an, wie schwie­rig es war, die nö­ti­ge Kon­zen­tra­ti­on zu hal­ten.

„Sie wol­len hier jetzt nicht ernst­haft te­le­fo­nie­ren.“Golf­pro­fi Se­bas­ti­an Hei­se­le zu ei­nem Zu­schau­er, des­sen Han­dy klin­gel­te

Auch Se­bas­ti­an Hei­se­le mach­te die Er­fah­rung an der 18, als kurz vor sei­nem zwei­ten Schlag laut­stark ein Han­dy klin­gel­te. „Sie wol­len hier aber jetzt nicht ernst­haft te­le­fo­nie­ren“, wies Hei­se­le den Zu­schau­er, der das Ge­spräch auch noch un­ge­rührt an­nahm, mit deut­li­chen Wor­ten auf die Golf­platz-Eti­ket­te hin. Da­nach kon­zen­trier­te sich der Pro­fi wie­der auf sei­nen Schlag und be­en­de­te das Loch so­gar noch mit ei­nem Bir­die.

Bleibt Hei­se­le auch heu­te so cool und ab­ge­klärt, liegt der Cut, der nach der zwei­ten Tur­nier­run­de am heu­ti­gen Frei­tag­abend fest­ge­legt wird, in greif­ba­rer Nä­he. Will Pu­bli­kums­lieb­ling Mar­tin Kay­mer dann noch mit­spie­len, muss er drin­gend bes­ser put­ten. Kay­mer star­tet mit Gar­cia und Ti­tel­ver­tei­di­ger Ra­fa Ca­brer­o­Bel­lo am heu­ti­gen Frei­tag um 13.40 Uhr, Hei­se­le um 14 Uhr.

Fo­to: Chris­ti­an Kol­bert

Mit ei­ner 70er Run­de zeig­te sich der Dil­lin­ger Se­bas­ti­an Hei­se­le zum Auf­takt zu­frie­den.

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