Bald sind Bau­her­ren bes­ser ge­schützt

Woh­nen Ab 2018 gilt ein neu­es Ge­setz. Bau-Un­ter­neh­men müs­sen sich dann et­wa bes­ser an ver­ein­bar­te Ter­mi­ne hal­ten. Da­von pro­fi­tie­ren vor al­lem Men­schen, die Fer­tig­häu­ser bau­en

Donauwoerther Zeitung - - Geld & Leben - VON BERRIT GRÄBER

Augs­burg Man­cher Bau­herr kennt das Leid: Wenn es auf der Bau­stel­le nicht gut klappt, kann der Wohn­t­raum zum teu­ren Dau­er­är­ger­nis wer­den. Gibt es Streit um Ma­te­ria­li­en, Pfusch, Ab­schlags­zah­lun­gen oder ge­platz­te Ein­zugs­ter­mi­ne, ste­hen Lai­en meist auf ver­lo­re­nem Pos­ten. Vom Ge­setz­ge­ber be­kom­men sie nun Hil­fe. Der Bun­des­tag hat ein neu­es Bau­ver­trags­recht be­schlos­sen, das ab 2018 mehr Si­cher­heit und Schutz ver­spricht. Pro­fi­tie­ren kön­nen vor al­lem Ver­brau­cher, die schlüs­sel­fer­tig bau­en, wie Hol­ger Frei­tag, Ver­trau­ens­an­walt des Ver­bands Pri­va­ter Bau­her­ren (VPB), be­tont. Trotz­dem soll­ten Bau­her­ren und Käu­fer wei­ter auf der Hut sein. Ein Über­blick:

An­spruch auf Bau­be­schrei­bung Un­ter­la­gen zum Ei­gen­heim­bau sind für al­le wich­tig, die oh­ne Ar­chi­tekt bau­en. Doch vie­le Bau­un­ter­neh­mer rü­cken sie gar nicht oder nur wi­der­wil­lig her­aus. Da­mit ist jetzt Schluss. Pri­va­te Bau­her­ren ha­ben ab 2018 An­spruch auf ei­ne prä­zi­se Bau­be­schrei­bung. Un­ter­neh­men müs­sen sie künf­tig recht­zei­tig vor Ver­trags­ab­schluss her­aus­ge­ben, und zwar kos­ten­los. Das gilt auch für den Bau­trä­ger­ver­trag, bei dem zu­gleich das (Mit)-Ei­gen­tum am Grund­stück oder ein Erb­bau­recht über­tra­gen wird. In den Un­ter­la­gen müs­sen we­sent­li­che Ei­gen­schaf­ten des Ob­jekts klar und deut­lich be­schrie­ben sein – et­wa zum In­nen­aus­bau, den Ar­ma­tu­ren, zum Ener­gie­stan­dard. Aber: Wer mit ei­ge­nem Ar­chi­tek­ten baut, hat kei­nen An­spruch auf Bau­be­schrei­bung, selbst wenn er das Pro­jekt von ei­nem Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer um­set­zen lässt.

Kla­re Ver­hält­nis­se Bis­her kam es oft zum Streit, wenn in der Bau­be­schrei­bung Leis­tun­gen gar nicht oder un­klar be­schrie­ben wur­den. Mal fehl­te die In­for­ma­ti­on, wo der Erd­aus­hub lan­det, oder ob es ex­tra kos­tet, den Kel­ler was­ser­dicht aus­zu­füh­ren. Oder die An­ga­ben wa­ren „so ne­bu­lös, dass bil­li­ge Wa­re ver­baut wer­den konn­te“, wie VPB-An­walt Frei­tag be­rich­tet. Jetzt müs­sen Qua­li­täts­stan­dards er­kenn­bar sein.

Künf­tig gilt: Das Ni­veau der in der Bau­be­schrei­bung er­wähn­ten Leis­tun­gen ist maß­geb­lich. Ver­spricht ei­ne Bau­fir­ma et­wa Leis­tun­gen mit ho­hem Qua­li­täts- und Kom­fort­stan­dard, ver­wen­det aber nor­ma­len Schall­schutz, kann sie sich nicht mehr her­aus­re­den. Auch beim Schall­schutz muss die Fir­ma dann über­durch­schnitt­li­ches Ni­veau lie­fern.

Recht auf noch mehr Un­ter­la­gen Bis­lang kom­men pri­va­te Bau­her­ren auch häu­fig nicht an Un­ter­la­gen her­an, die sie für den An­trag auf ei­nen För­der­kre­dit brau­chen. Oder es fehl­ten Da­ten, die Bau­her­ren ge­gen­über Be­hör­den als Nach­weis brau­chen. Dass das Pro­jekt zum Bei­spiel nicht mit der Bau­ord­nung kol­li­diert, dass Sta­tik oder Ener­gie­vor­ga­ben stim­men. Künf­tig muss die Bau­fir­ma sol­che Pla­nungs­un­ter­la­gen be­reits vor Bau­be­ginn her­aus­ge­ben.

Neu­er Wi­der­ruf Künf­tig kann ein Bau­ver­trag, der nicht vom No­tar be­ur­kun­det wur­de, wi­der­ru­fen wer­den. Die Frist da­für be­trägt 14 Ta­ge ab Ver­trags­schluss – wenn der Kun­de ord­nungs­ge­mäß über sein Wi­der­rufs­recht in­for­miert wur­de. Gab es Feh­ler bei der Be­leh­rung, en­det die Frist erst nach ei­nem Jahr und 14 Ta­gen. Der neue Jo­ker dürf­te Ver­brau­chern nut­zen, die erst nach ih­rer Un­ter­schrift mer­ken, dass sie kei­ne Fi­nan­zie­rung hin­be­kom­men. Nach heu­ti­ger Rechts­la­ge kommt ei­ne freie Kün­di­gung im­mer teu­er zu ste­hen. Das neue Recht soll da­vor schüt­zen. Völ­lig gra­tis geht es aber nicht: Je spä­ter der Rück­tritt er­folgt, des­to kost­spie­li­ger wird er.

Kei­ne Trö­de­lei mehr Bis­her gilt: Hat die Bau­fir­ma ei­nen Fer­tig­stel­lungs­ter­min ge­nannt, ist er in neun von zehn Fäl­len nichts wert. Ver­zö­gert sich der Ein­zug, kann das zum Fi­nanz­fi­as­ko für Bau­her­ren wer­den. Das neue Recht ver­spricht auch hier Bes­se­rung. Der Schlüs­sel­fer­tig­an­bie­ter muss künf­tig ver­bind­lich an­ge­ben, wann der Bau fer­tig ist. Oder zu­min­dest die Dau­er der Bau­maß­nah­me klar be­nen­nen. „Kommt es zu Ver­zö­ge­run­gen, ist der Ver­brau­cher in ei­ner viel bes­se­ren Po­si­ti­on, wenn er Scha­den­er­satz gel­tend macht“, be­tont Frei­tag.

Ver­bes­ser­te Ab­schlä­ge Ein wei­te­rer Plus­punkt ist die Re­ge­lung für Ab­schlags­zah­lun­gen an Schlüs­sel­fer­tig­an­bie­ter. Bis­lang be­ka­men Kun­den un­güns­ti­ge Zah­lungs­plä­ne. Bei ih­nen be­trug die letz­te Ra­te häu­fig we­ni­ger als fünf Pro­zent der Ge­samt­sum­me. Der Bau­herr hat­te da­durch kein Druck­mit­tel, da­mit Män­gel zü­gig be­sei­tigt wur­den. Künf­tig dür­fen Kun­den als letz­te Ra­te min­des­tens zehn Pro­zent vom Wer­klohn ein­be­hal­ten. „Die­se Grö­ßen­ord­nung tut dem Un­ter­neh­mer weh“, er­klärt Frei­tag. Die neue Be­gren­zung der Ab­schlags­zah­lun­gen auf 90 Pro­zent gilt nicht beim Bau­trä­ger­ver­trag.

Tipps für ak­tu­el­le Ver­trä­ge Auch wenn der Ver­brau­cher­schutz erst 2018 gilt: Wer noch vor Sil­ves­ter ein schlüs­sel­fer­ti­ges Pro­jekt an­ge­hen und sich ein Haus bau­en will, soll­te ver­su­chen, die bes­se­ren Rech­te schon jetzt in den Bau­ver­trag hin­ein zu ver­han­deln, emp­fiehlt Frei­tag. Sein Tipp: Kei­ne al­ten Be­din­gun­gen mehr ak­zep­tie­ren und den Ver­trag von un­ab­hän­gi­gen Ex­per­ten vor der Un­ter­schrift noch­mals prü­fen las­sen. Se­riö­se Bau­fir­men stell­ten sich ge­ra­de auf das neue Ge­setz ein. „Wir be­rei­ten uns auf die neu­en Ver­trä­ge vor, da kommt viel auf uns zu“, be­stä­tigt Ant­je Boldt, Fach­an­wäl­tin für Bau- und Ar­chi­tek­ten­recht aus Mün­chen und Mit­glied des Vor­stands des Deut­schen Bau­ge­richts­tags.

Mehr In­for­ma­tio­nen Ein Ver­trags mus­ter für Bau­her­ren schlüs­sel­fer­ti­ger Häu­ser bie­tet Haus & Grund ge­mein­sam mit dem Zen­tral­ver­band des Deut­schen Bau­ge­wer­bes (ZDB) kos­ten­los auf www.hau­sund­grund.de

Fo­to: DanBu.Ber­lin, Fo­to­lia

Für man­che Bau­her­ren ver­wan­delt sich der Traum vom Ei­gen­heim in ein Dau­er­är­ger­nis. Zum Bei­spiel, wenn das Haus nicht recht zei­tig fer­tig wird. Das ist nicht nur ver­drieß­lich, son­dern kann auch teu­er wer­den.

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