Prio­ri­tät: Die Ein­nah­men stei­gern

Kom­mu­nal­po­li­tik Die Ge­mein­de Kais­heim steht vor ei­nem rie­si­gen Berg von In­ves­ti­tio­nen. Die ers­ten Maß­nah­men sind jetzt be­schlos­sen. Nicht al­le wol­len den Haus­halt mit­tra­gen

Donauwoerther Zeitung - - Jura - VON WOLF­GANG WIDEMANN

Kais­heim Die Ge­mein­de Kais­heim steht vor ei­nem rie­si­gen Berg von Auf­ga­ben. Rund 27 Mil­lio­nen Eu­ro wür­den al­le Pro­jek­te kos­ten, wel­che die Kom­mu­ne in den kom­men­den Jah­ren an­ge­hen soll. Die­se Rech­nung prä­sen­tier­te – wie be­rich­tet – vor ei­ni­gen Mo­na­ten die Ver­wal­tung dem Ge­mein­de­rat. Der zer­brach sich in ins­ge­samt acht Sit­zun­gen den Kopf dar­über, wie und in wel­cher Rei­hen­fol­ge das schein­bar Un­lös­ba­re doch ver­wirk­licht wer­den kann. Die ers­ten Schrit­te be­schlos­sen die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker jetzt, in­dem sie den Haus­halt für 2017 ver­ab­schie­de­ten. Dies ging nicht oh­ne Dis­kus­sio­nen ab.

Das größ­te Pro­jekt läuft be­reits auf vol­len Tou­ren: die Er­neue­rung des süd­li­chen Ab­schnitts der Haupt­stra­ße samt Ver­sor­gungs­lei­tun­gen in Kais­heim. Für den neu­en Ab­was­ser­ka­nal dort und im Orts­teil Berg­stet­ten sind fast 1,7 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­plant. Neue Trink­was­ser­lei­tun­gen in der Bern­har­di­sied­lung schla­gen mit gut ei­ner hal­ben Mil­li­on Eu­ro zu Bu­che. Der ers­te Ab­schnitt des Geh­weg­aus­baus in der Haupt­stra­ße ist auf 420 000 Eu­ro ver­an­schlagt, die Pla­nung für die Er­wei­te­rung des Rat­hau­ses (Strau­ßHaus) auf 365000 Eu­ro.

Die Ge­mein­de muss auch die seit dem Vor­jahr lau­fen­de Sa­nie­rung von Dach und Fas­sa­de der Kir­che in Gun­zen­heim be­zah­len (heu­er 288000 Eu­ro). 200000 Eu­ro ste­hen be­reit für den Kauf von Bau­land in ver­schie­de­nen Orts­tei­len. Bür­ger­meis­ter Mar­tin Scharr zeig­te sich op­ti­mis­tisch, dass die Kom­mu­ne im Kern­ort bald neu­es Bau­land an­bie­ten kann. Da­zu be­nö­tigt die Ge­mein­de Flä­chen vom Frei­staat Bay­ern. Hier­zu hät­ten vie­le Ge­sprä­che in Mün­chen statt­ge­fun­den, be­rich­te­te Scharr.

Wei­te­re In­ves­ti­tio­nen in die­sem Jahr: Aus­bau der Abt-Ni­be­lun­gStra­ße („Krumm­feld III“, 122000 Eu­ro), geo­lo­gi­sche Er­kun­dung für das Was­ser­schutz­ge­biet Sulz­dorf (150 000 Eu­ro), neue Stra­ßen­leuch­ten (180 000), neue Feld­we­ge­ver­bin­dung als Er­satz für die Bahn­brü- cke bei Gun­zen­heim (55000), ein neu­er Rad­la­der und ei­ne neue Kehr­ma­schi­ne für den Bau­hof (80000), Vor­pla­nung Aus­bau Max-Stra­ßerStra­ße in Gun­zen­heim (50 000), Aus­rüs­tung Feu­er­wehr (30 000) und Scha­den­ser­mitt­lung in der Leit­hei­mer Kir­che (20000).

Um dies al­les zu fi­nan­zie­ren, muss die Ge­mein­de wohl Dar­le­hen in Hö­he von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro auf­neh­men. Da­durch steigt der Schul­den­stand von 5,3 auf 6,1 Mil­lio­nen Eu­ro. Käm­me­re­rin Ste­pha­nie Un­ger mahn­te an­ge­sichts der fi­nan­zi­el­len Si­tua­ti­on: „Es ist ein Kon­zept nö­tig, wie der Haus­halt lang­fris­tig kon­so­li­diert wer­den kann.“

Bür­ger­meis­ter Scharr sag­te, bei den Be­ra­tun­gen sei be­wusst das ein oder an­de­re The­ma nicht öf­fent­lich be­han­delt wor­den, um nicht Be­gehr­lich­kei­ten zu we­cken. Der 27-Mil­lio­nen-Eu­ro-Berg sei si­cher nicht in den kom­men­den vier Jah­ren ab­zu­ar­bei­ten. Man müs­se Schritt für Schritt vor­an­ge­hen und ver­su­chen, die Aus­ga­ben zu re­du­zie­ren so­wie – dies sei „Prio­ri­tät 1“– die Ein­nah­men zu stei­gern (sie­he auch Ar­ti­kel un­ten). Er­freu­lich sei in die­sem Zu­sam­men­hang, dass in­zwi­schen die Mög­lich­keit be­ste­he, Zu­schüs­se aus För­der­töp­fen zu be­kom­men, bei­spiels­wei­se beim Strauß-Haus und der Ab­was­ser­be­sei­ti­gung. Grund­sätz­lich wol­le man es ver­mei­den, den Bür­gern an den Geld­beu­tel zu ge­hen.

Für den Haus­halt stimm­ten die Frak­tio­nen der PWG und der CSU. „Wir ha­ben es uns nicht ein­fach ge­macht“, be­ton­te Zwei­ter Bür­ger­meis­ter Mar­kus Harsch (CSU). Es wür­den nur „Pflicht­pro­jek­te“an­ge­gan­gen. Ge­gen den Haus­halt spra­chen sich die vier an­we­sen­den Rä­te der Frei­en Bür­ger­stim­me (FBS) und der Grü­nen aus. Her­bert Bau­er (FBS) mo­nier­te un­ter an­de­rem, dass der Aus­bau der Haupt­stra­ße-Nord seit 2011 nicht voll­zo­gen wor­den sei. Bau­er be­zwei­fel­te zu­dem, ob der süd­li­che Ab­schnitt wie vor­ge­se­hen bis zum Win­ter ab­ge­schlos­sen wer­den kann.

Wie Bau­er ver­wies auch Hu­bert Ren­elt (Grü­ne) auf ei­nen Schul­den­berg von 12,8 Mil­lio­nen Eu­ro, der bis zum Jahr 2020 ent­ste­hen kann. Ren­elt be­fürch­te­te gar, dass die Sum­me bis 2023 noch­mals um vier Mil­lio­nen Eu­ro stei­gen kön­ne – plus Fol­ge­kos­ten. „Das kön­nen wir nicht mit­tra­gen“, sag­te Ren­elt. Der merk­te an, es sei kei­ne Pflicht­auf­ga­be der Ge­mein­de, den gro­ßen his­to­ri­schen Kom­plex im Be­reich des Rat­hau­ses zu sa­nie­ren.

Bür­ger­meis­ter Scharr zeig­te sich be­frem­det über die Kri­tik. Vor den Wah­len 2014 hät­ten al­le Par­tei­en und Grup­pie­run­gen an­ge­kün­digt, nach vor­ne zu schau­en: „Heu­te wer­den wir be­lehrt: Es ist an­ders.“Die Rat­haus-Er­wei­te­rung sei be­schlos­sen und un­um­gäng­lich. Wie es dann wei­ter­ge­he, sei noch zu klä­ren.

Fo­to: Wolf­gang Widemann

Der Aus­bau des süd­li­chen Ab­schnitts der Haupt­stra­ße samt Geh­we­gen und Ka­nal­lei­tun­gen in Kais­heim ist heu­er das größ­te Pro jekt der Markt­ge­mein­de.

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