Ein Quan­tum Mut

Donauwoerther Zeitung - - Donauwörth - VON JÜR­GEN ZIEGELMEIR re­dak­ti­on@do­nau­wo­er­t­her zei­tung.de

Mensch Gun­ter, was machst du denn für Sa­chen? Nun sind ja schon ein paar Ta­ge ver­gan­gen, seit du uns ver­las­sen hast. Ich konn­te es erst nicht fas­sen und brauch­te ein paar Ta­ge, bis ich mich an die­se Tat­sa­che ge­wöhnt ha­be: Gun­ter Ga­b­ri­el ist tot. Des­halb möch­te ich dir nun sa­gen, was ich schon längst hät­te schrei­ben müs­sen.

Ja, ich ge­be es zu. Vie­le an­de­re Sän­ger ha­ben mir bes­ser ge­fal­len. Ab­ba und Udo Jür­gens zum Bei­spiel. Aber du warst trotz­dem et­was Be­son­de­res. Frei­lich nicht so gut wie John­ny Cash. Dei­ne Stim­me je­doch konn­te es lo­cker mit vie­len an­de­ren auf­neh­men. Ver­ges­sen wer­de ich dich nicht, denn du hast mich durch mei­ne Kind­heit be­glei­tet. Ich weiß noch gut, wie es da­mals war. Mei­ne Mut­ter be­rei­te­te ge­ra­de ih­ren le­gen­dä­ren Sonn­tags­bra­ten zu, wäh­rend die Na­del über die Lang­spiel­plat­te kratz­te. Die­ser ei­ne Song brann­te sich in mein Ge­dächt­nis ein und seit­dem ha­be ich ihn nie mehr her­aus­be­kom­men. Da­mals wuss­te ich nicht, wel­che Be­deu­tung er ein paar Jah­re spä­ter für mich be­kom­men wür­de.

Du hast da­mals knall­hart aus­ge­spro­chen, wo­für mir im­mer der Mut fehl­te. Und ich war nicht der Ein­zi­ge. Vie­le Ar­beit­neh­mer hät­ten das auch ger­ne so deut­lich for­mu­liert. Von An­ge­sicht zu An­ge­sicht, das Ant­litz des Vor­ge­setz­ten ge­gen­über. Doch da­für braucht es das Quan­tum Mut, zu for­dern: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld!“

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