Dreh­ar­bei­ten am Neu­bur­ger Do­nau­kai

Ki­no Con­stan­tin Film hat ei­ne Sze­ne für „Fack ju Göh­te 3“in Neu­burg ge­dreht. Die Vor­be­rei­tun­gen da­für lie­fen höchst ge­heim

Donauwoerther Zeitung - - Nachbarschaft - VON MAN­FRED DITTENHOFER

Neu­burg „Hopp­la, was ist da denn los?“, frag­ten sich vie­le Pas­san­ten am Neu­bur­ger Do­nau­kai. Wäh­rend zwi­schen dem Ca­fé Hert­lein und dem Bür­ger­meis­ter-Ho­che­derPlatz Leu­te mit Wal­kie-Tal­kies ge­schäf­tig auf und ab lie­fen, wa­ren die Park­plät­ze an der Schu­le am Eng­li­schen Gar­ten von gro­ßen Last­wa­gen be­legt. Und auch die Stra­ße ent­lang der Do­nau soll­te ab 16 Uhr ge­sperrt wer­den.

Der Grund wa­ren an­ge­kün­dig­te Dreh­ar­bei­ten der Con­stan­tin Film AG. Klingt span­nend. Ob viel­leicht ir­gend­wel­che Fern­seh­stars zu se­hen sind? „Kein Kom­men­tar“, war die knap­pe Ant­wort ei­ni­ger Mit­glie­der der rund 30 Mann und Frau star­ken Film­crew. Es wür­den zwei kur­ze Sze­nen für das Con­stan­tin-Pro­jekt „Ala­din“ge­dreht. Ala­din? Klingt wie ein Mär­chen­film. Und das in Neu­burg? Nein, es hand­le sich um ei­ne zeit­ge­nös­si­sche Ver­fil­mung. Der Film ha­be nichts mit dem gleich­na­mi­gen Mär­chen zu tun. Mehr Aus­kunft gab es nicht.

Aber an­schei­nend wa­ren nicht al­le Mit­ar­bei­ter auf den­sel­ben Film­ti­tel ein­ge­schwo­ren wor­den. Denn neu­gie­ri­ge Neu­bur­ger hat­ten auch an­de­re, be­kann­te­re Ti­tel ver­nom­men. Ani­ta und Hans, die ih­ren Nach­na­men nicht in der Zei­tung le­sen wol­len, hat­te die Neu­gier­de in die Stadt ge­trie­ben. „Mir wa­ren die ge­sperr­ten Park­plät­ze am Vor­mit­tag schon auf­ge­fal­len, und ich woll­te wis­sen, was da läuft“, er­zählt Hans. Und er war es auch, der ei­nen Mit­ar­bei­ter nach dem Grund der Sper­rung frag­te. Des­sen Ant­wort: „Wir dre­hen für Fack ju Göh­te 3.“Elyas M’Barek, den gut aus­se­hen­den Haupt­dar­stel­ler, be­ka­men die bei­den al­ler­dings nicht zu se­hen – was vor al­lem Ani­ta scha­de fand.

Da­für spiel­ten ein Neu­bur­ger Stadt­bus und ei­ne ei­gens für den Dreh er­rich­te­te Bus­hal­te­stel­le am Do­nau­kai die Haupt­rol­len. Aus die­sem Bus, so konn­te man au­ßer­halb der Ab­sper­run­gen se­hen, stieg im­mer und im­mer wie­der ei­ne jun­ge Da­me, de­ren Out­fit – sa­gen wir mal – sehr spe­zi­ell war: knap­pes Je­ans­hös­chen, knap­pes Jäck­chen, pink­far­be­nes Roll­köf­fer­chen und mäch­ti­ge Keil­ab­satz-Turn­schu­he. Ei­ne Tus­si vom Feins­ten, die im Film „Fack ju Göh­te“auf den Na­men Chan­tal Acker­mann und im rich­ti­gen Le­ben auf Jel­la Haa­se hört. Spä­tes­tens jetzt ha­ben al­le Spe­ku­la­tio­nen ein En­de. Chan­tal ist zu­rück – und mit ihr der drit­te Teil ei­nes Films, der zu den er­folg­reichs­ten deut­schen Ki­no­fil­men seit Be­ginn der Be­su­cher­zäh­lung im Jahr 1968 zählt.

Da­mit das Film­team un­ge­stört dre­hen konn­te, wur­de der Do­nau­kai wei­test­ge­hend ab­ge­sperrt. Rad­fah­rer und Spa­zier­gän­ger wur­den über den Schran­nen­platz um­ge­lei­tet. Nur hin und wie­der, wenn of­fen­bar ge­ra­de Dreh­pau­se war, durf­ten sie die Sze­ne­rie durch­que­ren. Und die wur­de von rund 30 Sta­tis­ten be­lebt, die ent­lang des Do­nau­kais plat­ziert wur­den. Im­mer wenn es laut­stark hieß „uuuuuund bit­te!“, setz­ten sie sich in Be­we­gung. Wäh­rend der Bus beim Ca­fé Hert­lein lang­sam um die Kur­ve bog, spran­gen man­che von ih­nen über die Stra­ße, an­de­re schlen­der­ten den Do­nau­kai ent­lang, wie­der an­de­re sa­ßen auf ei­ner Bank und un­ter­hiel­ten sich. Auch ei­ni­ge Au­to­fah­rer muss­ten im­mer wie­der ih­re Run­den dre­hen.

Die Rol­le der Sta­tis­ten hat­te ein Groß­teil der Neu­bur­ger Burg­fun­ken über­nom­men. Mehr darf al­ler­dings nicht ver­ra­ten wer­den. Denn al­le Be­tei­lig­ten muss­ten im Vor­feld ei­ne Ver­schwie­gen­heits­er­klä­rung un­ter­schrei­ben. Das be­deu­tet: Über das, was am Set ge­spro­chen und pas­siert ist, darf bis zum Film­start im Herbst nicht ge­spro­chen wer­den. Dar­an muss sich auch Neu­burgs Pres­se­spre­cher Bern­hard Mah­ler hal­ten: „Ich sa­ge nichts. Nur so viel: Die Dreh­ar­bei­ten wur­den vor et­wa zwei Wo­chen an­ge­mel­det, mit den Ver­wal­tungs­stel­len der Stadt ab­ge­klärt und schließ­lich ge­neh­migt.“

Kurz vor 19 Uhr, nach­dem die letz­ten Sze­nen mit ei­ner Droh­ne auf­ge­nom­men wor­den wa­ren, wa­ren die Auf­nah­men im Kas­ten. Wäh­rend die Film­crew ihr Equip­ment ver­stau­te, hat­te die 24-jäh­ri­ge Jel­la Haa­se ih­re Tus­si-Schu­he ge­gen Ba­de­lat­schen ge­tauscht. Un­zäh­li­ge Ma­le war sie an die­sem Tag aus dem Bus aus­ge­stie­gen, war den Do­nau­kai ent­lang­gestakst, um­ge­kehrt und wie­der in den Bus ein­ge­stie­gen. Zum Ab­schluss des Dreh­tags gönn­te sie sich des­halb – ganz oh­ne Tam­tam – ein küh­les Bier.

Fo­to: Con­stan­tin Film

Ze­ki Mül­ler (Elyas M’Barek) und sei­ne nicht ganz schlaue Schü­le­rin Chan­tal Acker­mann (Jel­la Haa­se). Die „Fack ju Göh­te“Fil­me sind ein ech­ter Kas­sen­schla­ger: Der ers­te Teil aus dem Jahr 2013 zog 7,4 Mil­lio­nen Be­su­cher ins Ki­no, der zwei­te Teil 7,6 Mil lio­nen. Da­mit be­le­gen sie den vier­ten und fünf­ten Platz der er­folg­reichs­ten deut­schen Fil­me in der Bun­des­re­pu­blik seit 1968. Der drit­te und wohl letz­te Teil kommt am 26. Ok­to­ber ins Ki­no.

Mit dem Auf­bau des Ka­mera­krans war klar: Es ge­schieht et­was nicht All­täg­li­ches am Neu­bur­ger Do­nau­kai. Dreh­ar­bei­ten zu ei nem Film fin­den statt.

Fo­tos: Man­fred Dittenhofer

Die Dreh­ar­bei­ten mit dem Stadt­bus ha­ben be­gon­nen. Rechts mit dem pink­far­be­nen Roll­kof­fer ist Jel­la Haa­se ali­as Chan­tal Acker­mann zu se­hen.

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