Tanz­haus: Wird hier His­to­rie pri­va­ti­siert?

Donauwoerther Zeitung - - Große Kreisstadt | An Donau, Lech Und Schmutter - Do­nau­wörth

Zu Be­richt­er­stat­tung und Le­ser­zu schrif­ten über den Ver­kauf des Do­nau wör­ther Tanz­hau­ses: Als der­zeit be­sorg­ter Bür­ger Do­nau­wörths fra­ge ich mich in die­sen Ta­gen: Was wird aus Do­nau­wörths „gu­ter Stu­be“, der Reichs­stra­ße? Und wei­ter stellt sich mir die Fra­ge: Ha­ben un­se­re Stadt­vä­ter ir­gend­ei­ne „tra­gen­de Idee“für die­ses ur­ba­ne Kern­stück un­se­rer Stadt?

Auf kom­mer­zi­el­ler Ebe­ne wird ihr das neue Bahn­hofs­vier­tel Kon­kur­renz ma­chen und städ­te­bau­lich/ at­mo­sphä­risch zieht das Ried an der Reichs­stra­ße vor­bei. In der alt­ehr­wür­di­gen Stra­ßen­flucht ster­ben al­te Tra­di­ti­ons­häu­ser (En­gel/ Wa­genk­necht) – und nun soll auch das Sinn­bild bür­ger­li­cher/his­to­ri­scher Tra­di­ti­on, das Tanz­haus, meist­bie­tend ver­kauft wer­den. Das do­mi­nan­te Bau­werk in der Reichs­stra­ße, das auch den bei­spiel­haf­ten Wie­der­auf­bau der Stadt nach dem Bom­ben­ha­gel des Zwei­ten Welt­krie­ges sym­bo­li­siert! Soll Do­nau­wörths His­to­rie nach so vie­len wech­sel­haf­ten Jahr­hun­der­ten pri­va­ti­siert wer­den? Aber viel­leicht gibt es ja in den Ver­wal­tungs- und Be­ra­tungs­stu­ben des Do­nau­wör­ther Rat­hau­ses gu­te und zwin­gen­de Grün­de, die da­zu ra­ten, das bau­li­che Ta­fel­sil­ber zu ver­scher­beln – nur ist das bis­her dem fra­gen­den und be­sorg­ten Bür­ger nicht of­fen­ge­legt wor­den.

Aber bei die­sem The­ma han­delt es sich eben nicht nur um ei­ne un­glück­li­che Stra­ßen­um­lei­tung wäh­rend ei­ner zeit­lich be­fris­te­ten Bau­maß­nah­me (wie im Bahn­hofs­vier­tel der Fall), son­dern um ein „Stück Do­nau­wörth“, das un­wie­der­bring­lich in Pri­vat­be­sitz (da mag der In­ves­tor noch so se­ri­ös sein) ver­schwin­det, mit ein paar schwam­mi­gen Nut­zungs­klau­seln gar­niert. Und da, so mei­ne ich, soll­te den Do­nau­wör­ther Bür­gern schon rei­ner Wein ein­ge­schenkt wer­den, und zwar recht­zei­tig, da­mit er sich da­zu auch äu­ßern kann. Denn das Tanz­haus-Pro­jekt ist ganz und gar nicht ein x-be­lie­bi­ger Nul­lacht­fünf­zehn-Ver­wal­tungs­akt, son­dern ein bür­ger­sen­si­bler Vor­gang. Und da soll­te, so mei­ne ich, schon ein biss­chen mehr kom­mu­nal­po­li­ti­sches Herz­blut ver­gos­sen wer­den. Klaus Lan­ger,

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