Toll, aber merk­wür­dig

Donauwoerther Zeitung - - Donauwörth - VON JENS REITLINGER jens.reitlinger@do­nau­wo­er­t­her zei­tung.de

Je mehr man sich mit Spra­che be­schäf­tigt, des­to we­ni­ger ach­tet man auf die wort­wört­li­che Be­deu­tung des­sen, was man da so von sich gibt. Ein Bei­spiel: Das Wort „merk­wür­dig“ist üb­li­cher­wei­se ne­ga­tiv kon­no­tiert – denk­ba­re Syn­ony­me wä­ren im heu­ti­gen Sprach­ge­brauch „be­frem­dend“oder „son­der­bar“. Da­bei wohnt dem Wort ein tol­les Kom­pli­ment in­ne: Du bist wür­dig, dass man sich dich merkt! Doch ist das wirk­lich ein „tol­les“Kom­pli­ment? Ur­sprüng­lich war die Be­deu­tung des Wor­tes „toll“ein­mal sehr na­he am Ge­gen­teil des­sen, was wir heu­te da­mit aus­sa­gen wol­len: „Irr­sin­nig!“, „Um­nach­tet!“, „Un­zu­rech­nungs­fä­hig!“. Ei­ne kom­pli­zier­te Sa­che. Es lohnt sich, bei der Wort­wahl die nö­ti­ge Sorg­falt wal­ten zu las­sen.

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