Ein­drü­cke aus dem Na­tur­pa­ra­dies

Fach­ex­kur­si­on Ei­ne De­le­ga­ti­on aus der Re­gi­on be­sucht zum Er­fah­rungs­aus­tausch den Na­tio­nal­park in Berch­tes­ga­den

Donauwoerther Zeitung - - Nachbarschaft -

Land­kreis/Berch­tes­ga­den Die Do­nau-Au­en sind ei­ner von zwei ver­blie­be­nen Kan­di­da­ten für den drit­ten Na­tio­nal­park in Bay­ern. Ob sich der Stand­ort ge­gen die Rhön durch­set­zen kann, hängt nicht nur von der na­tur­schutz­fach­li­chen Prü­fung des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums ab, son­dern auch von der Ak­zep­tanz bei den Men­schen in der Re­gi­on. Zum Er­fah­rungs­aus­tausch reis­te ei­ne De­le­ga­ti­on aus der Re­gi­on in den Na­tio­nal­park Berch­tes­ga­den – aus dem Land­kreis wa­ren ne­ben Land­rats­stell­ver­tre­ter Rein­hold Bitt­ner (CSU) auch die Do­nau­wör­ther Stadt­rä­tin Birgit Röss­le (CSU) und Um­welt­re­fe­rent Al­bert Rie­dels­hei­mer (Grü­ne) mit im Tross da­bei.

Ei­nig wa­ren sich die Ex­kur­si­ons­teil­neh­mer, dass die Vor­aus­wahl des Ka­bi­netts – Spes­sart und der Fran­ken­wald wur­den aus­sor­tiert – ein star­kes In­diz für die Kon­kur­renz­fä­hig­keit der Do­nau-Au­en ist. Die na­tur­schutz­fach­li­che Qua­li­tät der Au­wäl­der als öko­lo­gi­scher Hots­pot für die Bi­o­di­ver­si­tät ist so groß, dass Quan­ti­tät, sprich die im baye­ri­schen Na­tur­schutz­ge­setz fest­ge­setz­te Min­dest­grö­ße von 10 000 Hekt­ar, am En­de kein aus­schlag­ge­ben­der Fak­tor zu sein scheint.

Die Ver­hält­nis­se in Berch­tes­ga­den las­sen sich we­gen der na­tur­räum­li­chen Be­son­der­hei­ten zwar nicht als Blau­pau­se auf die Do­nauAu­en über­tra­gen, den­noch las­sen sich Rück­schlüs­se aus der Ent­wick­lungs­ge­schich­te schlie­ßen. „Der Na­tio­nal­park ist ei­ne Be­rei­che­rung, wir pro­fi­tie­ren al­le da­von“, er­klär­te Ge­org Gr­ab­ner, Land­rat des Berch­tes­ga­de­ner Lan­des, an­dern­tags den Gäs­ten beim kom­mu­nal­po­li­ti­schen Aus­tausch im Haus der Ber­ge. 43 Pro­zent des Land­krei­ses sei­en heute ge­schütz­te Flä­che, ein Mus­ter­bei­spiel für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung. „Na­tur se­hen, hö­ren, füh­len, schme­cken und be­greif­bar ma­chen“– das ist das Mot­to des 21,5 Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Info- und Bil­dungs­zen­trums, das 2013 er­öff­net wor­den ist. Fi­nan­ziert wur­de das Haus der Ber­ge vom Frei­staat, der Eu­ro­päi­schen Uni­on so­wie pri­va­ten Spon­so­ren und För­de­rern.

„Ein Ju­wel“, freut sich Gr­ab­ner. Lan­ge Zeit ha­be er ge­ha­dert, weil man sich im Berch­tes­ga­de­ner Land be­nach­tei­ligt fühl­te. „Uns fixt es an, wenn der Na­tio­nal­park Baye­ri­scher Wald vom Geld und Per­so­nal bes­ser aus­ge­stat­tet wird.“Das Bud­get dort ist dop­pelt so hoch. „Es gibt ei­ne rie­sen Nach­fra­ge nach Füh­run­gen und wir kön­nen nicht al­les ab­de­cken, was wir wol­len.“Den­noch ou­te­te sich Gr­ab­ner nicht als Geg­ner ei­nes drit­ten Na­tio­nal­parks. „Ich würd’ ih­nen das gön­nen, ich den­ke, das Geld ist im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um da­für da.“Mit am Tisch sa­ßen auch noch die Bür­ger­meis­ter aus zwei Na­tio­nal­park­ge­mein­den, Franz Rasp aus Berch­tes­ga­den und Han­nes Rasp (sie­he ne­ben­ste­hen­der Be­richt) aus Schö­nau am Kö­nigs­see. Letz­te­re hat ei­ne Flä­che von 131 Qua­drat­ki­lo­me­tern, da­von lie­gen nur 13 Qua­drat­ki­lo­me­ter nicht im Park. Das sei aber kei­ne Hy­po­thek, „Gott sei Dank lie­gen un­se­re Ber­ge fast al­le im Na­tio­nal­park“, so Rasp. Nur der Jen­ner nicht, der mit ei­ner Seil­bahn er­schlos­sen ist. Sie wird gera­de er­neu­ert und 2018 wie­der­er­öff­net. „Le­gen Sie die Gren­zen vor­her ganz genau fest, Nut­zungs­an­sprü­che än­dern sich“, lau­te­te sein Tipp. Fest­ge­schrie­ben in der Na­tio­nal­park­ver­ord­nung sind Nut­zungs­an­sprü­che, so gibt es in der Pfle­ge­zo­ne nach wie vor 25 Al­men mit 52 Be­rech­tig­ten. „Da ist nichts weg­ge­kom­men“, ver­si­cher­te Na­tio­nal­park­lei­ter Micha­el Vo­gel. Die Ver­wal­tung ist zu­gleich Un­te­re Jagd­und Na­tur­schutz­be­hör­de, ei­ne strik­te Re­gu­lie­rung des Scha­len­wilds wer­de ge­treu dem Mot­to „Wald vor Wild“be­trie­ben. Es gibt drei Be­rufs­jä­ger und drei Re­vier­lei­ter, die die Gams, Re­hund Rot­wild­be­stän­de seit En­de der 70er-Jah­re im ehe­ma­li­gen Hof­jagd­ge­biet dras­tisch re­du­ziert ha­ben. (nel)

Fo­to: Na­tio­nal­park Berch­tes­ga­den

Das be­kann­te Edel­weiß wächst im Na­tio­nal­park Berch­tes­ga den.

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