Der Strom­zäh­ler wird digital

Ener­gie In Haus­hal­te und Fir­men zieht ei­ne neue Tech­nik ein. Wann die Um­stel­lung kommt, was sie bringt und was sie kos­tet

Donauwoerther Zeitung - - Geld & Leben - VON MICHA­EL KERLER

Augs­burg Bis­her war es ein fes­ter Ter­min im Ka­len­der: Ein Mit­ar­bei­ter des Ener­gie­an­bie­ters kam ins Haus, um den Strom­zäh­ler ab­zu­le­sen. Das wird bald Ge­schich­te sein. Denn die al­ten, schwar­zen Zäh­ler wer­den durch di­gi­ta­le er­setzt, die den Ver­brauch di­rekt an den An­bie­ter mel­den. Wenn es so­weit ist, wer­den Haus­hal­te und Fir­men in un­se­rer Re­gi­on Post be­kom­men. Wir er­klä­ren, wie der Tausch ab­läuft und was er kos­tet.

War­um wer­den die Strom­zäh­ler über­haupt aus­ge­tauscht?

Der Grund ist die Ener­gie­wen­de. Viel Strom wird aus Son­ne und Wind er­zeugt. Doch die Er­zeu­gung schwankt. Jetzt sol­len die Ener­gie­net­ze in­tel­li­gen­ter wer­den, um Schwan­kun­gen aus­glei­chen zu kön­nen. „Die in­tel­li­gen­ten Strom­zäh­ler sind ein we­sent­li­cher Baustein der Ener­gie­wen­de“, sagt Man­fred Lux, Ge­schäfts­füh­rer des zu den Lech­wer­ken ge­hö­ren­den Un­ter­neh­mens LEW Ver­teil­netz. Die Netz­be­trei­ber kön­nen in Zu­kunft über die in­tel­li­gen­ten Zäh­ler In­for­ma­tio­nen er­hal­ten, wie der Strom ak­tu­ell fließt. Vor­an­ge­trie­ben hat die Um­stel­lung der Bund: Ba­sis sei das im Sep­tem­ber 2016 in Kraft ge­tre­te­ne Mess­stel­len­be­triebs­ge­setz, er­klärt Oli­ver Scho­ber von Erd­gas Schwa­ben. Es sieht die Ein­füh­rung der neu­en Zäh­ler ab die­sem Jahr vor.

Wer tauscht die Zäh­ler aus?

Zu­stän­dig sind die Be­trei­ber der Zäh­ler. In wei­ten Tei­len un­se­rer Re­gi­on ist dies das Un­ter­neh­men LEW Ver­teil­netz. Da­ne­ben gibt es zum Bei­spiel auch das All­gäu­er Über­land­werk, die Stadt­wer­ke Augs­burg oder die Ver­ei­nig­ten Wertach-Elek­tri­zi­täts­wer­ke. Die Be­trei­ber der Mess­stel­len sind für den Ein­bau, die War­tung und den Be­trieb der Zäh­ler zu­stän­dig. An­de­re An­bie­ter, die kei­ne Netz­be­trei­ber sind, bie­ten di­gi­ta­le Strom­zäh­ler ih­ren Kun­den aber als Ser­vice an. Da­zu ge­hört zum Bei­spiel Erd­gas Schwa­ben.

Wer be­kommt die neu­en Zäh­ler?

„Der Ein­bau der di­gi­ta­len Strom­zäh­ler ist für je­den Strom­kun­den vor­ge­se­hen“, er­klärt LEW-Ver­teil­netz-Ge­schäfts­füh­rer Lux. Be­trof­fen sind al­so al­le Pri­vat­leu­te und Un­ter­neh­men.

Wie se­hen die neu­en Zäh­ler aus und war­um gibt es zwei Va­ri­an­ten?

Die neu­en Zäh­ler sind meist aus grau­em Kunst­stoff und ha­ben ei­ne di­gi­ta­le An­zei­ge. Da­bei gibt es zwei Va­ri­an­ten. Prak­tisch ei­ne Ba­sis-Ver­si­on und ein leis­tungs­fä­hi­ge­res Sys­tem. Wer wel­chen Zäh­ler be­kommt, hängt vom Strom­ver­brauch ab.

Wie sieht die Ba­sis-Ver­si­on aus und wer be­kommt sie?

Ein ein­fa­cher di­gi­ta­ler Strom­zäh­ler misst wie bis­her auch den Strom­ver- brauch. Der Ver­brauch wird aber trans­pa­ren­ter als bis­her, sagt LEWFach­mann Lux. Das auch als „mo­der­ne Mess­ein­rich­tung“be­zeich­ne­te Ge­rät zeigt den Strom­ver­brauch ta­ges-, mo­nats- und jah­res­wei­se an. Die Wer­te wer­den zu­dem 24 Mo­na­te ge­spei­chert. Seit 2010 wer­den die Ge­rä­te be­reits in ähn­li­cher Form in Neu­bau­ten ein­ge­setzt, sagt Lux. Der ein­fa­che di­gi­ta­le Strom­zäh­ler ist für al­le Kun­den vor­ge­se­hen, de­ren Ver­brauch un­ter 6000 Ki­lo­watt­stun­den im Jahr liegt oder die ei­ne Ein­spei­se­an­la­ge – zum Bei­spiel Fo­to­vol­ta­ik – mit we­ni­ger als sie­ben Ki­lo­watt Leis­tung be­trei­ben. Das sind die meis­ten Pri­vat­haus­hal­te in Ein­oder Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern.

Wann kom­men die neu­en Zäh­ler?

Die Ein­füh­rung hat be­reits be­gon­nen, er­folgt schritt­wei­se und wird sich über vie­le Jah­re er­stre­cken. Im LEW-Ge­biet gibt es rund 600 000 Strom­zäh­ler. Die­ses Jahr sol­len die ers­ten 6000 Haus­hal­te mit di­gi­ta­len Zäh­lern aus­ge­stat­tet wer­den, er­klärt Lux. Im nächs­ten Jahr ist die Um­rüs­tung 30 000 wei­te­rer Haus­hal­te ge­plant. Wer neu baut oder wes­sen Strom­zäh­ler rou­ti­ne­mä­ßig aus­ge­tauscht wer­den muss, be­kom­me ein neu­es Ge­rät, er­klärt Lux. Bis zum Jahr 2032 sol­len dann al­le Ver­brau­cher mit we­ni­ger als 6000 Ki­lo­watt­stun­den Jah­res­ver­brauch ei­nen di­gi­ta­len Strom­zäh­ler ha­ben. Die al­ten, schwar­zen Fer­ra­ris-Zäh­ler wird es dann nicht mehr ge­ben.

Und wie sieht das leis­tungs­fä­hi­ge­re Sys­tem aus und wer be­kommt es?

Hier kommt zum Strom­zäh­ler noch ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­heit hin­zu, ein „Ga­te­way“. Es über­trägt die Zäh­ler­da­ten au­to­ma­tisch und ver­schlüs­selt an ei­nen Ad­mi­nis­tra­tor, der auf die Ver­wal­tung der Da­ten spe­zia­li­siert ist. Die­ses „in­tel­li­gen­te Mess­sys­tem“be­kommt, wer mehr als 6000 Ki­lo­watt­stun­den im Jahr ver­braucht oder ei­ne Ein­spei­se­an­la­ge mit mehr als sie­ben Ki­lo­watt in­stal­lier­ter Leis­tung be­treibt. Dies sind zum Bei­spiel land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be oder Fir­men, Pri­vat­haus­hal­te hin­ge­gen er­rei­chen die­sen Jah­res­ver­brauch in der Re­gel nicht.

Wie sieht die Ein­füh­rung die­ser leis­tungs­fä­hi­ge­ren Zäh­ler aus?

Frü­hes­tens An­fang 2018 wol­len die Lech­wer­ke be­gin­nen, Ver­brau­cher da­mit aus­zu­stat­ten, die ei­nen Jah­res­ver­brauch über 10000 Ki­lo­watt­stun­den ha­ben oder zum Bei­spiel ei­ne Fo­to­vol­ta­ik-An­la­ge mit mehr als sie­ben Ki­lo­watt Leis­tung be­trei­ben. Ab 2020 fol­gen dann die Bür­ger und Be­trie­be, de­ren Jah­res­ver­brauch zwi­schen 6000 und 10 000 Ki­lo­watt­stun­den liegt, er­klärt Lux.

Was kos­ten die di­gi­ta­len Strom­zäh­ler den Ver­brau­cher?

Der Ein­bau der Zäh­ler kos­tet den Ver­brau­cher nichts. Für den Be­trieb der di­gi­ta­len Zäh­ler hat der Ge­setz­ge­ber Preis­ober­gren­zen fest­ge­legt, die wie­der­um vom Strom­ver­brauch ab­hän­gen. Wer nur den ein­fa­chen di­gi­ta­len Strom­zäh­ler be­kommt, zah­le laut Preis­ober­gren­ze ma­xi­mal 20 Eu­ro im Jahr, er­klärt Lux. Zum Ver­gleich: Ein Fer­ra­ris-Zäh­ler schlägt im Netz­ge­biet der Lech­wer­ke heu­te mit rund 13 Eu­ro zu Bu­che. Für al­le, die nicht nur den ein­fa­chen di­gi­ta­len Strom­zäh­ler be­kom­men, son­dern auch das Ga­te­way, be­tra­gen die Preis­ober­gren­zen zwi­schen 100 und 200 Eu­ro im Jahr, ab­hän­gig von Strom­ver­brauch bzw. in­stal­lier­ter Leis­tung der Ein­spei­se­an­la­ge. Wer sich als Pri­vat­kun­de frei­wil­lig für das leis­tungs­fä­hi­ge­re Sys­tem mit Ga­te­way ent­schei­det, kommt auf 23 bis 60 Eu­ro.

Wie sieht es mit dem Da­ten­schutz aus?

„Al­le Da­ten wer­den ver­trau­lich, mit größ­ter Sorg­falt und höchs­ten Si­cher­heits­stan­dards be­han­delt“, sagt Lux. Die LEW hat mit an­de­ren re­gio­na­len Part­nern für die Ver­wal­tung der Da­ten das Un­ter­neh­men „Me­te­ring Süd“ge­grün­det. Es dür­fen nur sol­che Da­ten zum Bei­spiel an die Strom­an­bie­ter wei­ter­ge­ge­ben wer­den, die die­se für ih­ren Ser­vice brau­chen, sagt Lux.

Es gab Be­rich­te, dass di­gi­ta­le Strom­zäh­ler den Ver­brauch nur un­ge­nau mes­sen – meist zu hoch. Was ist da­von zu hal­ten?

LEW-Fach­mann Lux kann die­se Er­fah­run­gen nicht be­stä­ti­gen. „Zäh­ler, die wir bis­her ein­ge­baut ha­ben, mes­sen ein­wand­frei“, sagt er. Die Ge­rä­te müs­sen zu­ge­las­sen und zer­ti­fi­ziert wer­den.

Wel­che Vor­tei­le hat ein di­gi­ta­ler Zäh­ler für den Kun­den?

Zum ei­nen sieht der Kun­de bes­ser, wann er wie viel Strom ver­braucht, er­klärt Lux. „Ziel ist die Ein­spa­rung von Ener­gie“, sagt Oli­ver Scho­ber von Erd­gas Schwa­ben. Der Ver­brauch wird da­durch leich­ter rück­ver­folg­bar. Kom­men Kun­den zum Bei­spiel aus dem Ur­laub zu­rück und se­hen, dass in der Zwi­schen­zeit ihr Strom­ver­brauch hoch war, kön­nen sie der Ur­sa­che auf dem Grund ge­hen. Zum an­de­ren sei­en di­gi­ta­le Zäh­ler die Ba­sis, da­mit Strom­an­bie­ter Ta­ri­fe an­bie­ten kön­nen, die den Strom bil­li­ger ma­chen, wenn er im Über­fluss vor­han­den ist. Dann ren­tiert es sich zum Bei­spiel, die Wasch­ma­schi­ne lau­fen zu las­sen oder den Warm­was­ser­spei­cher auf­zu­hei­zen, wenn mit­tags viel Son­nen­strom pro­du­ziert wird. Bei Erd­gas Schwa­ben sieht man die di­gi­ta­len Zäh­ler auch als Chan­ce, um neue „Mie­ter­strom­mo­del­le“um­zu­set­zen. Da­bei wird güns­ti­ger Strom aus ei­ner Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge, ei­ner Brenn­stoff­zel­le oder ei­nem Block­heiz­kraft­werk güns­tig an die Mie­ter ab­ge­ge­ben.

Fo­tos: Chris­ti­na Blei­er, LEW

In Haus­hal­te und Fir­men zieht in den nächs­ten Jah­ren ei­ne neue Tech­nik ein: Di­gi­ta­le Strom­zäh­ler gel­ten als ein Schritt, um die Ener­gie­wen­de vor­an­zu­brin­gen.

Flie­gen raus: Die be­kann­ten schwar­zen Zäh­ler.

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