We­nig Hoff­nung bei Asyl­be­wer­ber Sa­ber Qur­ba­ni

Jus­tiz Dem Af­gha­nen droht die Ab­schie­bung. Die Zwil­lings­schwes­ter darf blei­ben. Ver­wal­tungs­ge­richt ver­han­delt den Fall

Donauwoerther Zeitung - - Donauwörth - VON CHRIS­TI­AN MÜHLHAUSE

Do­nau­wörth/Augs­burg Die Ver­hand­lung des Af­gha­nen Sa­ber Qur­ba­ni, des­sen Asyl­an­trag ab­ge­lehnt wur­de, vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg war ges­tern fast schon wie­der zu En­de, be­vor sie rich­tig be­gon­nen hat­te. Der An­walt des jun­gen Af­gha­nen er­schien nicht. „Ich er­rei­che ihn nicht. Er geht nicht ans Te­le­fon“, so Qur­ba­ni.

Rich­ter Jörg Sin­ger äu­ßer­te sich skep­tisch, ob der Pro­zess über­haupt statt­fin­den soll­te. „Es gibt er­heb­li­che Wi­der­sprü­che in­ner­halb der Aus­sa­gen, die Sie, Ih­re Schwes­ter und Ih­re El­tern bei der Be­fra­gung durch das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) ge­macht ha­ben. Wenn wir den Fall heu­te be­spre­chen, bin ich mir nicht si­cher, ob das po­si­tiv für Sie aus­geht.“Der Fall sorg­te vor ei­ni­gen Mo­na­ten für gro­ßes Auf­se­hen. Qur­ba­ni soll nach Af­gha­nis­tan ab­ge­scho­ben wer­den, wäh­rend Li­na, die Zwil­lings­schwes­ter, blei­ben darf (wir be­rich­te­ten).

Qur­ba­ni woll­te ges­tern trotz­dem, dass das Ver­fah­ren statt­fin­det. Er sag­te, dass ei­ne an­de­re Fa­mi­lie un­be­dingt ih­ren Sohn mit sei­ner Schwes­ter ver­hei­ra­ten woll­te, ihm des­we­gen auch ein Mes­ser an den Hals hielt und ei­nen Bu­ben aus der Ver­wandt­schaft tö­te­te. Das ei­gent­li­che Ziel sei aber sein klei­ner Bru­der ge­we­sen, ha­be die Fa­mi­lie hin­ter­her er­fah­ren. Die Qur­ba­nis ver­kauf­ten ihr Haus, um die Flucht zu fi­nan­zie­ren, und ka­men im Ja­nu­ar 2015 in Deutsch­land an.

„War­um ha­ben Sie denn in der An­hö­rung beim Mi­nis­te­ri­um nichts von dem Mord an dem Jun­gen er­zählt, an­ders als Ih­re Schwes­ter?“, woll­te der Rich­ter wis­sen. Die Be­fra­ger hät­ten nur wis­sen wol­len, war­um er flüch­te­te, des­we­gen ha­be er auch nur über sich ge­re­det, so der Qur­ba­ni. Sin­ger in­ter­es­sie­re sich zu­dem da­für, war­um der jun­ge Mann die Be­weis­fo­tos, die er be­sit­ze, nicht beim BAMF vor­ge­zeigt hat­te. „Das ha­be ich ge­tan. Sie ha­ben mir aber un­ter­stellt, ich hät­te die aus dem In­ter­net her­un­ter­ge­la­den.“Sin­ger hak­te auch nach, war­um Qur­ba­ni bei der gest­ri­gen Be­fra­gung vor Ge­richt an­gab, den Kopf des ge­tö­te­ten jun­gen Ver­wand­ten hät­ten Kin­der auf ei­ner Müll­de­po­nie ge­fun­den, die Schwes­ter beim BAMF aber an­gab, er sei in der Wüs­te ge­fun­den wor­den. Dort ge­be es kei­ne Wohn­be­bau­ung, al­so sei es Wüs­te und die Aus­sa­ge sei­ner Schwes­ter kein Wi­der­spruch, so Qur­ba­ni.

Klä­rungs­be­darf sah der Rich­ter auch bei den zeit­li­chen Ab­läu­fen. „Wann sind Sie denn in Af­gha­nis­tan auf­ge­bro­chen?“Das sei kurz vor dem Op­fer­fest ge­we­sen, al­so Mit­te Au­gust oder An­fang Sep­tem­ber, so der Asyl­be­wer­ber. Sei­ne Schwes­ter al­ler­dings gab in ih­rer An­hö­rung den 1. Ok­to­ber 2014 an. Der Af­gha­ne gab mehr­fach an, un­ter Ge­dächt­nis­lü­cken zu lei­den. Die Ab­leh­nung sei­nes An­trags vor ei­nem Jahr hät­ten die­se Pro­ble­me aus­ge­löst.

Der Rich­ter for­der­te Qur­ba­ni auf, mit­zu­hel­fen, Pa­pie­re zu be­sor­gen, die ihn klar iden­ti­fi­zie­ren. Er ha­be die­se bei der Über­fahrt von der Tür­kei nach Grie­chen­land ver­lo­ren, als das Schlauch­boot kurz vor der Küs­te ge­sun­ken sei, sagt er. Der Va­ter ha­be aber noch Do­ku­men­te, die zur Klä­rung ge­nutzt wer­den könn­ten, so der Rich­ter. „Es wä­re schon mög­lich, al­ler­dings wer­de ich ja ab­ge­scho­ben, so­bald ich das Do­ku­ment vor­le­ge“, be­klag­te der Af­gha­ne. Ein si­che­res Le­ben sei der­zeit nir­gends in Af­gha­nis­tan mög­lich, be­ton­te er – und zähl­te di­ver­se At­ten­ta­te der ver­gan­ge­nen Ta­ge auf.

Rich­ter Sin­ger emp­fahl ihm, dem An­trag sei­nes An­wal­tes zu fol­gen. Die­ser for­der­te in ei­nem Schrei­ben die An­er­ken­nung als Flücht­ling oder wahl­wei­se ei­nen sub­si­diä­ren Schutz oder ei­nen Ab­schie­be­stopp zu ge­wäh­ren. Das tat Qur­ba­ni. Das Ur­teil wird vor­aus­sicht­lich kom­men­de Wo­che fal­len. Der Rich­ter will erst noch ein­mal al­le In­for­ma­tio­nen ab­wä­gen.

Der Rich­ter gab ab­schlie­ßend zwei Tipps: „Hel­fen Sie bei Ih­rer Iden­ti­fi­ka­ti­on und be­sor­gen Sie sich ei­ne Lehr­stel­le, dann ha­ben Sie viel­leicht ei­ne Chan­ce.“Der Af­gha­ne war nach der Ver­hand­lung ge­knickt. „Ich ha­be we­nig Hoff­nung.“

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