Rei­se in die gu­te, al­te Zeit der Land­wirt­schaft

Feld­ta­ge War­um Tau­sen­de von Be­su­chern in zwei Ort­schaf­ten Nost­al­gie er­le­ben wol­len

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis - VON HEL­MUT BIS­SIN­GER

Mer­tin­gen/Tapf­heim Ret­tin­gen Die gan­ze Mü­he wä­re um­sonst ge­we­sen, wenn nicht doch noch die Son­ne die al­ten „Schätz­chen“ins rich­ti­ge Licht ge­rückt hät­te. Um­so mehr strahl­ten die Ver­an­stal­ter und die Aus­stel­ler: Tau­sen­de von Be­su­chern ström­ten am Wo­che­n­en­de nach Mer­tin­gen und Ret­tin­gen, um in die gu­te, al­te Zeit der Land­wirt­schaft ein­zu­tau­chen. Die Feld- und Ener­gie­ta­ge in bei­den Or­ten ent­wi­ckel­ten sich bei idea­len Rah­men­be­din­gun­gen zu Be­su­cher­ma­gne­ten.

Her­aus­putzt wie nach der Be­hand­lung in ei­nem Schön­heits­sa­lon ste­hen sie auf ei­nem Stop­pel­feld zwi­schen Mer­tin­gen und Lau­ter­bach. Die Äl­te­ren er­in­nern sich an an­no da­zu­mal, die Jün­ge­ren zei­gen ih­ren Kin­dern, wie „da­mals al­les funk­tio­niert hat“. Da­bei wird so­fort deut­lich, wel­chen Struk­tur­wan­del die Land­wirt­schaft er­lebt hat, zu­mal ein paar Schrit­te ne­ben den Ur­al­tBull­dogs ein neu­es PS-star­kes Mo­dell steht – drei­mal so groß, ein wah­res Mons­ter.

Die Bull­dog- und Old­tim­er­freun­de in Mer­tin­gen hat­ten bis zu­letzt um gu­tes Wetter ge­bangt. Sie hat­ten ih­re Mit­glie­der ak­ti­viert, ih­re Ra­ri­tä­ten aus Sta­deln, Schup­pen und Ga­ra­gen zu ho­len. Da stand er dann, der eins­ti­ge „Hoch­adel“deut­scher Schlep­per­herr­lich­keit: Ei­cher, Kra­mer, Hatz, Fahr, Ha­no­mag, Gudl­ner, Lanz, MAN, Deutz, Bautz, Schü­ler, Por­sche und All­gai­er. Sie sind von den Fel­dern des 21. Jahr­hun­derts fast ver­schwun­den, doch ver­ges­sen sind sie kei­nes­wegs. Ne­ben den Schlep­pern wer­den auch zahl­rei­che Ge­rä­te prä­sen­tiert, die einst in der Land­wirt­schaft ein­ge­setzt wur­den. In Scha­ren stamp­fen Neu­gie­ri­gen über das Stop­pel­feld, um viel­leicht ih­rem Nach­wuchs auch ein­mal zu er­mög­li­chen, in ei­nem al­ten Lanz zu sit­zen. Aus dem wei­ten Um­kreis wa­ren die Bull­dog-Be­sit­zer ge­kom­men, um ih­ren gan­zen Stolz zu zei­gen.

Auch die Feld- und Ener­gie­ta­ge auf dem Hof­gut der Bäldleschwaige in Ret­tin­gen zo­gen ges­tern die Mas­sen an. Dort gibt es al­ler­dings nicht so vie­le al­te Bull­dogs zu se­hen, da­für aber ei­nen Floh-, ei­nen Tier­markt und so vie­ler­lei At­trak­tio­nen. So man­cher Trak­tor­be­sit­zer hat es of­fen­bar vor­ge­zo­gen, bei den Feld­ta­die gen in Mer­tin­gen da­bei zu sein. Das schmä­lert aber den Reiz auf der Bäldleschwaige nicht, weil dort ein brei­tes An­ge­bot lockt und der Cha­rak­ter deut­lich an­ders ist.

Ob es nun in Mer­tin­gen oder Ret­tin­gen war: Der gro­ße Zu­spruch hat ein­mal mehr be­wie­sen, dass die Men­schen das Er­leb­nis lie­ben, in ei­nem „Mu­se­um un­ter frei­em Him­mel“die Ge­schich­te le­ben­dig wer­den zu las­sen. Und die Be­sit­zer der Ra­ri­tä­ten se­hen sich für ih­re Mü­he be­lohnt, ih­re Ge­fähr­te mit viel Lei­den­schaft das Jahr über in Schuss zu hal­ten.

Fotos: Hel­mut Bis­sin­ger

Ob Lanz oder All­gai­er, ob Fahr oder Ei­cher: Die al­ten Bull­dogs wa­ren in Mer­tin­gen präch­tig her­aus­ge­putzt und fan­den am Wo­che­n­en­de vie­le Be­wun­de­rer. Es gab zahl­rei­che Ra­ri­tä­ten zu ent­de­cken: vom po­lier­ten Trak­tor über ei­ne al­te Rüben­ern­te­ma­schi­ne bis hin zum ge­ra­de frisch la­ckier­ten Mo­tor­rad Old­ti­mer.

Die Floh­markt Händ­ler an der Bäldleschwaige hat­ten vie­les aus der gu­ten al­ten Zeit im An­ge­bot.

Es durf­te über an­no da­zu­mal gestaunt wer­den: So man­ches De­tail ent­deck­ten die Be su­cher der Feld­ta­ge oft erst auf den zwei­ten Blick.

Aus al­len Rich­tun­gen ka­men die Fah­rer der Old­ti­mer Schlep­per nach Mer­tin­gen und Ret­tin­gen. So bot sich auch auf den Stra­ßen ein bun­tes Bild.

Auf­ge­hüb­scht: Blu­men­schmuck an ei nem al­ten Lanz.

Ein ech­ter Hin­gu­cker: Traum­frau am Sul zer Schlep­per Küh­ler.

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