Falsch adres­sier­te Kri­tik

Donauwoerther Zeitung - - Bayern - VON BEN­JA­MIN REIF ben­ja­min.reif@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Über Nacht war Wer­tin­gen vor zehn Jah­ren in die bun­des­wei­ten Schlag­zei­len ge­ra­ten. Von der klei­nen Stadt an der Zu­sam aus wur­den vie­le Ton­nen Flei­sch­ab­fäl­le durch Eu­ro­pa ge­schickt, um dort auf den Tel­lern der Bür­ger und nicht im Hun­den­apf zu lan­den.

Dem Dil­lin­ger Land­rats­amt und spe­zi­ell den Kon­trol­leu­ren des Ve­te­ri­när­am­tes wur­de vor­ge­wor­fen, sie hät­ten zu lasch und un­auf­merk­sam über­wacht. Land­rat Leo Sch­rell ver­tei­dig­te sei­ne Mit­ar­bei­ter: Mit stich­pro­ben­ar­ti­gen Kon­trol­len könn­ten kri­mi­nel­le Händ­ler nicht ge­stoppt wer­den. Man müss­te sie prak­tisch bei der Tat selbst er­wi­schen, wenn sie nicht den dum­men Feh­ler mach­ten, das Fleisch ein­zu­la­gern. Sch­rell hat­te da­mals völ­lig recht. Si­cher war es nicht die Schuld der Kon­trol­leu­re, dass der Ekel­fleisch­han­del von Wer­tin­gen aus flo­rier­te. In auf­ge­la­de­nen Si­tua­tio­nen wie dem Ekel­fleisch­skan­dal ist es für uns al­le wich­tig, vor pau­scha­ler Kri­tik zu über­le­gen, ob sie rich­tig adres­siert ist.

Das Kon­troll­sys­tem an sich muss­te über­ar­bei­tet wer­den. Das ist ge­sche­hen. Doch gibt es wei­ter­hin Le­bens­mit­tel­skan­da­le, wie den um die Fir­ma Bay­ern-Ei. Die neue Be­hör­de, die zum Jah­res­wech­sel ih­re Ar­beit be­ginnt, hat nun die ge­wal­ti­ge Auf­ga­be, das Ver­trau­en in den Ver­brau­cher­schutz wie­der her­zu­stel­len.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.