Ein gan­zer Wald ist in Ge­fahr

Na­tur Das Eschen­triebst­er­ben be­rei­tet den Wald­be­sit­zern größ­te Sor­gen. Wes­halb der Schäd­ling nicht be­kämpft werden kann und welche Al­ter­na­tiv­lö­sun­gen nun hel­fen könn­ten

Donauwoerther Zeitung - - Erste Seite - VON DA­NI­EL DOLLINGER

Das Eschen­triebst­er­ben be­rei­tet größ­te Sor­ge. Der Vor­sit­zen­de ei­ner Wald­be­sitz­er­ge­mein­schaft schil­dert die Tra­gö­die.

Land­kreis Pe­ter Schuh­la­den, Vor­sit­zen­der der Wald­ge­mein­schaft Feld­heim, ist mehr als be­sorgt. Ein ge­fähr­li­cher Pilz be­droht knapp 80 Pro­zent des Be­stan­des der Wald­ge­mein­schaft. Denn der Groß­teil des rund 88 Hekt­ar gro­ßen Ge­biets be­steht aus Eschen. Und die­se Baum­art ist im Do­nau-Au­wald gera­de von ih­rer „Exis­tenz be­droht“, sagt Pe­ter Birk­holz, der beim Amt für Er­näh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten (AELF) für den Be­reich Forst zu­stän­dig ist.

Seit zehn bis 15 Jah­ren tritt die­ser Pilz, das „Fal­sche Wei­ße Sten­gel­be­cher­chen“, in Deutsch­land auf, erst­mals wur­de die­se Baum­krank­heit in Bay­ern im Herbst 2008 ent­deckt. Ur­sprüng­lich stammt der Pilz wohl aus Ja­pan, und kam laut Birk­holz aus dem Os­ten nach Bay­ern. Ge­gen ei­nen Be­fall der Esche durch den Schäd­ling ist man macht­los, sagt der Ex­per­te. „Der Pilz fängt au­ßen an, be­fällt zu­erst die jüngs­ten Äs­te. Und un­se­re Eschen sind dar­auf nicht ein­ge­stellt“, er­klärt Birk­holz. An­ders als an­de­re Schäd­lin­ge wächst die­ser in den Ast wei­ter, der dar­auf­hin ab­stirbt. Auf die­se Wei­se bahnt sich der Pilz sei­nen Weg ins In­ne­re der Baum­kro­ne. „Suk­zes­si­ve stirbt der Baum da­mit ab. Und weil er durch den Pilz schon ge­schwächt ist, kom­men auch an­de­re Schäd­lin­ge, wie zum Bei­spiel der Eschen­bast­kä­fer“, be­schreibt Birk­holz.

Ein war­mes, feuch­tes Kli­ma sei ide­al für den Pilz, um sich aus­zu­brei­ten. Und die klei­nen Spo­ren nut­zen den Auf­wind, um sich an den Äs­ten an­zu­sie­deln. „Selbst wenn im Herbst die Blät­ter ab­ge­fal­len sind, kann der Baum im kom­men­den Jahr schon wie­der be­fal­len werden“, sagt Birk­holz.

Das führt da­zu, dass die Wald­be- sit­zer die be­fal­le­nen Bäu­me nur noch ent­fer­nen kön­nen, sagt Schuh­la­den. Denn die Si­che­rung der Wald­we­ge ste­he im Vor­der­grund und sei drin­gend not­wen­dig. „Die to­ten Äs­te kön­nen ur­plötz­lich ab­bre­chen und fal­len dann un­kon­trol­liert her­ab“, er­klärt Birk­holz. Gera­de bei win­di­gen Be­din­gun­gen sei ein Spa­zier­gang durch den Wald des­halb nicht zu emp­feh­len. Laut Birk­holz sind die Äs­te so­gar so schwer, dass selbst ein Helm nicht schüt­zen kön­ne.

Für Schuh­la­den ist das ei­ne Tra­gö­die. „Als ich vor ei­ni­gen Jah­ren das Amt als Vor­sit­zen­der der Wald­ge­mein­schaft über­nom­men ha­be, bin ich mit mei­nem Vor­gän­ger durch den Wald ge­gan­gen. Die Si­tua­ti­on war ein Traum“, sagt er. Die Bäu­me soll­ten in rund 40 Jah­ren groß ge­wach­sen sein und der Wald­ge­mein­schaft gu­te Ein­nah­men ein­brin­gen. Wenn nun aber die Eschen be­reits nach ei­ni­gen Jah­ren auf­grund der Er­kran­kung ge­fällt werden müs­sen, brin­gen sie we­ni­ger Er­trag. Auch das Holz ist qua­li­ta­tiv nicht so gut. Man be­fin­de sich in ei­nem Teu­fels­kreis. Ein­nah­men sind ge­rin­ger, ei­ne Auf­fors­tung ist aber ja trotz­dem not­wen­dig. „Wir wol­len ja wirt­schaf­ten“, sagt der Vor­sit­zen­de. Das ist aber auch mit Zeit­auf­wand ver­bun­den. Es sei schwer, Frei­wil­li­ge zu fin­den, die im Som­mer vier St­un­den lang im Wald ste­hen und den Bo­den mit ei­ner Sen­se von Un­kraut und Sträu­chern zu be­frei­en, klagt Schuh­la­den.

Doch welche Bäu­me die­nen bei ei­ner Neu­be­pflan­zung nun als Al­ter­na­ti­ven für die Esche? Für Birk­holz ist die­se Fra­ge nicht so ein­fach zu be­ant­wor­ten. Durch die fort­schrei­ten­de Glo­ba­li­sie­rung wer­de das Ri­si­ko nicht ge­rin­ger, dass neue, bis da­to hier­zu­lan­de un­be­kann­te Schäd­lin­ge, sich aus­brei­ten. Auf je­den Fall emp­fiehlt der Ex­per­te vom AELF ei­ne Misch­be­pflan­zung, drei bis vier ver­schie­de­ne Baum­ar­ten soll­ten be­tei­ligt sein. Ahorn wür­de sich eig­nen, das zeigt sich be­reits in dem Wald­stück.

Seit­dem die Flüs­se re­gu­liert und da­mit das Ri­si­ko ei­ner Über­schwem­mung deut­lich re­du­ziert wur­de, kom­me der Ahorn bes­ser mit den Be­din­gun­gen zu­recht. Auch ei­ne Ei­che oder Ul­me kä­me in­fra­ge, doch bei letz­te­rer gibt es ein er­höh­tes Ri­si­ko, da ist laut Birk­holz auch be­reits ein Pilz ent­deckt wor­den.

Pe­ter Schuh­la­den und die an­de­ren Mit­glie­der der Wald­ge­mein­schaft Feld­heim wol­len jetzt Jahr für Jahr wei­te­re Flä­chen um­rüs­ten. Nur so kön­ne man das „Heft des Han­delns“ha­ben, meint Birk­holz. Um auch für nach­fol­gen­de Ge­ne­ra­tio­nen ei­nen ge­sun­den Wald­be­stand zu ga­ran­tie­ren.

Fo­tos: Tho­mas Lutz, Da­ni­el Dollinger

Wie Ske­let­te ra­gen die Kro­nen der to­ten Eschen in den Him­mel. Sind die Bäu­me ein­mal vom Pilz be­fal­len, ster­ben sie suk­zes­si­ve ab. Dann bleibt nur noch, sie zu fäl­len. Die Si­tua­ti­on ist dra­ma­tisch, wie Pe­ter Schuh­la­den (rech­tes Fo­to) von der Wald­ge­mein­schaft Feld­heim sagt. Dort ist ein Groß­teil des 88 Hekt­ar gro­ßen Wal­des be­trof­fen.

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