Zu heiß in der Yen­id­ze-Kup­pel! Hit­ze­flucht zu Ali Ba­ba

Dresdner Morgenpost - - KULTUR -

Je­der kennt sie als Bil­di­ko­nen der Mah­nung: die ruß­ge­schwärz­te Sand­stein­fi­gur auf dem Rat­haus­turm über dem Dresd­ner Nach­kriegs-Trüm­mer­meer und den aus Rui­nen auf­ra­gen­den Köl­ner Dom. Zwei Fo­to­gra­fi­en aus zwei Fo­to­bü­chern, die die New York Ti­mes zu den 100 bes­ten der Welt zählt. Die neue Son­der­aus­stel­lung „1945 - Köln und Dres­den“im Stadt­mu­se­um Dres­den wid­met sich den fo­to­gra­fi­schen Schlüs­sel­wer­ken deut­scher Er­in­ne­rungs­kul­tur zum Zwei­ten Welt­krieg.

In zwei par­al­lel ver­lau­fen­den Fo­to­stre­cken ha­ben die Aus­stel­lungs­ma­cher den Bild­band „Dres­den -

ei­ne Ka­me­ra klagt an“von Richard Pe­ter sen. (1895-1977) und Her­mann Claa­sens (1899-1987) „Ge­sang im Feu­er­o­fen“über das zer­stör­te Köln ge­gen­über­ge­stellt. Mit 200 Ori­gi­nal­ab­zü­gen, Kon­takt­bö­gen und Do­ku­men­ten aus den Nach­läs­sen bei­der Fo­to­gra­fen re­kon­stru­iert die Schau die Ent­ste­hungs­ge­schich­te bei­der Bän­de un­ter un­ter­schied­li­chen ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Ver­hält­nis­sen.

Die zu­vor schon im Lan­des­mu­se­um Köln ge­zeig­te Aus­stel­lung soll den Blick über den je­weils ei­ge­nen Er­fah­rungs­ho­ri­zont er­wei­tern. Bei Claa­sen do­mi­nie­ren Fo­to­gra­fi­en des zer­stör­ten Köln, vor al­lem von Kir­chen und sa­kra­len Skulp­tu­ren. Pe­ter zeigt über die Zer­stö­rung hin­aus auch das Le­ben der Men­schen zwi­schen Trüm­mern und den be­gin­nen­den Wie­der­auf­bau. DRES­DEN - Im Win­ter muss die Mär­chen­kup­pel der Yen­id­ze be­heizt wer­den, was im Som­mer nicht nö­tig ist. Wenn die Son­ne zu sehr knallt, müs­sen die Mär­chen­er­zäh­ler so­gar die Flucht an­tre­ten.

„Claa­sens ‚Ge­sang im Feu­er­o­fen‘ stellt die Apo­ca­lyp­se dar und sieht die Er­lö­sung in der Um­kehr zum Glau­ben, wäh­rend Pe­ters Dres­den-Buch die Er­lö­sung durch So­zia­lis­mus pro­pa­giert“, sagt Aus­stel­lungs­ku­ra­tor Jens Bo­ve, Di­rek­tor der Deut­schen Fo­to­thek Dres­den.

Durch den über die Buch­pu­bli­ka­ti­on hin­aus­ge­hen­den Bil­der­fun­dus aus den hin­ter­las­se­nen Ar­chi­ven wer­den so­wohl Bild­aus­wahl wie ver­wen­de­te Bild­aus­schnit­te für den Be­su­cher nach­voll­zieh­bar. Zu­dem kön­nen sie nicht nur in den wert­vol­len Erst­aus­ga­ben von 1947 (Köln) und 1950 (Dres­den) blät­tern, son­dern auch Neu­auf­la­gen nach spä­te­ren Ve­rän­de­run­gen durch­fors­ten.

bis 27. Sep­tem­ber, Di.-So., 10-18; Fr., 10-19 Uhr.

We­gen der er­war­te­ten Tem­pe­ra­tu­ren weit über 30 Grad ver­la­gert die „1001 Mär­chen Gm­bH“ih­ren Stand­ort von Frei­tag bis Mon­tag kur­zer­hand in den Mär­chen­kel­ler „Ali Ba­ba“, ein ara­bi­sches Re­stau­rant an der Wei­ma­ri­schen Stra­ße 6 (Nä­he Pusch­kin­platz). Vier Pro­gram­me ste­hen in den vier Ta­gen, je­weils um 20.30 Uhr, auf dem Spiel­plan: „Don Gio­van­ni - mär­chen­haft“(3.7.), „Nimm Dich in Acht vor den Rän­ken der Frau­en“(4.7.), „Fa­mi­li­en­le­ben in Fla­schen“(5.7.) und „Ero­ti­sche Mär­chen und Ge­schich­ten“(6.7.). Küh­le Tem­pe­ra­tu­ren sind ver­spro­chen, ara­bi­sche Le­cke­rei­en auch.

Die zer­stör­te Ho­hen­zol­lern­brü­cke vor dem Köl­ner Dom 1947. Der Köl­ner Fo­to­graf Her­mann Claa­sen do­ku­men­tier­te die Zer­stö­rung sei­ner Hei­mat­stadt von den ers­ten Bom­bar­de­ments 1942 an, wur­de selbst mehr­mals aus­ge­bombt. Der nach Kriegs­en­de aus Ge­fan­gen­schaft nach Dres­den zu­rück­ge­kehr­te Fo­to­graf Richard Pe­ter sen. zeig­te ne­ben Bil­dern der Zer­stö­rung auch ers­te Be­mü­hun­gen des Wie­der­auf­baus, wie die­se Trüm­mer­frau 1946.

Be­su­che­rin Na­ta­scha Hof­mann (20) ist fas­zi­niert von der ho­hen fo­to­gra­fi­schen Qua­li­tät der Bild­do­ku

men­te. Ei­ne Iko­ne der Nach­kriegs­fo­to­gra­fie:

Der „En­gel“über Dres­den von Richard

Pe­ter sen. zeigt das zer­stör­te Dres­den Rich­tung

Sü­den. Auf dem un­be­schnit­te­nen Ori­gi­nal

en­det das Trüm­mer­meer vor dem süd­li­chen

Ho­ri­zont.

Ein Blick ins „Ali Ba­ba“- hier ist von heu­te an am Wo­che­n­en­de Mär­chen­zeit. Hit­ze­stau un­ter der Yen­id­zeKup­pel. Kein Spiel­be­trieb

mög­lich.

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