Hoch­stap­le­rin woll­te Job im Land­tag

Erst Zeug­nis­se ge­fälscht, dann auch noch auf Ein­stel­lung ge­klagt

Dresdner Morgenpost - - FRONT PAGE -

DRES­DEN - Gut, dass Land­tags­prä­si­dent Mat­thi­as Röß­ler (60, CDU) dar­auf nicht her­ein- ge­fal­len ist: Mit erst­klas­si­gen Zeug­nis­sen woll­te sich Yvon­ne H. (39) ei­ne Stel­le im säch­si-

schen Land­tag si­chern. Doch ein Pro­blem gab es da­bei: All die tol­len Re­fe­ren­zen hat­te die Ar­beits­lo­se ge­fälscht. Noch dreis­ter re­agier­te sie je­doch auf die Ab­sa­ge.

„Ich woll­te mei­ne Chan­cen er­hö­hen“, sag­te die ge­bür­ti­ge Hoy­ers­wer­dae­rin vor dem Dresd­ner Amts­ge­richt. „Aber ich ha­be mich schon in der La­ge ge­fühlt, die­se Ar­beit zu ma­chen.“

Da­mit das auch wirk­lich klappt, leg­te die ein­schlä­gig vor­be­straf­te Be­trü­ge­rin und Ur­kun­den­fäl­sche­rin noch mal Hand an ih­re Zeug­nis­se an: So­gar beim Ab­schluss­zeug­nis der Mit­tel­schu­le wur­de aus der Vier in Rus­sisch, Ma­the und Che­mie ei­ne Eins. Da­zu ver­lieh sie sich selbst die Aus­zeich­nung „Sehr gut“. Au­ßer­dem fälsch­te sie vier Ar­beits­zeug­nis­se, drei Prü­fungs­zeug­nis­se und ei­ne Ur­kun­de des Frei­staa­tes Sach­sen.

Doch die Fäl­schun­gen fie­len auf, mit der Traum­stel­le wur­de es nichts. Das er­zürn­te die Ur­kun­den­fäl­sche­rin so sehr, dass sie den Land­tag we­gen Dis- kri­mi­nie­rung ver­klag­te, denn sie ist seit ei­ner Hüft­Ope­ra­ti­on zur Hälf­te schwer­be­hin­dert. Al­ler­dings zog Yvon­ne die­se Kla­ge schnell wie­der zu­rück. Des­halb stell­te das Ge­richt in die­sem Fall das Ver­fah­ren ein, weil die Stra­fe da­für im Ver­gleich zu den Fäl­schun­gen nicht ins Ge­wicht fal­len wür­de.

Auch hat­te sie nicht nur ge­schwin­delt, son­dern auch noch bei den Er­mitt­lun­gen ei­nen Po­li­zis­ten als „Ar­sch­loch“be­schimpft. Rich­te­rin An­ne­gret Lis­sel (55) ließ noch ein­mal Gna­de wal­ten: zehn Mo­na­te und ei­ne Wo­che auf Be­wäh­rung.

Er soll­te Yvon­nes neu­er Chef wer­den: Land­tags­prä­si­dent Mat­thi­as Röß­ler (60, CDU). Im Land­tag zu ar­bei

ten ist für vie­le ein Traum­job, die meis­ten Be­wer­ber ver­su­chen

es aber ehr­lich.

Die Bü­ro­kauf­frau

Yvon­ne H. (39) schrieb sich ih­re gu­ten Re­fe­ren­zen

ein­fach selbst.

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