Til­lich­spricht Kl­ar­text end­lich

Dresdner Morgenpost - - SACHSEN - Von Ju­lia­ne Mor­gen­roth

DRES­DEN - Un­ge­wöhn­lich deut­li­che Wor­te von Mi­nis­ter­prä­si­dent Sta­nislaw Til­lich (56, CDU): Vor dem Hin­ter­grund ras- sis­ti­scher Pro­tes­te und An­grif­fe hat er Hass und Ge­walt scharf ver­ur­teilt. Für sei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung be­kam er so­gar Ap­plaus von der Op­po­si­ti­on.

Schon lan­ge wer­fen ihm Lin­ke und Grü­ne, aber auch der Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD und Flücht­lings­in­itia­ti­ven vor, frem­den­feind­li­che Vor­fäl­le schlicht aus­zu­sit­zen. Im Land­tag sprach Til­lich nun über­ra­schend klar: „Ras­sis­mus ist ei­ne Schan­de. Ras­sis­mus ist der Nähr­bo­den für Ver­bre­chen.“Er er­war­te, dass al­le in Sach­sen dem ent­schie­den ent­ge­gen­tre­ten.

Men­schen auf der Flucht vor Krieg und Ka­ta­stro­phen müss­ten in Sach­sen gut auf­ge­nom­men wer­den, for­der­te Til­lich. „Und sie ha­ben An­spruch auf ein fai­res Asyl­ver­fah­ren.“Und wei­ter: „Wir fra­gen da­bei nicht zu­erst, wo­her kommt der Mensch, was bringt er mit. Zu­erst bie­ten wir Hil­fe an. Das ist christ­lich. Das ist hu­ma­nis­tisch.“Er äu­ßer­te zu­dem Ver­ständ­nis für die so ge­nann­ten Wirt- schafts­flücht­lin­ge: „Auch sie ha­ben ein Recht dar­auf, ein fai­res Asyl­ver­fah­ren zu be­kom­men.“

Die Staats­re­gie­rung set­ze im Kampf ge­gen Frem­den­feind­lich­keit auf Dia­log. Die­ser müs­se aber or­dent­lich ge­führt wer­den, so Til­lich: „Wer men­schen­feind­lich, ras­sis­tisch oder ex­tre­mis­tisch ist, mit dem spre­che ich nicht.“

Lin­ke-Frak­ti­ons-Chef Ri­co Geb­hardt (52) dank­te Til­lich für sei­ne Wor­te. Er be­zweif­le aber, ob dies Kon­sens in der Sach­sen-CDU sei. Er warf Til­lich vor, zu lan­ge ge­schwie­gen zu ha­ben. Dies sei sym­pto­ma­tisch für das ge­sam­te Re­gie­rungs­han­deln.

„Sach­sen hat ein Pro­blem mit Ras­sis­mus und es ist längst über­fäl­lig, dass wir uns die­sem Pro­blem stel­len“, so auch SPD-Frak­ti­ons­Chef Dirk Pan­ter (41). „Wir müs­sen auf­hö­ren, Din­ge un­ter den Tep­pich zu keh­ren, nur um den schö­nen Schein zu wah­ren.“

„Ras­sis­mus ist ein Nähr­bo­den für Ver­bre­chen“„Auch Wirt­schafts­flücht­lin­ge ha­ben ein Recht auf ein fai­res Ver­fah­ren“„Mit Ras­sis­ten und Ex­tre­mis­ten spre­che ich nicht“

Lin­ke-Frak­ti­ons-Chef Ri­co Geb­hardt (52) lob­te und kri­ti­sier­te Til­lich zu­gleich. Die­ser ha­be sich zu spät aus der De­ckung ge­wagt.

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