„So­bald ich ein Käp­pi auf­ha­be, wer­de ich kon­trol­liert“

Dresdner Morgenpost - - KINO -

MÜNCHEN - In­spi­riert von den Ver­bre­chen der Ter­ror­grup­pe NSU kam Brüg­ge­mann auf die Idee ei­ner bit­ter­bö­sen Ko­mö­die. Neo­na­zis als ein Hau­fen Chao­ten, die sich die Köp­fe ein­schla­gen und oben­drein al­le dem Ver­fas­sungs­schutz als V-Leu­te zu­ar­bei­ten. Im Film „Heil“treibt Brüg­ge­mann Ei­tel­kei­ten, Er­folgs­stre­ben und Ei­fer­sucht im rech­ten Mi­lieu auf die Spit­ze. Mit­ten­drin Haupt­fi­gur Se­bas­ti­an mit dunk­ler Haut­far­be, ge­spielt von Jer­ry Hoff­mann (26). Nach ei­nem Schlag auf den Kopf plap­pert er ex­tre­me Pa­ro­len nach und wird zum Aus­hän­ge­schild der Rech­ten.

Jer­ry Hoff­mann (26) Es ist mir gera­de in den letz­ten drei Jah­ren ver­mehrt pas­siert, dass ich bei je­der zwei­ten, drit­ten Ein­rei­se­kon­trol­le am Flug­ha­fen von 150 Leu­ten ei­ner von drei­en bin, der raus­ge­holt wird und der zur Aus­weis­kon­trol­le oder Ta­schen­durch­su­chung muss. Das ist kei­ne Fik­ti­on.

Das ist ein recht kom­ple­xes The­ma. Wir ha­ben na­tür­lich vie­le Men­schen mit dunk­ler Haut­far­be in die­sem Land, die nicht gleich­be­rech­tigt in den Ar­beits­markt ein­ge­bun­den wer­den. Zu­sätz­lich wird Men­schen auf­grund äu­ße­rer Merk­ma­le Kri­mi­na­li­tät un­ter­stellt. Gleich­zei­tig gibt es ein ver­fälsch­tes Bild, wie man es auch bei der Flücht­lings­de­bat­te hat: Der Aus­län­der wur­de in der Ver­gan­gen­heit in den Me­di­en in Film und TV oft als un­hy­gie­nisch, un­ge­bil­det und nicht so­zi­al­fä­hig dar­ge­stellt. Das be­trifft dann auch Men­schen wie mich, die deutsch sind. Die Pra­xis des Ra­ci­al-Pro­filing ist gang und gä­be in Deutsch­land. Ei­ne Ein­sicht dar­über, dass die­se Se­lek­ti­on dis­kri­mi­nie­rend und ver­let­zend ist, konn­te ich bis­her bei kaum ei­nem Be­am­ten fest­stel­len. Selbst was ich für Kla­mot­ten an­ha­be, ist aus­schlag­ge­bend. Ich tra­ge mitt­ler­wei­le an Flug­hä­fen ver­mehrt Hem­den, weil ich dann nicht oder we­ni­ger kon­trol­liert wer­de. So­bald ich ein Käp­pi auf­ha­be, wer­de ich kon­trol­liert.

Ich bin so­gar der Mei­nung, dass Hu­mor der bes­te Weg ist, mit sol­chen Din­gen um­zu­ge­hen. Ich glau­be nicht, dass es die Stär­ke von uns Deut­schen ist, mit der Form von Hu­mor über die ge­gen­wär­ti­gen Zu­stän­de und Pro­ble­me zu re­den. Aber ich ha­be schon das Ge­fühl, dass Hu­mor ein Ven­til ist, über Sa­chen an­ders nach­zu­den­ken. Ich ha­be in mei­nem Le­ben vie­le Din­ge über Hu­mor ver­stan­den.

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